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28/03/2018 16:58 CEST | Aktualisiert 28/03/2018 16:58 CEST

Achtung, Verwechselungsgefahr: Freunde sind nicht gleich Freunde!

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Achtung, Verwechselungsgefahr: Freunde sind nicht gleich Freunde! – Stefan Reutter

„Heee, wir haben uns ja schon ewig nicht mehr gesehen. Lass uns doch bald mal wieder treffen. Wir telefonieren einfach. War wirklich schön dir hier zu begegnen, mein alter Freund!“

Sie kennen sicherlich auch solche spontanen Treffen im Supermarkt, in der Kneipe oder in der Fußgängerzone, wenn Sie ganz zufällig auf die „guten alten Freunde“ treffen. Manchmal sind es auch tatsächlich echte Freunde, doch nur zu oft halten wir Kumpels für echte Freunde. Deswegen bin ich erst einmal skeptisch, wenn ich so etwas höre.

Denn zu viele Menschen haben das Konzept von Freundschaft nicht wirklich verstanden …

Speed-Friendship?

Ja, ich weiß, viele Menschen haben Stress bei der Arbeit und auch privat stehen sie ständig unter Strom. Zu jeder Tages- und Nachtzeit sitzen sie in ihrem Leben fest. Genannt: Hamsterrad! Und rennen ganz fleißig vor sich hin, damit sie das Rad am Laufen halten.

Natürlich kann ich dann nachvollziehen, dass die Online-Freundschaftspflege attraktiver ist als das persönliche Treffen. Sie geht schneller und schlichtweg leichter. Die Menschen heutzutage haben einfach viel zu viel zu tun. Überall sind sie involviert. Auch ich bin beruflich sehr viel unterwegs und kann mich dann abends nicht immer mit Freunden treffen.

Ich bemerke, dass es vielen genauso geht wie mir. Sie schreiben dann lieber eine kurze Nachricht über WhatsApp mit den wichtigsten Updates des Lebens. Sie wollen ja schließlich ein guter Freund sein und mit einer Nachricht ist auch alles geschwätzt – wie wir Schwaben so schön sagen.

Eine Frage der Qualität

Ein Hoch also auf die Social Media, um im engen Kontakt mit Ihren „Freunden“ bleiben zu können. Es sind ja auch so unfassbar viele: Bei Facebook haben Sie endlich die Tausendermarke geknackt, auf Twitter warten Hunderte auf Ihren nächsten Tweet und auf Instagram freuen Sie sich über rege Neidbekundungen bezüglich Ihres Lebensstils. Herrlich, oder? Für andere ganz gewiss, doch mit echter Freundschaft hat das nichts zu tun! Denn beliebt sind solche Menschen mit Sicherheit, doch wirkliche Freunde haben sie dadurch noch lange nicht. Deshalb glaube ich: Wahre Freundschaft gibt es ganz selten und die sollte man pflegen! Auch wenn es schwierig ist, alles unter einen Hut zu bringen.

Ich denke deshalb gerne zurück an meine Jugend. Meine Freunde und ich gingen durch dick und dünn. Egal, ob auf dem Bolzplatz, beim gemeinsamen Freibadbesuch oder abends beim Cliquentreffen.

Meine Freunde wurden deshalb zu meinen Freunden, weil ich viel Zeit mit ihnen verbracht habe. Weil ich ihnen zugehört und versucht habe sie zu verstehen. Weil wir zusammen etwas erlebt haben – und ja auch mal Scheiße gebaut haben. Wir haben uns gestritten und auch wieder vertragen. Und das nicht dank witziger Fotos bei Snapchat. Wir hatten damals eine ganz andere Qualität von Freundschaft.

Mein Anspruch an eine Freundschaft

Eines kann ich Ihnen sagen: Ich bin gottfroh darüber, in einer Welt groß geworden zu sein, in der ich noch gelernt habe, was Freundschaft bedeutet. Ich gebe mir und meinen Mitmenschen Zeit uns kennenzulernen, um aus einer Bekanntschaft Freundschaft entstehen zu lassen.

Vielleicht sollten viele lieber mal ihre Pseudofreundschaften überdenken und gegebenenfalls kündigen. Denn dann hätten sie endlich mal wieder ein Zeitfenster, richtige Freundschaften zu pflegen. Und eines kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Ich bin glücklicher mit zwei guten Freunden als mit 500 Pseudobekanntschaften, die mich „definitiv mal wieder anrufen“ möchten.