POLITIK
06/11/2018 12:21 CET | Aktualisiert 06/11/2018 12:21 CET

US-Midterms: Warum in Nevada ein toter Zuhälter gewählt werden könnte

“Ein Republikaner ist ein Republikaner."

Bloomberg via Getty Images
Bordell-Besitzer Dennis Hof in der Moonlite Bunny Ranch in Carson City, Nevada.

Es ist die Party seines Lebens gewesen. Tagelange feierte Dennis Hof Mitte Oktober seinen 72. Geburtstag, zusammen mit Pornostars, Politikern und Freunden. Die Feier endete, als Hof, der bekannteste Zuhälter der Vereinigten Staaten, in einem seiner Bordelle gefunden wurde – tot.

Seit dem 16. Oktober sind knapp drei Wochen vergangen. Doch Hof hat laut Beobachtern gute Chancen posthum in Nevadas Unterhaus gewählt zu werden. Es wäre das absurdeste Votum im Rahmen der am Dienstag stattfindenden US-Zwischenwahlen, bei der neben Sitzen im Repräsentantenhaus und dem Senat auch landesweit viele Gouverneure, Staats- und Gemeindeämter neu besetzt werden.

Doch warum stimmen so viele Menschen für Hof, einen Zuhälter, Reality-TV-Star und republikanischen Politiker, der im Stil von US-Präsident Donald Trump agierte, obwohl sie wissen, dass er als Toter ganz sicher niemals ihre Interessen vertreten kann?

Hilfe von “Amerikas härtesten Sheriff”

Hof hatte sich Anfang Juni in einer Abstimmung für den republikanischen Startplatz im 36. Wahlbezirk Nevadas durchgesetzt. Bereits das war angesichts von Hofs beruflichen Werdegang eine kleine Sensation. Angefangen als Tankstellen-Besitzer wechselte er Anfang der 1990er ins Bordell-Business und betrieb zuletzt sechs Häuser. Nevada ist der einzige US-Bundesstaat, wo dies legal möglich ist. 

Hof verstand es, die eigentlich große Hürde zwischen Politik und der Sex-Industrie zu überbrücken. Auch im Wahlkampf sollte alles perfekt laufen: Hof sicherte sich dafür die Unterstützung von Trump-Berater Roger Stein und Joe Arpaio. Der ehemalige US-amerikanischer Sheriff war lange Jahre für den Justizvollzugsdienst des Maricopa County im US-Bundesstaat Arizona zuständig und bezeichnete sich selbst als “Amerikas härtesten Sheriff”.

“Mir gefiel an Hof, dass er für Trump, den zweiten Zusatzartikel (der US-Verfassung, darin ist das Recht auf Besitz und Tragen von Waffen festgeschrieben, Anm. d. Red.) und niedrigere Steuern war”, sagte Arpaio der US-Nachrichtenagentur AP kurz nach Hofs Tod.

Steve Marcus / Reuters
Dennis Hof (Mitte) im Gespräch mit seinem Wahlkampfmanager Chuck Muth.

Doch Hofs ungebrochene Popularität hängt vor allem mit einem Thema zusammen: Wasser.

Viele Menschen in Hofs Heimatstadt Pahrump bezeichnen den Klimawandel als Schwindel, berichtet das US-Magazin “The New Yorker”, das über Hofs Fall berichtet. Zugleich würden die Menschen aber spürbare Angst vor dem Klima haben. Viele Wasserquellen sind in der Region versiegt, die Dürre breitet sich aus.

Hof stellte sich auf die Seite derer, die sich mit den Behörden wegen des Baus von neuen Wasserpipelines oder der Erschließung neuer Quellen auf ihren Grundstücken streiten. Auf einen von Hofs Wahlplakaten steht:  “Ich werde für ihr Wasser kämpfen.” 

Ebenfalls hilfreich: Hof tritt in seinem Wahlkreis gegen die unauffällige Demokratin Lesia Romanov an, einer Erzieherin aus Las Vegas. Und sein Wahlbezirk ging bei den vergangenen Wahl immer an die Republikaner, wie die Nachrichtenseite “Bloomberg” betont

“Ein Republikaner ist ein Republikaner”

Doch egal wie das Rennen ausgeht, Fakt ist: Den Sitz im Regionalparlament wird in jedem Fall ein anderer Politiker besetzen. Denn selbst wenn Hof gewählt wird, würde ein anderer Republikaner nachrücken.

“Ein Republikaner ist ein Republikaner”, sagen Anhänger laut dem “New Yorker”. Es gehe allein um die Partei – vielen Anhängern von Trumps Partei sei egal, dass dann wohl mit James Oscarson ausgerechnet der Mann Hofs Mandat übernimmt, der ihm in der Vorwahl unterlag. 

Zuhälter Hof bezeichnete sich nicht nur selbst als “Der Trump von Pahrump”, der US-Präsident “war der Christopher Columbus für mich”, sagte Hof einmal der AP. “Er hat den Weg gefunden und ich bin aufgesprungen.” Hof hatte allerdings noch einiges Weitere mit Trump gemein, wie der “New Yorker” aufzählt: 

► mehrere Vergewaltigungsvorwürfe und, so war Hof mindestens viermal wegen sexueller Gewalt angeklagt gewesen, 

► den Hass auf Frauen,

► einen Riecher für PR-Stunts,

► und dazu noch ein Image, dass maßgeblich durch TV-Shows und eigene Bücher geprägt wurde. Hof schrieb “The Art of the Pimp”, zu deutsch “Die Kunst des Zuhälters”, angelehnt an Trumps Buch “The Art of the Deal”.

Steve Marcus / Reuters
Ein Wahlaufforderung für Hof.

Einer Toter auf dem Wahlzettel

Irgendwie passt es da, dass ausgerechnet der alternde Pornostar Ron Jeremy den leblosen Hof fand. Dessen letzte Party endete in einer Suite in seinem Nugget Hotel-Casino in Pahrump, etwa eine Autostunde von Las Vegas entfernt.

Jeremy wollte Hof für eine anstehende Wahlkampfveranstaltung im örtlichen Seniorenzentrum wecken. Doch da war er schon tot. 

Hof habe nicht getrunken, geraucht oder Drogen konsumiert, sagte Hofs Wahlkampfmanager Chuck Muth. Er betont: Trotz des strengen Zeitplans wegen der Wahl schien Hof auf den Partys in “perfekter Stimmung” und “perfekter Gesundheit” zu sein. Die Polizei schloss ein Fremdverschulden aus. 

Wayne Thorley, stellvertretender Wahlleiter von Nevada, erklärte, dass der Name Hofs auf den Stimmzetteln stehen bleibt – auch, weil diese bereits so an zahlreiche Wähler verschickt worden seien. An den Wahllokalen sollen aber Schilder angebracht werden, die die Wähler über Hofs Tod informieren. Für viele wird das die Wahl-Entscheidung nicht ändern. 

Mit Material von AP.