POLITIK
03/09/2018 22:14 CEST | Aktualisiert 04/09/2018 14:58 CEST

So hetzt die AfD gegen die 50.000 Konzert-Besucher in Chemnitz

“Ihr seid nicht mehr. Ihr seid Merkels Untertanen, ihr seid abscheulich."

  • Die AfD wütet gegen Konzertbesucher von “Wir sind mehr” in Chemnitz.
  • Ein Abgeordneter hegt sogar Untergangsfantasien.
  • Oben im Video: Frau stellt sich allein gegen die AfD, wird angebrüllt – und bleibt standhaft.

Man muss kein Fan dessen sein, was sich am Montagabend in Chemnitz ereignete. Nach einer Woche des Hasses mit Hooligan- und AfD-Demos in der sächsischen Stadt haben prominente Bands zum Gegenprotest aufgerufen. Unter dem Motto ”#wirsindmehr” spielten Kraftklub, die Toten Hosen, K.I.Z. und andere ein Konzert.

Man sollte allerdings den Anstand haben, den mindestens 50.000 überwiegend jungen Menschen, die in Chemnitz erschienen waren, um für Toleranz zu demonstrieren, genau das Recht – ihr Recht – einzuräumen.

Ihr Recht, den tausenden gegen Flüchtlinge und Migrantenkriminalität Demonstrierenden der vergangenen Woche, etwas entgegenzusetzen.

Florian Gaertner via Getty Images
AfD-Vize von Storch.

Genau das tat die AfD nicht. Stattdessen reagierte die rechte Partei mit aggressiven Attacken auf die Bilder der friedlichen Musikveranstaltung.

Von Storch: “Ihr seid abscheulich!”

Die Fraktionsvizevorsitzende Beatrix von Storch schrieb bei Twitter über die sich versammelnden jungen Menschen: “Ihr seid nicht mehr. Ihr seid Merkels Untertanen, ihr seid abscheulich - und ihr tanzt auf Gräbern.”

 

Der AfD-Abgeordnete Marc Jongen breitete in einer Pressemitteilung seine Untergangsfantasie aus: 

“In Chemnitz inszeniert sich das letzte Aufgebot antideutscher Agitpropbands als Anwalt der ‘Toleranz’ – in Wahrheit geht es um die Abschaffung Deutschlands.”

Wie die rund 50.000 tanzenden und singenden Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder Deutschland abzuschaffen gedachten, erklärte Jongen nicht.

Nur so viel: Das Konzert diene dazu, den “legitimen Protest gegen die fatalen Folgen der Masseneinwanderungspolitik der Regierung Merkel” zu diskreditieren.

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Seit Tagen echauffieren sich zahlreiche AfD-Mitglieder über die Kritik an den Demonstrationen vergangener Woche und der parteieigenen Kundgebung vom Samstag.

Kritik ja – aber nicht an Demonstrationen an sich

Was Jongen nicht sagte: Diese Kritik richtete sich nicht gegen die Demonstranten an sich, sondern gegen das Auftreten hunderter Rechtsextremisten, Hooligans und Neo-Nazis.

► So hatten auch nahezu alle wichtigen Vertreter der großen Parteien, das Recht der Menschen, zu demonstrieren, ausdrücklich verteidigt.

Die Kritik der Kanzlerin Angela Merkel etwa richtete sich gegen “die Jagdszenen” auf Ausländer in der Innenstadt am Sonntag, nachdem der 35-jährige Daniel H. in Chemnitz erstochen worden war.

Eine Woche später kam Kritik auf, weil die AfD bei ihrem Trauermarsch am Samstag neben der fremdenfeindlichen Bürgerbewegung Pegida marschierte. 

(ben)