POLITIK
09/07/2018 14:16 CEST | Aktualisiert 09/07/2018 15:29 CEST

6 Zahlen, die ihr zur Flüchtlingskrise auf dem Mittelmeer kennen solltet

Auf den Punkt.

OLMO CALVO via Getty Images
Flüchtlinge, die vom NGO Proactiva Open Arms gerettet wurden.

Der Fall des Rettungsschiffs “Lifeline” hat in Europa eine emotionale Debatte ausgelöst, die immer heftiger geführt wird.

Es geht um die Frage, wie Menschenrechtsorganisationen im Mittelmeer Flüchtlinge retten sollen. Oder ob.

Und darum, ob Europa seine humanitären Werte verrät, wenn es Helfer vor Gericht stellt, statt sie zu unterstützen oder selbst dafür zu sorgen, dass niemand mehr auf dem Meer zu Tode kommt. 

Lassen wir die Fakten sprechen. Hier sind sechs Zahlen, die ihr zur Flüchtlingskrise auf dem Mittelmeer kennen solltet. 

1. Wie viele Flüchtlinge kommen momentan über das Mittelmeer?

Im ersten Halbjahr 2018 kamen laut der Internationalen Organisation für Migration (IMO) knapp 46.500 Menschen über das Mittelmeer in Europa an.

Das bedeutet: Täglich sind es damit rund 260 Flüchtlinge.

2. Wie viele kamen in den vergangenen Jahren?

Die Zahl der Menschen, die im ersten Halbjahr übers Mittelmeer kamen, ist in den vergangenen zwei Jahren stark zurückgegangen.

Waren es im Jahr 2017 noch doppelt so viele wie in diesem Halbjahr, waren es 2016 mehr als fünfmal so viele Menschen.

Am meisten Menschen kamen 2015 über die Mittelmeer-Route. In der Hochphase der Flüchtlingskrise waren es über eine Millionen Ankömmlinge, berichtet die UN.

3. Wo kommen sie her?

Fast jeder Fünfte kommt laut dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR aus Syrien. Zweitgrößtes Herkunftsland ist der Irak – hierher stammen elf Prozent der Menschen, die in der ersten Jahreshälfte über das Mittelmeer nach Europa kamen.

Darauf folgen Tunesien, Eritrea und Afghanistan.

4. Wo landen sie?

Wegen ihrer geografischen Lage sind die Südländer Europas die wichtigsten Ankunftsstaaten.

Bis Anfang Juli 2018 landeten seit Jahresbeginn knapp 16.700 Migranten in Italien, 15.600 in Spanien und 14000 in Griechenland. Während die Zahl der Menschen, die in Italien ankommen, zurückgeht, steigt jene für Spanien.

Nur verschwindend wenige (47) trafen auf Zypern ein. Oft verlassen Flüchtlinge den Staat später, in dem sie erstmals EU-Boden betraten.

44 Prozent der Flüchtlinge, die aus Libyen Richtung Europa reisen, werden von der libyschen Küstenwache wieder nach Nordafrika gebracht. Dieses Jahr waren es bereits rund 10.000 Menschen, berichtet “Global Citizen”.  

5. Wie viele sterben?

In diesem Jahr starben nach IOM-Angaben bisher rund 1400 Menschen auf der Mittelmeer-Route. Etwa zwei Drittel kamen dabei auf der Route nach Italien ums Leben.

2017 waren es im ersten Halbjahr noch mehr als 2300 Menschen.

Zuletzt kam es jedoch wieder zu mehr Unglücken. Besonders im Juni schossen die Zahlen in die Höhe – wohl auch weil europäische Regierungen begannen, die Rettungsarbeiten vieler NGOs zu blockieren. Laut UN waren es im vergangenen Monat so 629 Tote, im Mai waren lediglich 48 Menschen auf dem Mittelmeer gestorben.

Von den Flüchtlingen, die sich aus Libyen auf den Weg nach Europa machen, wurde im Juni jeder Zehnte tot aufgefunden oder verschwand.

6. Wie viele werden von NGOs gerettet?

Die EU-Operation Triton im Mittelmeer hat sich als äußerst wirkungslos erwiesen.

Zahlen der Bundesmarine, die die “Zeit” veröffentlichte, zeigen, dass die von Deutschland entsandten Militärschiffe immer weniger Flüchtlinge aus der Seenot gerettet haben: 2015 waren es noch mehr als 10.500 Menschen, 2016 noch 8.572, bis November 2017 nur noch 2.839.  

Stattdessen leisten immer häufiger NGOs Seenotrettung. Das UNHCR schätzt, dass 40 Prozent der Einsätze von NGOs geleistet werden.