POLITIK
15/07/2018 10:37 CEST | Aktualisiert 16/07/2018 08:56 CEST

AfD-Frau von Storch kritisiert Nazi-Vergleich – mit widerwärtiger Argumentation

Auf den Punkt.

Im Video oben: Nicht das erste Mal sorgt von Storch mit einem Tweet für Aufregung – so auch damals beim Anschlag in Münster.

Die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch hat am Sonntagmorgen auf Twitter einen Vergleich der aktuellen Flüchtlingspolitik mit der jener der Weltgemeinschaft am Vorabend des Zweiten Weltkriegs indirekt als Verharmlosung kritisiert.

Doch was von Storch schrieb, zeigt, dass sie aus dem Nationalsozialismus keine Lehre gezogen hat. Im Gegenteil. Die Aussage auf den Punkt gebracht.

Was von Storch kritisiert wurde: AfD-Frau von Storch kritisiert Nazi-Vergleich – mit widerwärtiger

Von Storch bezieht sich auf einen Tweet der Organisation Pro Asyl. Diese twitterte am Sonntagmorgen:

“Die Konferenz von Evian endete vor 80 Jahren ergebnislos. Niemand wollte die jüdischen Flüchtlinge aufnehmen. Damals hat die Zivilisation ihre Prüfung nicht bestanden. Ob Europa die Prüfung des 21. Jahrhunderts besteht, wird sich an seinen Außengrenzen erweisen.”

Die Reaktion der AfD-Politikerin: AfD-Frau von Storch kritisiert Nazi-Vergleich – mit widerwärtiger

Von Storch schrieb dazu: “Die Asyltourismusleiter stellen die Armut in der Welt und die ‘Flucht’ davor auf eine Stufe mit der Flucht vor millionenfachem industriellem Massenmord an 6 Millionen Juden. Nicht zu fassen.”

Der historische und aktuelle Hintergrund: AfD-Frau von Storch kritisiert Nazi-Vergleich – mit widerwärtiger

Im Juli 1938 trafen sich die Repräsentanten von mehr als 30 Staaten und mehr als 20 Hilfsorganisationen auf einer einwöchigen Konferenz im französischen Evian, um darüber zu sprechen, wie man mit den jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland umgehen solle.

Zwar wurde ein Komitee gegründet, das zusammen mit Deutschland die jüdische Auswanderung koordinieren solle. Doch die Bereitschaft, Juden aufzunehmen, war unter den Teilnehmern gering. Die Konferenz endete vor genau 80 Jahren, am 15. Juli.

Derzeit diskutiert die Europäische Union, wie mit den Flüchtlingen umzugehen sei. Italien lässt, maßgeblich auf Betreiben des rechtspopulistischen Innenministers Matteo Salvini, keine Rettungsschiffe von Nichtregierungsorganisationen mit Flüchtlingen an Bord mehr anlegen, viele Schiffe wurden festgesetzt. Die private Seenotrettung liegt somit brach, einen staatlichen Ersatz gibt es nicht.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen prangerte deshalb diese Woche an, allein in den vergangenen vier Wochen seien so 600 Menschen im Mittelmeer ertrunken.

Beobachter sehen mit Entsetzen, dass die Option, Menschen zur Abschreckung eben ertrinken zu lassen, ernsthaft diskutiert wird. Und wie die Verrohung der Sprache dazu beiträgt, dass Menschen ernsthaft Menschenrechte infrage stellen.

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GETTY/Storch
AfD-Politikerin Beatrix von Storch

Aus von Storchs Tweet spricht Menschenhass AfD-Frau von Storch kritisiert Nazi-Vergleich – mit widerwärtiger

Sicherlich kann man diskutieren, ob eine Vergleich der heutigen Situation mit jener angemessen ist, in der sich in Nazi-Deutschland ein Völkermord anbahnte.

Wenn nun von Storch aber Flüchtlingshelfer als “Asyltourismusleiter” verunglimpft, wenn sich das Fliehen vor teils existenzieller Armut in Anführungszeichen setzt, wenn sie in ihren Tweet ignoriert, dass neben Armut Gewalt und Krieg Motor der Flucht sind, dann schürt sie denselben Menschenhass, befördert die Verrohung, ohne den oder die es den Völkermord im Zweiten Weltkrieg nie gegeben hätte.

Zumal man davon ausgehen kann, dass Pro Asyl genau diesen Zusammenhang beim Twittern im Sinn hatte. Und auch nicht behauptet hat, dass die Verhältnisse genau gleich sind.

Auf den Punkt gebracht: AfD-Frau von Storch kritisiert Nazi-Vergleich – mit widerwärtiger

Von Storch hat in einem Tweet Menschenwürde und Menschenrechte förmlich bespuckt. Als Vertreterin einer Partei, die laut neuesten Umfragen die Zustimmung von 16 Prozent der Deutschen besitzt.