POLITIK
24/05/2018 18:07 CEST | Aktualisiert 24/05/2018 18:18 CEST

Absage an Kim Jong-un: Trumps Selbstverliebtheit gefährdet die ganze Welt

Die HuffPost-These.

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Krieg und Frieden sind für US-Präsident Donald Trump nur Mittel zum selbstdarstellerischen Zweck. 

Was für eine Verschwendung. 

Donald Trump hatte für sein geplantes Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un bereits Gedenkmünzen anfertigen lassen – so sicher war sich der US-Präsident, dass er Geschichte schreiben würde. 

Jetzt hat Trump das Treffen abgesagt, per Brief Schluss gemacht mit Kim Jong-un.

Alle Hoffnungen auf den großen Durchbruch im Nordkorea-Konflikt dahin, der Frieden zwischen den USA und dem Kim-Regime wieder in Gefahr, die ersten Atomkriegsdrohungen durch den US-Präsidenten schon wieder ausgesprochen. 

Und seine Münzen kann Trump jetzt auch in die Tonne kloppen. 

Alles nur, weil der Präsident der Vereinigten Staaten so selbstherrlich ist. Weil er es nicht ertragen kann, wenn er nicht im Mittelpunkt steht. Weil seine Außenpolitik nur einen Antrieb kennt: den persönlichen Narzissmus des möchtegernmächtigsten Mannes der Welt. 

Krieg und Frieden, Trump und Trump 

“Ich hatte mich sehr darauf gefreut, mit Ihnen zusammenzutreffen”, schreibt Trump an Kim. “Aber aufgrund der großen Wut und der offenen Feindschaft, die Sie in ihrem letzten Statement zur Schau stellten, finde ich es nicht angebracht, sich nun zu treffen.” 

► Anders gesagt heißt das: Trump ist beleidigt.

Am Mittwoch hatte das nordkoreanische Regime in einer Stellungnahme den Vize-Präsidenten Mike Pence als “ignorant und dumm” bezeichnet. Schon zuvor hatte es Trumps Nationalem Sicherheitsberater John Bolton vorgeworfen, die Verhandlungen zu torpedieren.

Mehr zum Thema: Nordkorea-Experte: So will Trumps Sicherheitsberater einen Krieg gegen Kim Jong-un erzwingen

Für Trump ein Affront.

Nicht wegen der Beleidigungen an sich – sondern wegen der Tatsache, dass diese seine Narrative von einem kurz bevorstehenden Deal mit Nordkorea zerstörten. Schließlich hatte sich der US-Präsident schon selbst einen Friedensnobelpreis für sein Zugehen auf Kim Jong-un angedichtet. 

Mit diesem ist es nun – erstmal – vorbei.

“Sie sprechen von ihren nuklearen Fähigkeiten, aber unsere sind so massiv und mächtig, dass ich zu Gott bete, dass wir sie nie einsetzen müssen”, schreibt Trump an Kim. 

► Es ist eine unverhohlene Drohung mit einem Nuklearschlag.

Eine Drohung, die Trump während einer Pressekonferenz am Donnerstag noch unterstrich: “Ich habe mit unserem Verteidigungsminister James Mattis gesprochen. Unser Militär ist bereit, falls es gebraucht wird.” 

Donald Trumps Absage an den Gipfel mit Kim Jong-un ist somit nicht nur rücksichtslos und diplomatisch brisant, sondern auch gefährlich – und das für die ganze Welt. 

Aber Trumps Entscheidung ist nicht unüberlegt. Sie ist eben bloß: Narzisstisch. 

Love Will Trump Us Apart

Experten, Diplomaten, Journalisten: Sie alle werden Trump für seine Absage an Kim geißeln, werden aufzählen, wie drastisch deren Konsequenzen sein könnten, wie gefährdet der vor allem von Südkorea so mühevoll vorangetriebene Friedensprozess im Korea-Konflikt ist. 

Sie werden darauf hinweisen, dass Donald Trumps Außenpolitik eine lange Liste der zerstörerischen Manöver darstellt, dass der US-Präsident keinerlei langfristige konstruktive Strategie zu verfolgen scheint. 

Der Austritt aus dem Pariser Abkommen, die Jerusalem-Entscheidung, das Aufkündigen des Iran-Deals und nun die Absage an Kim Jong-un: All diese Entscheidungen haben die Welt unsicherer gemacht

Trump weiß das. Und er wird sich über die Kritik an ihm freuen. Auch negative Aufmerksamkeit ist das, was Trump auf der Welt am meisten liebt: Aufmerksamkeit. 

► Trump ist ein Selbstdarsteller, ein Blender. 

Er war es als Reality-TV-Star, er ist es als US-Präsident und er wollte es auf dem Gipfel mit Kim Jong-un sein. Dieser drohte zuletzt, zu einem politischen Fiasko zu werden. Also ließ Trump das Treffen platzen. 

Die US-Außenpolitik verkommt so zu Trump Bühne zum verschwenderischen Instrument seiner Selbstverliebtheit. Trump ist es egal, ob er als Kriegsherr oder Friedensstifter in die Geschichte eingeht.

Hauptsache, er geht in die Geschichte ein.