POLITIK
28/05/2018 06:03 CEST | Aktualisiert 28/05/2018 07:37 CEST

AfD-Demo: Die "Zukunft Deutschlands" war nur auf einer Seite zu sehen

Die HuffPost-These.

Das Video oben zeigt, was sich bei den Demonstrationen am Sonntag in Berlin abgespielt hat. 

An diesem Sonntag verlief wieder eine Grenze durch Berlin.

Gesichert von Polizisten in schwerer Montur standen auf der einen Seite rund 5000 Sympathisanten der rechten AfD, auf der anderen Seite etwa fünfmal so viele Gegendemonstranten

“Zukunft Deutschland” hatte die AfD ihre Kundgebung in der Hauptstadt getauft. Die Partei machte vor dem Reichstag gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), den Islam und die Flüchtlingspolitik der Regierung mobil.

Und so war Berlin am Sonntag auch farblich eine gespaltene Stadt. Auf der einen Seite: bunt. Auf der anderen Seite: So bunt, wie ein Meer aus Deutschlandfahnen eben ist.

Nicht nur an der überwältigenden Überzahl der AfD-Gegner wurde dabei deutlich: Die “Zukunft Deutschlands” sind nicht Gauland und Meuthen, sondern die zahlreichen jungen Menschen, die in Berlin für Weltoffenheit und Zusammenhalt eintraten.

AfD präsentiert Argumente von Rassisten

Die AfD, die sich in peinlicher Geschichtsklitterung gerne als Partei “des Volkes” geriert, schaffte es in Berlin trotz wochenlangem Vorlauf und fragwürdiger Mobilisierungsmethoden nicht, mit Masse zu beeindrucken.

► Mit Inhalt schon gar nicht.

AfD-Vizevorsitzende Beatrix von Storch bewies in ihrer Rede nur einmal mehr, was sich längst nur noch mit viel argumentativer Gymnastik leugnen lässt: Dass die AfD eine im Kern rassistische Partei ist.

Nationalspieler Mesut Özil sei kein Deutscher, behauptete von Storch. Sie suggerierte damit: Ein Mann mit türkischen Wurzeln, der sich dagegen entscheidet, die Hymne zu singen, kann nicht deutsch sein.

Das zeigt: Für die AfD ist Deutschsein eben doch keine Frage des Staatsangehörigkeitsgesetzes, sondern eine Frage nach außen gekehrter Heimatverbundenheit.

► Es zeigt: Sieht jemand für die Rechten nicht aus wie ein Max, sondern wie ein Mesut, sind Zweifel an seiner Zugehörigkeit angebracht. 

Es sind Zweifel, die die Gesellschaft nach optischen Kriterien spalten: Danach ob jemand schwarze Haare hat oder nach Mekka betet – oder wie die AfD-Massen in Berlin in Richtung Bundesadler bölkt.  

Getty / Reuters
Gegendemonstranten links, Alexander Gauland rechts. 

Die Jugend hat keine Lust auf die Rechten

Der bunte Gegenprotest in Berlin bot nicht nur farblich ein anderes Bild.

Vor allem fiel auf: Die Teilnehmer der vielen Demonstrationen gegen die AfD waren jünger und weiblicher als die deutschlandfahnenschwingende Anti-Merkel-Masse. 

Allein aus demographischen Gesichtspunkten marschierte, tanzte und skandierte hier die wahre Zukunft Deutschlands. Bereits bei der Bundestagswahl hatte sich abgezeichnet, dass junge Wähler die AfD ablehnen. Bei der Wählergruppe der zwischen 18- und 24-Jährigen endete die rechtspopulistische Partei als schwächste Oppositionskraft.

Rund die Hälfte der unter 25-Jährigen gab in der jüngsten Shell-Jugendstudie an, Angst vor Ausländerfeindlichkeit zu haben. Fast 80 Prozent der jungen Deutschen antworteten in der europaweiten Studie “Generation What?” an, den wachsenden Nationalismus negativ zu sehen. 

Der Gegenprotest war getrieben von ebenjenen jungen Menschen, die mit Werten wie Toleranz und Vielfalt aufgewachsen sind, die Globalisierung als Chance kennen und lieben gelernt haben.

Junge Menschen, die die Richtung bestimmen werden, in die das Land sich entwickelt.

Regiert endlich für die Zukunft!

Die AfD wird das kaum aufhalten können. Und die anderen Parteien sollten diesen Sonntag als Lehre begreifen.

Zu lange haben sie sich von den 5000 vor sich hertreiben lassen, anstatt für die 25.000 zu regieren. Zu lange haben sie eingelenkt, statt zu widersprechen, wie nicht zuletzt die massiven Rechtsverschärfungen durch Bayerns CSU zeigen.

► Die laute Minderheit der Nationalisten und Globalisierungsgegner darf nicht länger der Entscheidungsmaßstab der Volksparteien sein.  

Politik der Vernunft muss Zukunft gestalten – und nicht zwanghaft versuchen, die Fehler der Vergangenheit vergessen zu machen, die zum Erstarken der AfD geführt haben. Politik der Vernunft hat die Zukunft bereits auf ihrer Seite.  

Das hat Berlin gezeigt.

(jg)