NACHRICHTEN
08/07/2018 17:30 CEST | Aktualisiert 09/07/2018 09:12 CEST

Porschefahrer: Tempolimit ist Quatsch – ich habe eine bessere Idee

"Ich rase nicht. Ich fahre zügig."

Im Video oben: Auch für sauberere Luft sei ein Tempolimit nicht sinnvoll, so der ADAC.

Heinrich ist 67 Jahre alt, aufgewachsen auf dem Dorf, nie dort weggezogen und hat nach der Ausbildung gemeinsam mit seinem Bruder den Karosserie- und Lackierfachbetrieb von seinem Vater übernommen. Er ist mit Autos groß geworden und fährt Auto, weil er es liebt, schnell zu fahren. Schon als Jugendlicher hat er angefangen, für einen Porsche zu sparen und hat sich dann den ersten 1977 gekauft.

Uschi ist 29 Jahre alt, Heinrichs Tochter, auch aufgewachsen auf dem Dorf, zum Studieren und Arbeiten aber zwischen deutschen Großstädten hin und hergezogen, denkt sie müsse (oder könne?) die Welt retten und verändern. Sie fährt gerne für lange Strecken mit dem Auto, weil es billiger ist als Zugfahren – und weil sie im Auto laut Musik hören will.

Uschi: “Papa, warum rast du gerne auf der Autobahn?”

Heinrich: “Ich rase nicht, ich fahre zügig.”

U.: “Und was ist dann bitte rasen, wenn du nicht rast?!”

H.: “Ich rase da, wo es geht. Das heißt, wenn die Autobahn frei ist und ich sicher bin, dass nichts passieren kann.”

U.: “Aber naja, weil du sagst sicher – wenn vor dir einer im Weg ist, hältst du jetzt auch nicht gerade 50 bis 100 Meter Sicherheitsabstand.”

H.: “Nein.”

U.: “Und warum nicht?”

H.: “Damit der auf die Seite geht und ich weiterfahren kann.”

U.: “Aber wenn der vor dir darauf nicht vorbereitet ist und sich erschrickt zum Beispiel, verreißt der vielleicht das Lenkrad und es gibt einen Unfall.”

Wenn hinter mir einer ist, der schneller fahren will, dann lass ich den vorbei. Meistens ist aber niemand hinter mir.

H.: “Dann kann er einfach nicht Autofahren. Ich muss, wenn ich auf der linken Spur auf der Autobahn fahre, immer in den Rückspiegel schauen und beobachten, ob da jemand kommt, der vorbeifahren möchte. Ich bin kein notorischer Linksfahrer, wenn hinter mir einer ist, der schneller fahren will, dann lass ich den vorbei. Aber meistens ist niemand hinter mir.”

U.: “Weil du so schnell bist?”

H.: “Richtig.”

U.: “Aber, das bedeutet ja, dass du weißt, wenn einer vor dir nicht weggeht, dass er nicht gut Autofahren kann – nach deiner Definition. Dann ist das doch aber umso dümmer und gefährlicher, nah auf den auf zu fahren?”

H.: “Ja natürlich ist der in gewisser Weise unfähig, weil er nicht wegfährt unberechtigterweise, weil wenn rechts frei ist, kann er ja rechts fahren. Aber es gibt notorische Linksfahrer.”

U.: “Aber auf die kannst du dich doch nicht verlassen.”

Ich fahre viel sicherer, wenn ich schneller fahre, weil ich aufmerksam bin, nicht müde werde und ständig auf der Lauer bin, was vor mir passiert.
privat
Heinrich liebt seinen Porsche.

H.: “Ja, auf die muss ich aufpassen. Wenn ich schnell fahre, muss ich immer mindestens zwei, drei Autos vor mir im Blick haben. Wie fährt der? Wie reagiert der? Du siehst das schon, wenn der geradlinig fährt und nicht hin und her schlängelt, dann kann der Autofahren und wird dich wohl bemerken.”

Eine Geschwindigkeitsbegrenzung ist einschläfernd und deshalb gefährlich?

H.: “Aber wenn auf der Mittelspur einer so hin und her schwankt, musst du auf der Lauer sein, ob der nicht doch rüber kommt. Aber da ich ein etwas schnelleres Auto habe, sind meine Bremsen viel besser und ich kann auf einen kürzeren Abstand reagieren, als andere Autos.

U.: “Also du sagst beziehungsweise glaubst, du hast das unter Kontrolle. Aber es gibt doch dennoch genügend Leute, die vielleicht nicht so gut Autofahren können.”

H.: “Richtig.”

U.: “Aber dann ist es doch aus Sicherheitsgründen einfach sinnvoll, wenn es deutschlandweit eine Geschwindigkeitsbegrenzung geben würde – in Frankreich darf man auf Landstraßen seit Anfang Juli nur noch 80 fahren.”

H.: “Also, ich fände es nicht gut, wenn man in Deutschland überall 120 nur fahren dürfte, oder 100 wie auf den Landstraßen. Das ist eigentlich einfach einschläfernd. Also für mich zumindest. Ich fahre viel sicherer, wenn ich schneller fahre. Das hört sich komisch an, aber ich bin dann aufmerksamer, werde nicht müde, weil ich ständig auf der Lauer bin, was vor mir passiert.”

Psychologisch und ökologisch ist das bestimmt bescheuert, aber es macht halt Spaß und es hält mich wach.

H.: “Ich bremse, gebe Gas, bremse, gebe Gas. Es ist anstrengender, schnell zu fahren und deshalb bist du aufmerksamer. Psychologisch und ökologisch ist das bestimmt bescheuert, aber es macht halt Spaß und es hält mich wach. Und ich habe halt auch einfach ein Auto, das genügend Dampf hat und gut auf der Straße liegt, um zügig voranzukommen.”

U.: “Aber wenn du nicht von dir ausgehst, sondern generell davon, dass es statistisch erwiesen ist, dass viel weniger Unfälle passieren, wenn es eine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt.”

H.: “Das ist nicht erwiesen.”

U.: “Doch.”

H.: “Da würde ich mich darüber streiten. Die meisten Unfälle passieren in der Stadt, bei ganz geringer Geschwindigkeit, beim Ausparken, Einparken, Spurwechseln, im 30er und 50er Bereich.”

U.: “Okay, aber Unfälle mit Personenschaden beziehungsweise tödliche Unfälle.”

H.: “Das ist durchaus möglich, bei hoher Geschwindigkeit ist die Gefahr natürlich viel größer, dass ich tödlich verunglücke, als wenn ich mit 30 irgendwo rumfahre. Aber auch wer mit 50 oder 60 irgendwo ungebremst drauf fährt, wird das nicht überleben.”

U.: “Aber dann ist es doch trotzdem dumm, so dicht auf jemanden aufzufahren.”

H.: “Ja das ist natürlich blöd, aber der ist eine Schlafhaube! Der soll einfach wieder rechts fahren. Ich muss ja auch an der Ampel halten, wenn es Rot ist.”

U.: “Hm. Ich fahr ja auch gerne mal schnell, aber...”

H.: “Ja, weil du wacher und aufmerksamer bist! Fahr mal zehn Minuten lang nur konstant 80 Stundenkilometer. Da schläft dir das Gesicht ein, mitten am Tag. Da bewundere ich zum Beispiel Lkw-Fahrer, die fahren zwischen 80 und 100, da wirst du verrückt.

Als ich vor Jahrzehnten bei der Bundeswehr war, bin ich immer den Lkw mit Anhänger gefahren, das Gefährt, das am wenigsten Dampf hatte. Wenn wir auf Übung waren, hatten wir eine sogenannte Marschgeschwindigkeit. 40 Stundenkilometer. Auf der Autobahn. Da weißt du nach einer halben Stunde gar nicht mehr, wo du bist, da siehst du nur noch das Auto vor dir und sonst nichts. Ökologisch ergibt das natürlich keinen Sinn.”

Generationenkonflikt zwischen “Weltretten” und “Prestige-Objekten”

U.: “Aber sind dir die ökologischen Folgen einfach egal?”

H.: “Man kann es von mir aus auch schönreden und sagen, wenn ich schneller fahre und durchkomme, bin ich weniger lang unterwegs und belaste die Umwelt für einen kürzeren Zeitraum. Gleichzeitig blase ich natürlich mehr Schadstoffe raus, wenn ich schnell fahre.

Aber es gibt auch Statistiken, zum Beispiel bei uns im Ort, dass es gar nichts bringt, dass man überall nur 30 Stundenkilometer fahren darf von der Feinstaubbelastung her.” 

privat
In vielen Dörfern in Deutschland gilt Tempo 30.

U.: “Aber es gibt auch Statistiken die sagen, dass wir die Emissionen eines ganzen Kohlekraftwerks einsparen würden, wenn deutschlandweit auf Autobahnen eine Geschwindigkeitsbegrenzung gelten würde. Und ich habe immer das Gefühl, dass das ein Generationenkonflikt ist. Für deine Generation steht im Vordergrund, dass ein Auto ein Prestige-Objekt ist. Meine Generation denkt darüber nach, dass wir mit unserem Verhalten die Welt zerstören.”

Für dich ist ein Fortbewegungsmittel, das du zur Not benutzt. Ich fahr gerne irgendwo hin, weil ich mit dem Auto fahren darf. Wohin ist mir da oft auch egal.”

H.: “Ja, das sagst du ganz richtig. Wir sind die die Generation, in der das Auto ein gewisses Statussymbol war. Und es hat uns schon als junge Erwachsene Spaß gemacht, unseren Kumpels zu zeigen, wenn wir ein paar PS mehr hatten als der andere. Das ist in unserem Blut. Für mich hat ein Auto einen viel höheren Stellenwert als für dich. Für dich ist ein Fortbewegungsmittel, das du zur Not benutzt. Ich fahr gerne irgendwo hin, weil ich mit dem Auto fahren darf. Wohin ist mir da oft auch egal.”

U.: “Und was glaubst du, woher das kommt?”

H.: “Ich weiß es nicht, als Kind war es das erste Wort, das du gesagt hast ‘Auto’. Aber oft ist das bei Jungs ja auch heute noch so. Mein Enkel und dein Neffe, hat jedem erzählt, ‘das ist ein Ferrari, das ist ein Opel, das ist ein Porsche’ bevor er auch nur lesen oder schreiben konnte. Das liegt irgendwie in den Genen unserer Gesellschaft.”

U.: “Denkst du, es gibt eine Lösung für diesen Konflikt?”

H.: “Ja, man sollte das überall so machen wie seit kurzer Zeit zwischen Heilbronn und Stuttgart. Da wird die Geschwindigkeit nach den Autos gerichtet. Wenn die Autobahn wenig befahren ist, darf ich fahren so schnell ich will.Und wenn viel Verkehr ist, darf ich nur 100 fahren, oder 80 oder 60 oder 50. Und wenn die Autobahn frei ist, wird die Begrenzung wieder aufgehoben. Das sollte in ganz Deutschland so sein.” 

U.: “Und was ist mit der Umwelt? Wenn ein E-Auto – mit Ökostrom versteht sich – genauso schnell fahren würde, wie dein Porsche. Würdest du das dann bevorzugen, oder ist dir das egal?”

H.: “Dann nehme ich das. Das muss nur schnell sein. Der Anzug von den Elektroautos ist eh besser und eigentlich immer schneller als ein Benziner. Aber im Moment stört mich da noch die kurze Reichweite und die mangelhafte Ladeinfrastruktur. Das Schnellfahren an sich ist aber vor allem ein Ego-Ding. Und macht einfach wahnsinnig Spaß.”

(jg)