POLITIK
10/08/2018 21:44 CEST

AfD-Flügel wirft Poggenburg raus – der fürchtet nun "Partei in der Partei"

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► Der völkisch-nationale AfD-Flügel um Björn Höcke hat André Poggenburg bereits am vergangenen Freitag rausgeschmissen. Nun sorgt sich der Ex-AfD-Landesvorsitzende in Sachsen-Anhalt um strukturelle Veränderungen innerhalb der rechtsnationalen Gruppierung der Partei.

► Organisatorischen Veränderungen wie der Gründung eines “Flügel-Vereins” stehe er aus vielerlei Gründen sehr skeptisch gegenüber, sagte Poggenburg der “Welt”.

► Er betonte: “Lange Zeit galt für uns, der ‘Flügel’ bleibt einfach eine Gemeinschaft und ein Netzwerk Gleichgesinnter, aber ohne Satzung und Statuten. Ich möchte keine ‘Partei in der Partei’.”

Hintergrund:

  • Der “Flügel” ist ein informelles, gut organisiertes Bündnis von Rechtsnationalen in der AfD. Ins Leben gerufen wurde die Gruppierung im März 2015 von Poggenburg und Thüringens AfD-Chef Björn Höcke. Seitdem galten die beiden als enge Vertraute.
  • Das Selbstbewusstsein des “Flügels“ innerhalb der AfD ist groß. Laut Höcke sei die Gruppierung “die dynamischste und letztlich auch die mächtigste Strömung in dieser Partei”.

Darum ist Poggenburgs Äußerung wichtig:

Bei den AfD-Rechtsaußen rumort es derzeit gewaltig. Der Rausschmiss Poggenburgs kam für viele Beobachter überraschend. Nach internen Druck war er im März bereits von der Doppelfunktion als Partei- und Fraktionschef in Sachsen-Anhalt zurückgetreten.

Die Höcke-Gruppe hatte weniger Probleme mit Poggenburgs verbalen Entgleisungen, Linke bezeichnete er als “Wucherung am deutschen Volkskörper”, in Deutschland lebende Türken als “Kümmelhändler” und “Kameltrauber” und er hat keinerlei Probleme mit dem NPD-Spruch “Deutschland den Deutschen”. Laut “Spiegel” soll sich Poggenburg vielmehr mit den Gemäßigten der Partei verbündet haben.    

Poggenburgs jüngste Aussagen könnte daher als Warnung an die ehemaligen rechten Mitstreiter verstanden werden. Der Brandenburger AfD-Chef Andreas Kalbitz wird nun wohl seinen Platz einnehmen.  

Was Poggenburg noch sagte:

Poggenburg sagte der “Welt”, es habe sich im letzten Jahr zusehends die Zusammensetzung der Leitung beziehungsweise des inneren Kerns des “Flügels” verändert und erweitert, “verbunden mit Einflussnahme völlig neuer Beteiligter und großer Vertrauenseinbuße auf dieser Ebene”. Ähnlich hatte sich der AfD-Politiker schon zuvor in einem internen Brief geäußert, über den der “Stern” zuerst berichtet hatte.

“Der ‘Flügel’ ist nun somit ein reiner Höcke-‘Flügel’, das mag man begrüßen oder auch nicht”, bemerkte der 43-Jährige. “Unterm Strich muss ich festhalten, dass wir zuerst einmal alle Mitglieder unserer Partei, der Alternative für Deutschland, sind, und das Denken in verschiedenen Flügeln und Lagern bei manchem Vertreter destruktiv überhandnahm.”

Mit Material von dpa.