POLITIK
29/11/2018 22:36 CET | Aktualisiert 30/11/2018 09:50 CET

AfD-Mann im Bundestag empört mit Macho-Spruch zu seinen Genitalien

Im Bundestag ging es um die Kastration von Ferkeln.

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AfD-Mann Stephan Protschka im Bundestag. 
  • Am Donnerstagabend ging es im Bundestag um ein Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln. 
  • Ein AfD-Politiker nutzte das Thema für einen unangebrachten Witz. 

Es war kurz nach 21 Uhr, als der AfD-Abgeordnete Stephan Protschka ans Rednerpult im Bundestag trat. Hinter den Bundestagsabgeordneten lag zu diesem Zeitpunkt ein langer Tag: Der UN-Migrationspakt, das Mietrecht und eine Grundgesetzänderung für ein umfassendes Digitalisierungsprogramm waren zur Abstimmung gestanden. 

Nun am Abend ging es um die Kastration von Ferkeln. Sie werden bisher kurz nach der Geburt ohne Betäubung kastriert, ab Anfang nächsten Jahres sollte das eigentlich verboten sein. Die große Koalition will den Stichtag allerdings um zwei Jahre verschieben. 

Zu diesem Thema nun sprach Stephan Protschka. Er begrüßte zunächst das Bundestagspräsidium mit dem bayrischen Ausspruch “Habe die Ehre!”. 

Seine Rede wollte der AfD-Bundestagsabgeordnete aus Niederbayern dann mit einem Witz beginnen: “Ich habe mir gerade die Rednerliste durchgeguckt. Ich musste feststellen, ich bin der einzige Mann, der zur Kastration spricht.”

► Sonst gäbe es nur Rednerinnen. Dann der vermeintliche Witz: “Aber bei mir geht noch alles, ich weiß, wovon ich reden kann.”

AfD-Abgeordneter löst Empörung aus

Hier wurde es laut im Bundestag. Eine Abgeordnete war zu hören, die empört rief: “Das ist alles überhaupt nicht lustig.”

Protschka fand seinen sexistische Spruch wohl angebracht. Er grinste breit. 

Danach sprach der Abgeordnete aber doch noch über den eigentlichen Sachverhalt, die Änderung des Tierschutzgesetzes. Er kritisierte, dass die Bundesregierung keine tierschutzgerechte Alternative zu bisherigen Betäubungsverfahren eingeführt habe. 

Die Tierschutzbeauftragte der SPD-Fraktion, Susanne Mittag, sagte in ihrer Rede dagegen, die vorhandenen Alternativmethoden seien “noch nicht vollkommen gangbar”. So seien etwa die Geräte für eine Betäubung mit Isofluran, bei denen die Tiere keine Schmerzen haben, auf dem Markt noch nicht ausreichend vorhanden. 

Der Bundestag verschob dann auch bei der Abstimmung ein Ende der betäubungslosen Ferkel-Kastration um zwei Jahre. 

Ein Ex-AfDler greift den Macho-Spruch auf

Ein Abgeordneter griff die Bemerkung von Protschka bei seiner Rede auf. Der fraktionslose Bundestagsabgeordnete Mario Mieruch, früher bei der AfD, sagte, Protschka habe die Rednerliste wohl nicht richtig gelesen. 

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Mario Mieruch im Bundestag. 

“Meine Cojones sind auch noch da. Das habe ich sogar bewiesen, indem ich ausgetreten bin”, sagte Mieruch, der am 4. Oktober 2017 die AfD-Fraktion verlassen hatte. 

Es war ein irrer Abend im Bundestag. 

(vw)