POLITIK
28/12/2014 23:57 CET

US-Spionagevirus "Regin" im Kanzleramt entdeckt

Wird dieser Vorfall zu einer neuen Belastungsprobe für die deutsch-amerikanischen Beziehungen?
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Wird dieser Vorfall zu einer neuen Belastungsprobe für die deutsch-amerikanischen Beziehungen?

Könnte dies zu einer neuen Belastungsprobe für die deutsch-amerikanischen Beziehungen werden? Nach Angaben der "Bild"-Zeitung wurde auf einem Computer im Bundeskanzleramt die Spionage-Software "Regin" entdeckt.

Es gilt als sicher, dass die „Regin“-Spionageprogramm gemeinsam vom amerikanischen Geheimdienst NSA und dem britischen Geheimdienst GCHQ entwickelt wurde.

USB-Stick wurde zum Sicherheitsrisiko

Eine Referatsleiterin in der „Abteilung 5: Europapolitik“ hatte im Kanzleramt an einem Rede-Manuskript zu Strategien der Europäischen Union gearbeitet. Nach Dienstschluss nahm sie das Dokument auf einem privaten USB-Stick aus dem Kanzleramt mit nach Hause. Dort arbeitete die Merkel-Mitarbeiterin auf ihrem Privat-Laptop an dem Dokument weiter und speicherte die Dateien auf dem portablen Datenspeicher.

Als die Referentin im Kanzleramt den Stick wieder in ihren Dienstlaptop steckte, schlug der Viren-Scanner des „Sina-H“-Hochsicherheits-Laptops der Referatsleiterin Alarm. Der USB-Stick und die darauf gespeicherten Dokumente waren mit der Spionage-Software „Regin“ verseucht.

Nach Informationen von "Bild" wurden nach dem Auffliegen des Späh-Angriffs alle 200 Hochsicherheits-Laptops im Kanzleramt überprüft. Das dafür zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) konnte jedoch in den durchsuchten Geräten der Klassen „Sina S“ (zugelassen für die mittlere Geheimhaltungsstufe – „VS-NfD“) und „Sina-H“ (zugelassen für die höchste die Sicherheitsstufe – „Geheim“) keine weiteren, von „Regin“ betroffenen Rechner feststellen.

Die Existenz von "Regin" war Ende November von IT-Sicherheitsfirmen öffentlich gemacht worden. Die Software ist besonders schwer zu entdecken. Medienberichte hatten sie mit dem US-Abhördienst NSA und seinem britischen Partner GCHQ in Verbindung gebracht.

Spionage-Software kann Passwörter ausspähen

Die Software breitet sich auf infizierten Computern in mehreren Stufen aus und ist darauf getrimmt, lange unentdeckt zu bleiben. Das verdeckt agierende Trojaner-Programm kann den Sicherheitsforschern zufolge unter anderem Aufnahmen vom Bildschirm machen, Passwörter stehlen, den Datenverkehr überwachen und für die Angreifer gelöschte Dateien wiederherstellen. Wie die IT-Sicherheitsfirma Symantec berichtete, hat die Software über Jahre Unternehmen und Behörden vor allem in Russland und Saudi-Arabien ausgespäht.

Nach Angaben von "Bild" sind sich auch die Sicherheitsbehörden sicher, dass das „Regin“-Spionageprogramm gemeinsam vom amerikanischen Geheimdienst NSA und dem britischen Geheimdienst GCHQ entwickelt wurde. Die Dienste sind unter anderem für die elektronische Aufklärung und die Überwachung des Internets zuständig. Der Umfang ihrer Spionage-Aktivitäten in Deutschland und in anderen Ländern war erst im Sommer 2013 durch Dokumente des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden aufgeflogen.

Ungeklärt ist, ob das Spionageprogramm durch Zufall auf dem Computer der Referatsleiterin landete - oder ob es dort gezielt platziert wurde. Da "Regin" sich wie ein Virus ausbreitet, wäre es durchaus möglich, dass es zufällig auf dem Computer der Kanzleramts-Mitarbeiterin landete.

bp (Mit Material der DPA)

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