POLITIK
09/03/2018 20:19 CET | Aktualisiert 09/03/2018 20:36 CET

AfD will 600 Gläser Tomatensuppe an Tafel spenden – doch die lehnt ab

“Glauben Sie den Bedürftigen ist es wichtig, wer spendet?”

Sean Gallup via Getty Images
Eine Suppenküche in Berlin.
  • Ein AfD-Politiker aus Bayern hat versucht, Suppen an eine Tafel zu spenden
  • Doch die lehnte ab – und sieht sich nun Empörung ausgesetzt

Der Tafel-Streit ist nicht vom Tisch. Nach Essen im Ruhrgebiet gibt es nun auch in Bayern Ärger. Grund ist dieses Mal kein Aufnahmestopp, sondern eine zurückgewiesene Essens-Spende der AfD.

Laut “Passauer Neue Presse” habe Ralf Stadler, Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Passau, der Tafel im niederbayerischen Waldkirchen 600 Gläser Tomatensuppe angeboten. Da er in der Lebensmittelbranche tätig sei, seien ihm die Fertigsuppen zur Verfügung gestellt worden.

Die Tafel lehnte die Spende ab: Zunächst wegen mangelndem Stauraum für die Gläser.

► Als die Tafel-Mitarbeiter von der Parteimitgliedschaft Stadlers erfuhren, hätten sie die Suppen aus einem anderen Grund nicht angenommen, berichtet die Lokalpresse.

“Können wir nicht machen”

“Wir können uns im Wahljahr nicht mit einer Partei ablichten lassen”, erklärte Tafel-Vorsitzende Christina Lang der “PNP”.

► Der AfD-Mann hätte bei der Übergabe der Spende auf ein Foto gepocht. Monate vor der Landtagswahl für die Helfer offenbar nicht zumutbar.

Die AfD war empört, dass ihre Werbeveranstaltung abgeblasen wurde.

Bei Twitter schrieb der Landesverband Bayern: “Glauben Sie den Bedürftigen ist es wichtig, wer spendet?”

In den sozialen Medien rasteten Anhänger der Partei völlig aus. Einige klagten über “NS-Methoden”, andere über “Arroganz” und “Gutmenschentum”.

Die AfD sucht die Empörung

Es ist nicht das erste Mal, dass Hilfseinrichtungen auf Zuwendungen der Rechtspopulisten verzichten.  

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Anton Friesen hatte im Dezember 100 Euro an eine Tafel im thüringischen Sonnenburg gespendet und das Geld zurückgesendet bekommen.  

“Das Menschenbild von Diakonie und Kirche ist mit dem der AfD nicht vereinbar und wir möchten uns klar davon abgrenzen”, schrieb die Leitung der Tafel.

Friesen schoss bei Facebook zurück: “Sie haben völlig Recht: die Positionen der AfD sind mit denen der Evangelischen Kirche unvereinbar. Die AfD nämlich hält an christlichen Werten fest, während Sie das Christentum verraten und verkauft haben.” 

Für die AfD war die Posse ein dankbarer PR-Erfolg. Geholfen hat sie sonst dagegen niemandem.