POLITIK
18/09/2018 13:34 CEST | Aktualisiert 18/09/2018 16:19 CEST

Nach Hausbesuch von AfD-Politiker: Satiriker hat eindrückliche Warnung

"Es ist kurz vor zwölf, macht euch da keine Illusionen."

Michele Tantussi via Getty Images
Frank-Christian Hansel (l.) neben AfD-Politiker Georg Pazderski. 
  • Nach dem Dreh eines Satire-Videos ist ein AfD-Abgeordneter vor der Haustür des Firmenpartners eines Satirikers aufgetaucht. 
  • Auf seinem Blog berichtet der Satiriker, was dann passierte. 

“Ein Hauch von ’33 – und plötzlich stehen sie vor deiner Tür”. Mit dieser Überschrift berichtet der Satiriker Schlecky Silberstein, mit bürgerlichem Namen Christian Maria Brandes, auf seinem Blog von einer unheimlichen Begegnung mit einem AfD-Politiker. 

Der Hintergrund: Brandes hatte mit seiner Produktionsfirma für den SWR ein Satire-Video über die rechten Krawalle in Chemnitz gedreht. Die AfD bekam von den Dreharbeiten Wind – und meinte eine vermeintlich lancierte Falschmeldung entlarvt zu haben. 

Dabei war die AfD nur ein Teil des Videos. Dass es sich bei den nachgestellten Szenen um Satire handelt, verschwieg die Partei in ihren empörten Berichten in den sozialen Medien – laut Brandes trotz besseren Wissens.

Die Partei habe wissen müssen, dass das gedrehte Video eine Satire ist. “Wir haben das komplette Set mit entsprechenden Hinweise zugekleistert”, schreibt Brandes.

Doch der tatsächliche Hintergrund des Videodrehs interessierte viele AfD-Anhänger gar nicht. In den Kommentaren unter dem AfD-Beitrag forderten einige, die Identitäten samt Adresse der Produzenten des Satire-Videos aufzudecken.

Genau das führte zu dem Aufeinandertreffen von Satiriker Brandes mit dem Berliner AfD-Senatsabgeordneten Frank-Christian Hansel.

AfD-Mann klingelt bei Satiriker

Der suchte die Wohnung eines Firmen-Partners von Brandes auf, filmte Adresse und Namensschild ab und veröffentlichte ein Video. 

Das ist illegal und laut Brandes auch ein Eingriff in die Pressefreiheit. Er berichtet in seinem Blog von Morddrohungen. Er gibt der AfD dafür die Schuld. 

Der Satiriker appelliert an seine Leser

Attacken auf Künstler und Journalisten gehörten zum “Einmaleins der Autokratie”, klagt der Satiriker. Brandes schickt dann noch eine eindringliche Warnung an seine Leser: 

Wenn autokratische Parteien einmal an der Macht sind, dann ist der Weg zurück sehr, sehr schwer. Damit richte ich mich vor allem an die Wechsel- und Protestwähler, die glauben, man könne Autokraten nach vier Jahren einfach so wieder abwählen.” 

Er appelliert: “Es ist kurz vor zwölf, macht euch da keine Illusionen.” Die AfD versuche Medien und andere Institutionen zu lähmen.

Und weiter: 

“Ich verstehe jeden, der in der Migration ein gigantisches Problem sieht. Ich verstehe sogar alle, die sich eine Partei wünschen, die so erzkonservativ ist, dass sie uns am liebsten zurück in die 50er-Jahre bringen will. Aber weiter zurück sollten wir nicht fallen.”

(mf)