POLITIK
09/10/2018 10:45 CEST | Aktualisiert 09/10/2018 12:11 CEST

Junckers Plan wackelt: Wieso die Zeitumstellung vielleicht doch bleibt

Nicht alle EU-Staaten ticken gleich – die Entscheidung zur Abschaffung der Zeitumstellung wackelt.

  • Europas Bürger hatten bei einer EU-Online-Umfrage mit großer Mehrheit für eine Abschaffung der Zeitumstellung gestimmt.
  • Daraufhin versprach EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker eine schnelle Umsetzung. Doch einige Länder stellen sich quer.
  • Im Video oben erfahrt ihr, wie sich die Zeitumstellung auf Europa auswirken würde.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker macht Dampf.

Nachdem Europas Bürger sich in einer Online-Umfrage für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen hatten, pochte Juncker auf eine rasche Umsetzung des Bürgerwillens. 

FREDERICK FLORIN via Getty Images
EU-Kommisionspräsident Jean-Claude Juncker.

Es sei sinnlos, die Menschen zuerst abstimmen zu lassen und dem dann nicht zu folgen, wenn einem das Ergebnis nicht passe, sagte Juncker in einem ZDF-Interview.

Schon bis Ende März sollte jeder einzelne EU-Mitgliedstaat entscheiden, ob dauerhaft die Sommer- oder die Winterzeit im jeweiligen Land bestehen soll.

Am 31. März 2019 sollten laut den Plänen von Juncker die Uhren in den EU-Staaten das letzte Mal verpflichtend umgestellt werden. 

Die Sorge vor einem Zeiten-Wirrwarr

Doch jetzt werden Stimmen laut, die ein Zeiten-Wirrwarr und Chaos befürchten, wie die “Bild”-Zeitung berichte.

► Sie fürchten Schwierigkeiten bei der Abstimmung von Zug- und Flugverkehr, wenn die Uhren überall unterschiedlich ticken.

Besonders schwierig: Die Nachbarstaaten sollen sich laut Kommission untereinander absprechen, welche Zeit beibehalten werden soll.

Das ruft förmlich nach Streit. 

Ende der Zeitumstellung wurde nicht einstimmig beschlossen

Unterschiedliche Haltungen zeigten sich schon bei der Umfrage. Die EU entschied sich somit nicht geschlossen für die Zeitumstellung:

► Mit 56 Prozent sprach sich die Mehrheit der Griechen gegen eine Abschaffung der Zeitumstellung aus.

► Auch in Zypern sprachen sich 53 Prozent der Bürger dagegen aus.

► Zum Vergleich: Die Mehrheit der Teilnehmer sprachen sich zwar für ein Ende der Umstellung aus. Kritiker halten die Umfrage aber für nicht repräsentativ: 4,6 Millionen Menschen haben demnach an der Befragung teilgenommen, was – nicht einmal einem Prozent aller EU-Bürger entspreche.

Davon hatten sich aber 84 Prozent für die Zeitumstellung ausgesprochen.

In Deutschland haben mit ungefähr 3 Millionen mit Abstand am meisten Menschen an der Umfrage teilgenommen.

Auch Experten zweifeln

Doch wie sich zeigt, sind nicht alle von den Plänen gleichermaßen begeistert. Auch Experten haben unterschiedliche Meinungen zu dem Thema:

► Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität München sagte der “Bild”, vor allem Kinder könnten leiden: “Je nach Wohnort haben sie sechs Wochen mehr dunkle Schulwege morgens.”

► Wie die “Bild”-Zeitung schreibt, klagten auch einige Diplomaten verschiedener Länder über die Entscheidung der EU. Sie würden die Länder jetzt mit dieser nicht ganz einfachen Frage allein lassen.

Eine Studie hingegen zeigte, dass die Zeitumstellung in Verbindung zu einer höheren Anzahl von Verkehrsunfällen stehen könnte.

Es scheint also, als hätte Juncker etwas voreilig die Vorfreude der Befürworter einer Abschaffung befeuert. Letztlich behält aber der Europäische Rat das letzte Wort.