POLITIK
07/02/2018 23:04 CET | Aktualisiert 08/02/2018 10:39 CET

Die Minister für Merkel: 8 überraschende GroKo-Personalien

Dieser Tag hat Polit-Deutschland durcheinander gewirbelt.

dpa
  • Die Ministerien für den Fall einer neuen GroKo sind an die Parteien verteilt worden
  • Auch viele Namen stehen bereits fest: Hier sind 8 Überraschungen des Tages

Es war erwartet worden, dass an diesem Mittwoch eine Einigung stehen würde. Dass Union und SPD sich auf einen Koalitionsvertrag und somit auch auf eine Einteilung der Ministerien einigen würden. 

Dennoch wurde es ein Tag voller Überraschungen – vor allem personeller Natur. Ein Tag mit großen Gewinnern und kläglichen Verlieren.

Ein Tag, an dem der jüngst von so schmerzhaften Niederlagen geplagte SPD-Chef Martin Schulz Siege einfuhr und die lange schier unbesiegbare Angela Merkel (CDU) ihre Verwundbarkeit offenbarte.

Hier sind die 8 spannendsten Figuren des GroKo-Finales.

1. Martin Schulz: Der tragische Gewinner

Xander Heinl via Getty Images
Schulz konnte sich nur bedingt freuen.

Schulz wirkte merkwürdig zerknirscht, als er zusammen mit Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen präsentierte.

Der Sozialdemokrat wusste wohl: Er hat mehr erreicht, als die meisten ihm zugetraut hätten. Neben dem Arbeits- und Sozialministerium gehen auch das Finanz- und das Außenministerium an die Sozialdemokraten. Damit liegt die Europa-Klammer ganz in SPD-Hand.

Der Noch-SPD-Chef hatte sich da aber bereits mit einer anderen Gewissheit abgefunden. Er würde sich zwar als Außenminister andienen, den Parteivorsitz aber an seine jüngere Kollegin Andrea Nahles abgeben.

Schulz ist bei großen Teilen der Basis unten durch. Nicht nur wegen seinem “Ja” zur GroKo. Auch wegen seines Umkippens in der Ministerfrage.

Im Berliner Machtzirkel hat er in den vergangenen Tagen schier Unmögliches geleistet. Vielleicht werden die Sozialdemokraten ihm das eines Tages noch danken.

2. Thomas de Maizière: Der Ausgetauschte

TOBIAS SCHWARZ via Getty Images
De Maizière scheidet aus dem Kabinett aus.

Es ist ein Bild, das Bände spricht. Als Merkel, Seehofer und Schulz den Vollzug vor den Kameras und Mikrofonen der Medienvertreter vermeldeten, stand Thomas de Maizière abseits.

Sein Gesicht hatte er auf seine Faust gestützt, die Lippen zu einem breiten Schmollen aufeinander gepresst. De Maizière war bei der Vergabe der Ministerien leer ausgegangen. 

Der ehemalige Innenminister muss sein Büro räumen – dort soll nun Horst Seehofer einziehen. Mit ihm soll ein neuer Wind wehen im Innenministerium. “Heimat” wird ein zentraler Begriff der Behörde. 

Wie de Maizière später knapp erklärte, war der Verzicht auch seine  Entscheidung. Ganz glücklich wirkte de Maizière mit der am Mittwoch aber noch nicht. 

3. Helge Braun: Der neue Mann für Merkel

Carsten Koall via Getty Images
Helge Braun soll Peter Altmaier beerben.

Für viele ist er ein neues Gesicht. Für Kanzlerin Angela Merkel ganz und gar nicht.

Der Gießener Helge Braun (CDU) soll neuer Chef des Kanzleramts werden, wenn Peter Altmaier – wie erwartet – das Wirtschaftsressort übernimmt. Braun hat als Staatsminister bereits in den vergangenen Jahren eng mit der Kanzlerin zusammengearbeitet.

Wenn Altmaier verhindert war, sprang Braun ein. Er gilt als zuverlässig, nicht nur wegen seiner Statur erinnert er gewissermaßen an seinen Vorgänger. Der Karrieresprung ist für ihn nur logisch. Und für das Kanzleramt ein smarter Schritt.

4. Olaf Scholz: Der große Abräumer

POOL New / Reuters
Scholz bestach als Fachmann.

Irgendwie ist er immer im Gespräch. In der SPD hat das fast Tradition. Ob als Kanzlerkandidat, als Parteichef, jetzt als Minister. Dennoch hätten bis zuletzt wohl die meisten gegen einen Regierungsposten für Olaf Scholz gewettet.

Doch der Hamburger Bürgermeister wird wohl nicht nur Finanzminister, sondern auch Vizekanzler. Er schießt sich damit in der Parteihierarchie locker in die Top 3.

Und das, obwohl Scholz in den letzten Monaten keinen leichten Stand in der SPD hatte. Der abgeklärte Hanseat war zuletzt der Vizechef mit dem schlechtesten Ergebnis beim Parteitag im Dezember.

Und so ist es irgendwie bezeichnend, dass Berichten zufolge vor allem die Union den Ausschlag für Scholz gab. Die gab das Finanzministerium nur unter großen Bauchschmerzen her.

Und unter einer Voraussetzung: Die Sozialdemokraten müssten einen Fachmann nominieren. Das taten sie. Nun ist Scholz da, wo ihn noch vor wenigen Tagen kaum einer vermutet hätte. 

Dass er das Zeug hat, die Nummer 2 in der Regierung zu sein, daran zweifelt kaum jemand. Ob er es schafft sein Talent endlich auch wieder in Beliebtheit umzusetzen, ist eher fraglich. 

5. Sigmar Gabriel: Der Vertriebene

Amir Cohen / Reuters
Gabriel ist Geschichte.

Er wurde vom glücklosen Parteichef zum überaus beliebten Außenminister. Und muss nun doch seinen Schreibtisch leermachen. Denn den beansprucht in Zukunft der nächste glücklose Parteichef.

Sigmar Gabriels Abgang aus der Regierung wird wohl kaum geräuschlos von sich gehen. Der Außenminister ist mit Schulz verkracht – gerade wegen seines oft so losen Mundwerks.

Nun rächen sich Alleingänge der Vergangenheit. Gabriel steht ohne Posten da. Und der Eindruck drängt sich auf: Seine Ära ist vorbei.

 5. Annette Widmann-Mauz: Die Neue

EMMANUEL DUNAND via Getty Images
Widmann-Mauz: ein durchaus neues Gesicht.

Eine andere Ära könnte gerade erst so richtig beginnen. Annette Widmann-Mauz, bislang nur echten Polit-Kennern ein Begriff, soll offenbar neue Gesundheitsministerin werden.

Die CDU-Politikerin ist für Merkel eine logische Wahl. Als bisherige Staatssekretärin bei Hermann Gröhe ist sie fachlich bestens bewandert, als Vorsitzende der Frauenunion eine echte weibliche Institution innerhalb der Partei.

Und: Sie gilt als eine Vertreterin der gemäßigten CDU, die Merkel so gerne gegen die konservativen Polterer verteidigen will. In der ersten Reihe wird Widmann-Mauz beweisen müssen, ob das in ihr steckt.

6. Jens Spahn: Der Vergessene

Axel Schmidt / Reuters

Es ist der wohl bemerkenswerte Name, der leer ausgehen könnte. Jens Spahn. Die personifizierte Zukunft der konservativen CDU. Aber eben auch: einer der entschiedensten Widersacher der Kanzlerin.

Spahn soll erst kürzlich, als die CDU-Spitze in einer Fraktionssitzung die Sondierungsergebnisse präsentierte, mit Merkel aneinander gerasselt sein. Für eine GroKo ist Spahn schwer zu begeistern.

Und die Kanzlerin schwer von ihm. Dennoch hätten viele Spahn den nächsten Karriereschritt zugetraut. Langsam wird es für den nun immerhin auch schon 37-Jährigen Zeit für einen Ministerposten.

Geht er tatsächlich leer aus, könnte das die Spaltung innerhalb der CDU nur weiter vorantreiben. Und Spahn noch ungeduldiger machen. Nicht wenige glauben ohnehin: Der Wirtschaftsliberale bastelt bereits an seinem Schlachtplan für die Post-Merkel-Ära.

7. Eva Högl: Die Allround-Waffe

ullstein bild via Getty Images
Högl schafft wohl den Sprung.

Für Eva Högl (SPD) wird es jetzt schon ernst: Für eine ganze Reihe von Ministerien befindet sich ihr Name im Hut. Justiz, Arbeit, vielleicht auch Familie.

Die Parteivize-Vorsitzende gilt als hoch ambitioniert, sie hat in Berlin Mitte zuletzt das hart umkämpfte Direkt-Mandat gewonnen. In der SPD schätzen die Genossen sie als kompetent, zuverlässig und beharrlich.

Mit ihrer Entschlossenheit könnte Högl zu einer echten GroKo-Überraschung werden. Sätze wie “Ich würde alles tun, damit Trump nicht mehr amerikanischer Präsident ist” machen zumindest Hoffnung, das die Berlinerin Feuer in den staubigen Laden bringt.

8. A. Kramp-Karrenbauer:  Die Zurückhaltende

Inga Kjer via Getty Images

In den vergangenen Wochen hatten sich die Medien auf Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) eingeschossen. Die Saar-Ministerpräsidentin würde auf jeden ein Ministeramt bekommen, Merkel wolle sie als Nachfolgerin aufbauen.

Bislang scheint es so, als würde es anders kommen. Für keinen der Posten ist Kramp-Karrenbauer derzeit im Gespräch. 

Das heißt jedoch beileibe nicht, dass die Kanzlerin ihre Vertraute nicht berücksichtigt hat. Bekommt Kramp-Karrenbauer tatsächlich kein Ministerium wird das einen guten Grund haben.

Denn die ruhige Konservative gilt als eines der größten Polit-Talente der Union. Entweder wird sie im Saarland noch zu dringend gebraucht, oder die CDU-Chefin hat anderes mit ihr vor.

Eine Option, die immer wieder diskutiert wird: “AKK” könnte Peter Tauber als Generalsekretär beerben.