POLITIK
06/03/2018 10:49 CET | Aktualisiert 06/03/2018 18:05 CET

AfD-Politiker treffen in Syrien einen radikalen Islam-Gelehrten

Die Propaganda-Tour für Assad wirft Fragen auf.

  • Mehrere AfD-Politiker sind nach Syrien gereist, um zu beweisen, wie sicher das Land ist
  • Der Trip sorgt für Wirbel – besonders wegen eines fragwürdigen Treffens

Die AfD ist der Meinung: Syrien ist ein sicheres Land. 

Deshalb plädiert die Bundestagsfraktion der Rechtspopulisten dafür, ein Rückkehrabkommen mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad auszuhandeln – und syrische Flüchtlinge zurück in das Kriegsland zu schicken.

Um zu beweisen, dass ihre Einschätzung zutrifft, sind nun offenbar mehrere  AfD-Männer in die von Assad kontrollierten Gebiete Syriens gereist. Das berichtet die “Neue Westfälische”. 

In der AfD-Delegation: Christian Blex, AfD-Landtagsabgeordneter aus NRW, der Mindener Landesvorsitzende Thomas Röckemann, der Gütersloher Bundestagsabgeordnete Udo Hemmelgarn und sein Magdeburger Fraktionskollege Frank Pasemann. Die Politiker sollen privat unterwegs sein.

Röckemann erklärte im rechtskonservativen Magazin “Compact” schon vor Beginn der Reise, die Lage in Syrien sei “entspannter als man glauben soll”.

Blex twittert von Rebellen und Burkas

Blex postete bei Twitter ein Bild aus Damaskus.

Darauf zu sehen: Zwei Frauen in Jeans. Der AfD-Mann schrieb: “Blue Jeans statt schwarze Schleier! Frauen sitzen in Bars. In Mekka kaum vorstellbar - in Berlin-Neukölln leider auch nicht. Und die Regierung unterstützt ‘Rebellen’, die solche Frauen unter die Burka pressen wollen.”

Faktencheck: 

Die Bundesregierung hat sich im Rahmen der Internationalen Allianz gegen den Islamischen Staat im Syrienkrieg engagiert. Die Bundeswehr führt dafür Aufklärungsflüge über Syrien durch. Zudem unterstützte Deutschland die kurdischen Peschmerga im Nordirak mit Waffen gegen den IS.

Die Peschmerga haben jedoch ein betont liberales Frauenbild. Seit 1996 dienen in der Peschmerga auch weibliche Kämpfer. Die – völlig klar – keine Verschleierung tragen.

Sunnitische Rebellen werden indes nicht von Deutschland unterstützt.

AfD-Männer treffen Großmufti

Noch bemerkenswerter: Die AfD-Delegation traf in Damaskus offenbar den syrischen Großmufti Ahmad Badr ad-Din Hassun. Blex twitterte ein Foto der Zusammenkunft (siehe oben).

Der AfD-Rechtsaußen schrieb dazu: “Treffen mit dem Großmufti, Ihre Exzellenz Dr. Ahmad Badr al-Din Hassoun. Betont, wie wichtig Trennung von Religion und Kirche ist! Ruft Syrer in Deutschland zur Rückkehr auf. Würde den Aufruf auch von Berlin aus machen! Frau Merkel, laden Sie ihn doch mal zu sich ein.”

Ob Blex wusste, mit wem er sich da eingelassen hatte?

Faktencheck:

Der einst als liberal geltende Großmufti Hassoun, der sich betont säkular gibt, schlug sich im Bürgerkrieg auf die Seite von Assad und ließ seine geistliche Arbeit politisch vereinnahmen.

Hassoun vertrat in der Vergangenheit auch judenfeindliche Positionen, um für den Kriegsdienst für das syrische Regime zu werben.

Hassoun fabulierte so etwa von einer “zionistischen Verschwörung”.

Laut dem Islam-Experten Christoph Sydow vom “Spiegel” rief der Mufti in der Vergangenheit bereits zu Selbstmordattentaten in Europa auf.

Tatsächlich finden sich im Netz entsprechende Videos aus dem Jahre 2011.

Screenshot
Ein Video der Ansprache.

“Wenn die erste Bombe auf Syrien fällt, sind alle Söhne und Töchter Syriens und des Libanon bereit, Selbstmordattentäter auf dem Boden Europas oder Palästinas werden“, sagte der Gelehrte laut Übersetzung der “Welt”.

Propaganda für Assad

Die Damaskus-Reise der AfD-Männer fällt in eine Zeit, in der das syrische Regime in der Rebellen-Enklave Ghouta einen Massenmord initiiert.

Mehr als 600 getötete Zivilisten in den letzten beiden Wochen, meldet die Nachrichtenagentur AP. 400.000 Menschen sind seit Monaten in dem Gebiet in der Nähe der Hauptstadt eingeschlossen.

Das Propaganda-Schaulaufen der Rechtspopulisten wirft ein Schlaglicht darauf, wie viel Menschlichkeit die Partei zu opfern bereit ist, um für die eigene krude Agenda zu werben.

(jg)