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08/11/2018 09:07 CET | Aktualisiert 08/11/2018 09:07 CET

"Ach, das war nur Glück!" – Warum viele Frauen nicht zu ihrem Erfolg stehen

Dahinter steckt ein gesellschaftliches Phänomen.

Fühlen Frauen sich öfter als Hochstapler? Eine Studie hat untersucht, wie sehr Männer und Frauen zu ihrem eigenen Erfolg stehen. Welches Geschlecht ist selbstbewusster? Das Ergebnis gibt einige Rückschlüsse über tief verankerte gesellschaftliche Probleme.

Photo: Joseph Gruenthal/ Unsplash
Frauen sollten sich öfters auf ihre Fähigkeiten und Talente verlassen.

Hast du manchmal das Gefühl, dass Glück oder Zufall für deinen beruflichen Erfolg verantwortlich sind? Und es nichts mit deinem eigenen Können zu tun hat? Tatsächlich gibt es für dieses Empfinden sogar einen Fachbegriff: das Impostor-Phänomen.

Menschen, die unter diesem Phänomen leiden, empfinden sich selbst als Hochstapler und glauben nicht, dass sie ihren Erfolg verdient hätten. Der weitverbreitete Glaube: Größtenteils sollen Frauen betroffen sein, weil sie sich weniger zutrauen als ihre männlichen Kollegen – denn ihnen fehlt scheinbar oft das nötige Selbstbewusstsein. Aber stimmt das wirklich?

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Eine Studie der Arizona State University zeigte, dass sich diese Entwicklung schon bei jungen Studentinnen bemerkbar macht und viele an mangelndem Selbstbewusstsein leiden. Im Durchschnitt stuften Frauen ihre eigene Intelligenz nämlich deutlich niedriger ein als Männer, auch wenn es zwischen den Befragten objektiv gesehen keinen Unterschied gab.

An der Untersuchung nahmen 202 Studienanfänger teil. Die Biologie-Studenten mussten jeweils einordnen, für wie schlau sie sich im Vergleich zu den übrigen Teilnehmern des Kurses hielten. Vor der Befragung hatten sie noch keine gemeinsamen Prüfungen geschrieben, geschweige denn einen Hinweis über den allgemeinen Leistungsstand ihrer Kommilitonen bekommen.

“Angst, für dumm gehalten zu werden”

Das Resultat der Befragung wurde im Fachblatt “Advances in Physiology Education” veröffentlicht und zeigt deutlich, dass die betroffenen Frauen ihre Intelligenz niedriger einschätzen als Männer – selbst, wenn sie den gleichen Notendurchschnitt hatten. Um das herauszufinden, wurde der sogenannte Grade Point Average (GPA) genutzt, der aus Noten an der High School und aus denen an Universitäten berechnet wird.

Zuerst wurden Männer und Frauen mit einem GPA von 3,3 (dies entspricht einer 1,7 Note im deutschen Schulsystem) befragt. Dabei kam heraus, dass die männlichen Studenten sich für schlauer hielten als 66 Prozent der Kommilitonen aus dem Kurs. Bei den Frauen hingegen waren es nur 54 Prozent.

Katelyn Cooper, die diese Studie ins Leben gerufen hat, hatte dieses Phänomen zuvor schon öfters beobachtet: “Immer wieder hörte ich von Studentinnen, dass sie Angst hätten, für dumm gehalten zu werden”, erzählt sie. Doch von männlichen Studenten sei ihr so etwas noch nie zu Ohren gekommen. Psychologen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass antiquierte, in der Gesellschaft aber leider noch vorherrschende Rollenbilder an dieser Wahrnehmung schuld seien. Als Frau zum eigenen Erfolg zu stehen gilt leider immer noch oft als “arrogant”, während es einem Mann als “selbstbewusst” angerechnet wird.

Heute sind immer noch nur 11 Prozent der Universitätsprofessoren weiblich, obwohl 44,5 Prozent der Promotionen 2017 von Frauen absolviert wurden. Es gäbe also theoretisch genug qualifizierte weibliche Kandidatinnen. Weibliche Selbstzweifel sind eher auf gesellschaftliche Erwartungen und hart verankerte Stereotype zurückzuführen, keineswegs auf ihre Qualifikation.

Ihr wollt mit diesem Klischee brechen? Dann hört doch mal in diesen Podcast:

Das Gefühl, im Job nicht gut genug zu sein und bald “aufzufliegen”, kennen viele Berufseinsteigerinnen. In der neuen Folge von „Professionell bleiben – Der Survival Podcast für Frauen im Job“ erzählt uns Sabine von ihrer ganz persönlichen Erfahrung mit diesen nagenden Zweifeln, und ihrem Buch, das sie über das Hochstapler-Phänomen – auch noch als Impostor-Phänomen bekannt – geschrieben hat. Hört rein und erfahrt, welches Frauenklischee wir zudem endlich brechen, und was euch eine Diplompsychologin rät, um zu eurem eigenen Können zu stehen!