POLITIK
11/07/2018 14:26 CEST | Aktualisiert 12/07/2018 14:15 CEST

Abgeschobener Afghane begeht Suizid – Aktivisten geißeln die Abschiebepraxis

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Wolfgang Rattay / Reuters

Ein aus Deutschland abgeschobener afghanischer Asylbewerber hat sich in Kabul in einem Hotel erhängt, wo ihn die Internationalen Organisation für Migration (IOM) vorübergehend untergebracht hatte.

► Der Mann aus der nordafghanischen Provinz Balkh wurde nach offiziellen Angaben 23 Jahre alt und hatte seit 2011 in Deutschland gelebt, bevor er vergangene Woche abgeschoben wurde. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums war der Mann rechtskräftig wegen Diebstahls und Körperverletzung verurteilt worden.

Warum der Tod des Mannes politisch bedeutsam ist:

Mit dem jüngsten Abschiebeflug aus Deutschland hatten Bund und Länder mit 69 Passagieren ungewöhnlich viele abgelehnte Asylbewerber abgeschoben. Allein Bayern hatte 51 Menschen in das zentralasiatische Bürgerkriegsland zurückgeschickt. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich zufrieden über die hohe Zahl der Abgeschobenen geäußert.

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Die Organisation Pro Asyl kritisiert, dass die seit einem schweren Anschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul geltende Selbstverpflichtung, nur Straftäter, terroristische Gefährder und sogenannte Identitätstäuscher abzuschieben, weggefallen sei. Selbst gut integrierte Personen würden nun abgeschoben. Der Suizid des Mannes werfe ein “Schlaglicht auf die Brutalität” der aktuellen Praxis.

“Die Kanzlerin hat dem öffentlich beigepflichtet. Sie trifft damit eine Mitverantwortung”, heißt es in einer Mitteilung von Pro Asyl. 

Für den jüngsten Abschiebeflug seien gerade volljährig Gewordene und lange in Deutschland Lebende aus Schulen und Jugendeinrichtungen herausgeholt worden. “Bayerns Form des Gesetzesvollzugs ist ohne jeden Skrupel.”

Was ihr noch wissen müsst:

Pro Asyl fürchtet, dass der “aktuelle Suizid kein Einzelfall bleiben wird”. 

Bereits im Januar hatten Experten in der HuffPost vor einer Zunahme von Suizidversuchen unter Flüchtlingen gewarnt. Vor allem in Bayern habe der Druck auf die Verzweifelten zugenommen.

Die HuffPost berichtet nur dann über das Thema Selbstmord, wenn es eine besondere gesellschaftliche Relevanz erlangt. Grund ist die große Gefahr, dass Verzweifelte die Taten nachahmen.

Wenn ihr selbst von dem Thema betroffen seid, holt euch Hilfe! Die Telefonseelsorge erreicht ihr rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800-111 0 111 und 0800-111 0 222. Die Internetseite der Telefonseelsorge findet ihr hier.  

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(mf)