POLITIK
31/08/2018 19:43 CEST

AfD-Frau von Storch gerät aus dem Konzept, als BBC nach Hitlergrüßen fragt

“Wir sind… äh… das ist nur… äh…”

Alexander Koerner via Getty Images
AfD-Politikerin von Storch. 
  • AfD-Fraktionsvize von Storch war zum Interview bei der BBC eingeladen.
  • Eine Frage schien sie zu überrumpeln. 

Schon die Konstellation war explosiv. 

Am Freitag interviewte die muslimische BBC-Moderatorin Mishal Husain die stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Beatrix von Storch zu der gewaltsamen Tötung eines 35-jährigen Mannes in Chemnitz – und den rechtsradikalen Ausschreitungen in den Tagen danach. 

Husain hakte in der Sendung “Today” immer wieder konsequent nach – und brauchte von Storch stellenweise aus dem Konzept. 

“Handelt so eine verantwortungsvolle Partei, Frau von Storch?”

Als die BBC-Moderatorin die AfD-Politikerin fragte, ob ihre Partei nicht teilweise verantwortlich für die Gewalt in Chemnitz sei, blockte von Storch natürlich ab.

Husains Argument: Auch die AfD hatte am Sonntag – als es zu Jagdszenen auf Migranten gekommen war – zu einer Demonstration aufgerufen. 

Von Storch sah die Schuld natürlich wo anders. Bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). “Was wir sehen, ist, dass die Regierung die Kontrolle über das Land verliert”, sagte sie. “Der Grund für alles, was passiert, ist die Politik von Kanzlerin Angela Merkel.”

Husain wollte ihr das nicht durchgehen lassen. Sie verwies darauf, dass es eine Straftat gab und zwei Verdächtige nun in Haft seien. “Das Justizsystem sollte seiner Arbeit nachgehen dürfen”, betonte die Moderatorin. 

Husain verwies auch darauf, dass die AfD mit einem Foto einer Blutlache wütende Demonstranten mobilisiert habe. “Sind das die Handlungen einer verantwortungsvollen Partei?”

Von Storch verdreht die Faktenlage

Von Storch erklärte, die Medien, auch die BBC, würden nicht verstehen, wie groß der Unmut in der Bevölkerung über “die Tötungen” sei.

“Wir haben Tötungen hier jede zweite Woche. Wir hatten 447 Tötungen und Morde von illegalen Migranten im vergangenen Jahr, die durch Migranten begangen wurden”, sagte sie. Wie das zusammenpasst, erklärt von Storch nicht.

Sie nannte stattdessen lieber wieder Argumente, die sie bereits einmal in einem BBC-Interview angebracht hatte. 

► Husain hielt von Storch entgegen, dass die Zahl der Straftaten in Deutschland laut der Polizeilichen Kriminalstatistik auf einem Rekordtief seit 1992 sei.

Von Storch entgegnete, das sei “Blödsinn”. Sie entgegnete, das liege an der abnehmenden Zahl von Fahrrad-Diebsstählen. Die Zahl der Morde sei um 400 Prozent gestiegen.

Eine Behauptung, die sich mit Blick auf die Fakten nicht halten lässt. Laut der Kriminalstatistik nehmen nicht nur Diebstähle ab, sondern Gewaltverbrechen insgesamt. Von 2017 auf 2016 um 2,4 Prozent. 

Richtig ist: Morde steigen wieder in Deutschland. 2015 waren es 649, 2016, 761 und 2017 schließlich 785. 

Mehr zum Thema: Was hinter den angeblich drastisch angestiegenen Vergewaltigungen durch Flüchtlinge steckt 

Was ist mit den Hitlergrüßen?

Richtig überrumpelt schien von Storch von einer weiteren Frage der BBC-Journalistin zu sein: “Wenn einige von denen, die Hitlergrüße zeigten, sich als AfD-Mitglieder herausstellen, werden sie ausgeschlossen?”

Laut der Polizei zeigten 10 Personen der rechten Demonstration am Montag in Chemnitz Hitlergrüße. 

Von Storch lieferte zunächst aber keine Antwort. Zumindest keine verständliche. “Wir sind… äh… das ist nur… äh…”, stotterte sie – um dann eine Gegenattacke zu starten: “Sind Sie die BBC oder eine private…”

Husain hakte noch einmal nach. Von Storch sagte schließlich: “Sie wollen suggerieren, dass das AfD-Mitglieder sind. Das sind Nazis. Sie sind bekannt.” Die AfD-Politikerin schimpfte dann weiter, dass die tausende Demonstranten als Nazis verunglimpft würden und dass die Menschen noch weiter wütend machen würde.

Videoaufnahmen aber zeigen eindeutig: Unter den Demonstranten hatten sich am Montag zahlreiche gewaltbereite Hooligans, Neonazis und Rechtsradikale gemischt. 

Eine klare Distanzierung aber lieferte die AfD-Politikerin, in deren Partei der Chef die NS-Verbrechen verharmlost und Mitarbeiter beschäftigte, nicht. Die BBC-Journalistin würgte das Interview an dieser Stelle dann auch ab.