POLITIK
28/09/2018 15:41 CEST | Aktualisiert 28/09/2018 16:35 CEST

AfD-Abgeordneten-Tochter empört bei Poetry Slam mit rassistischem Gedicht

Der Poetry Slam in Speyer lief unter dem Motto "Ohne Rassismus, mit Courage".

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Ida-Marie M., die 14-jährige Tochter der AfD-Abgeordneten Nicole Höchst, bei ihrem Vortrag in Speyer.

Es sollte eine Veranstaltung gegen Rassismus und für Zivilcourage werden – es wurde zu einer Bühne für politische und fremdenfeindliche Parolen.

Auf einem Poetry Slam in der Stadt Speyer hat ein 14-jähriges Mädchen Gedichte vorgetragen, in denen es nicht nur gegen den Multikulturalismus und Angela Merkel (CDU) Stimmung machte, sondern auch ausländerfeindliche Begriffe verwendete. 

Brisant: Die Schülerin namens Ida-Marie M. ist die Tochter der AfD-Bundestagsabgeordneten Nicole Höchst. 

AfD-Abgeorneten-Tochter betet über “Diktatorenmutter” Merkel

In der Vorrunde des Wettbewerbs, der laut der Lokalzeitung “Die Rheinpfalz” vom Jugendstadtrat Speyer und der Initiative “Speyer ohne Rassimus – Speyer mit Courage” veranstaltet wurde, hielt M. die schlimmsten Worte noch zurück. 

Dafür hatte es der Inhalt bereits in sich. “Lasset uns beten, und das geht so”, sagte M. und wechselte dann ins Lateinische. Sie sprach von der “mater dictatore”, der “Diktatorenmutter” – und meinte damit offensichtlich Angela Merkel. 

Diese habe den “benedictus multicultes” über Deutschland gebracht – den “multikulturellen Segen”. 

M. spielte auf die Demonstrationen gegen Rechts in Chemnitz an. “Multikulti tralala, hurra, die ganze Welt ist da”, sang sie. “Wir schaffen das, jetzt sind sie halt da, Multikulti tralala, hurra, die ganze Welt ist da.”

“Seht im Spiegel die Heuchler und liebt euren Nächsten, den Meuchler”, sagte M.. Noch einmal wiederholte sie dann ihren lateinischen Spruch über die “Diktatorenmutter” Angela Merkel – und bekam anschließend lauten Applaus.

Eine Moderatorin sagte sogar unverblümt: “Wir haben fünf tolle Reden gehört.”

“Der Neger ist kein Neger mehr” 

Die 14-Jährige schaffte es in die Endrunde des Wettbewerbs. Hier wurde sie dann offen fremdenfeindlich – unter dem Deckmantel, über eine vermeintliche politische Korrektheit in Deutschland herzuziehen. 

“Der Neger ist kein Neger mehr”, sagte M.. “Und Zigeuner darf man auch nicht sagen. Rassistisch ist das beides ja, das hört man jetzt allen Tagen.” 

Wer das trotzdem sage, werde ausgebuht, echauffierte sich das Mädchen dann darüber, dass man diese Worte eben nicht mehr sagen könne. 

Dann arbeitete sie sich an der Flüchtlingspolitik ab. Zuwanderer kämen “aus fernen Ländern an Menschenhändler ran”, reisten dann “mit Handy, aber ohne Pass” in die “gelobten deutschen Lande”. 

M. dichtete aus ihrem fiktiven Zuwanderer dann einen Mörder: “Weil er keine Freundin haben kann, hilft er schnell nach, mit einem Messer.” In einem Video des Auftritts sind dann laute Zwischenrufe zu hören – wobei nicht klar ist, ob geschimpft oder gejubelt wird. 

“Linke Gewerkschaften-Vertreter, Karrieristen, Volksverräter, der Flüchtling und der Muselmann” gehörten für M. zum “bunten Bündnis”, dem die “deutsche Fahne” egal sei. 

Zivilcourage, urteilte der Teenager, “ist für den Arsch”

“Hier geht es um Demokratie und Werte”, zitierte M. ihre erdichteten Aktivisten. ”‘Deutschland verrecke’, schreien sie laut.” 

Dann: Stille. Dem Mädchen wurde das Mikrofon abgestellt, sowohl Applaus als auch Buhrufe erklangen. Nach Protest aus dem Zuschauerraum ging das Mikro wieder an. 

Das Schlusswort der Schülerin: “Und die Moral von der Geschicht’: Steckt das Messer dir im Bauch, wie’s im Orient der Brauch, kannst du lauthals nur noch schrei’n, mit Rückenwind von Linksparteien: ‘Nazis raus!’”

Ein Mann trat etwas desorientiert auf die Bühne. Er trug einen Pullover mit der Aufschrift “Fuck Nazis”. 

AfD-Abgeordnete Höchst verteidigt den rassistischen Auftritt ihrer Tochter

M. wurde anschließend von der Preisverleihung ausgeschlossen. Aus Teilen des Publikums kam laut der “Rheinpfalz” lauter Protest, einige Veranstalter seien geschockt gewesen, Schüler hätten geweint. 

Speyers Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU) sagte der Zeitung im Anschluss, der Poetry Slam sei von der AfD für Provokationen missbraucht worden.

Eine Pressesprecherin der Stadt fügte hinzu, die Worte liefen unter dem Kapitel “geistige Brandstifter schüren Ängste” – das passe nicht zu Speyers Auffassung als “weltoffene, vielfältige und friedliche Stadt”.

Die AfD-Abgeordnete Nicole Höchst verteidigte hingegen ihre Tochter. Ihre Tochter sei “für meine Parteizugehörigkeit in Sippenhaft genommen” worden, teilte sie der HuffPost mit. Nur ihre Tochter habe den Begriff “Courage” ernst genommen. Sie sei ihre “persönliche Heldin”.

Der Protest gegen sie zeige die “Niedertracht” der Stadt Speyer im Umgang mit “Jugend und Meinungsvielfalt” sowie deren “intolerantes und undemokratisches Verhalten”.  

(lp)