LIFE
13/09/2018 17:38 CEST | Aktualisiert 13/09/2018 22:18 CEST

6 Frauen erzählen, wie es ist, einen mehr als 10 Jahre älteren Mann zu daten

"Diese Zeit in meinem Leben fühlt sich fast wie ein Traum an."

  • Wenn sich junge Frauen auf Beziehungen mit älteren Männern einlassen, ergeben sich häufig unausgeglichene Machtdynamiken. 
  • Sechs Frauen erzählen nun, wie es sich wirklich anfühlt, mit einem bedeutend älterem Mann zusammen zu sein. 
  • Im Video oben seht ihr in einer Reportage, warum junge Frauen Sugardaddys attraktiv finden. 

Lohnt es sich in Zeiten von MeToo überhaupt noch, sich mit den Machtdynamiken zu befassen, die auftreten, wenn ein bedeutend älterer Mann mit einer viel jüngeren Frau zusammen ist? Die Autorin Joyce Maynard ist durchaus der Meinung.

Letzte Woche berichtete Maynard in einem Artikel in der New York Times von ihrer kurzen Affäre mit J.D. Salinger, dem Autor des Romans “der Fänger im Roggen”. Salinger war damals 52 Jahre alt und Maynard war eine achtzehnjährige, aufstrebende Schriftstellerin.

svetikd via Getty Images
"Ich hatte Angst, dass ich ihn verlieren würde, wenn ich mich seinen Wünschen nicht fügte." (Symbolbild)

Wie Maynard erzählt, hatte der gefeierte Autor ein von Maynard verfasstes Essay gelesen. Daraufhin habe er Kontakt zu ihr aufgenommen und sie davon zu überzeugen versucht, “das College abzubrechen, bei ihm einzuziehen – sowie Kinder zu bekommen und gemeinsam an Theaterstücken zu arbeiten, die wir im Londoner West End aufführen würden. Ich sollte für immer an seiner Seite bleiben – was ich auch wirklich glaubte.”

″Ältere Männer nutzen die Naivität junger Frauen aus”

Ihre Liebesgeschichte war jedoch nur von kurzer Dauer. Maynard gab ihr Stipendium in Yale auf und zog zu dem berühmten Autor. Doch nur knapp sieben Monate später “drückte Salinger mir zwei 50-Dollar-Scheine in die Hand und forderte mich auf, nach New Hampshire zurückzugehen, meine Sachen aus seinem Haus zu schaffen und zu verschwinden”, erzählt Maynard. 

Nachdem Maynard 1998 ein Buch veröffentlicht hatte, in dem sie über die Affäre schrieb, wurde sie in der Literaturwelt als Blutsaugerin und Opportunistin abgestempelt.

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Zwanzig Jahre später stellt Maynard sich die Frage, ob die Menschen wohl anders reagiert hätten, wenn sie ihre Geschichte in der heutigen Zeit veröffentlicht hätte. Sie fragt sich, ob Salinger damals aus einem gewissen Jagdinstinkt heraus Kontakt zu ihr aufgenommen hatte und welche Machtdynamiken zum Tragen kommen, wenn ältere Männer mit viel jüngeren Frauen zusammen sind.

“In den zwanzig Jahren nach der Veröffentlichung meiner Geschichte über diese Zeit und über deren langfristige Auswirkungen auf mein Leben habe ich viele Briefe von Lesern erhalten”, berichtet Maynard. “Einige dieser Briefe stammten von Frauen, die erschreckend ähnliche Geschichten erlebt hatten. Auch in diesen Fällen hatten ältere Männer die extreme Naivität der damals noch jungen Frauen ausgenutzt, um ihr Herz für sich zu gewinnen. Mit diesem Handeln hatten sie den Verlauf des Lebens dieser Frauen jedoch komplett verändert.”

Es gibt sicherlich ebenso viele glückliche Beziehungen zwischen älteren Männern und jüngeren Frauen, wie es enttäuschende gibt. Im Hinblick auf Maynards Geschichte haben wir jedoch beschlossen, noch weitere Frauen zu interviewen, die in jungen Jahren mit viel älteren Männern zusammen waren.

Wir haben sie gebeten, uns zu erzählen, inwiefern diese Beziehungen ihr Leben verändert haben. Haben diese Frauen im Rückblick das Gefühl, dass sie damals ausgenutzt wurden? Und gibt es im Bezug auf ihre Beziehungen auch etwas, das sie bereuen? Hier sind die Antworten der Frauen.

Astrid, 33 Jahre

“Ich war damals 19 und er war Anfang dreißig. Wir waren ungefähr sechs Monate lang zusammen. Trotz des Altersunterschiedes war ich diejenige, die Geld hatte und ein Auto besaß. Ich erinnere mich daran, dass ich ihn oft von der Arbeit abholen musste. In unserer Beziehung herrschte definitiv ein unausgeglichenes Machtverhältnis. Ich fühlte mich hilflos, weil er älter war und deshalb über mehr sexuelle Erfahrung verfügte als ich — zumindest hatte er das immer behauptet. Er redete mir ein, dass Sex nur auf eine ganz bestimmte Weise funktionierte und dass ich immer mit ihm schlafen musste, wenn er Lust dazu hatte.

Ich hatte Angst, dass ich ihn verlieren würde, wenn ich mich seinen Wünschen nicht fügte. Also tat ich es. Ich glaube, ihm war bewusst, dass ich jung, einsam und verletzbar war. Und dass er diese Tatsache schamlos ausgenutzt hatte. Seine Exfreundin vor mir war jünger als er gewesen und auch meine Nachfolgerin war jünger. Ich glaube, dass er sich bewusst an jüngere Frauen herangemacht hat. Denn diese Frauen hatten noch zu wenig Erfahrung und Wissen, um zu begreifen, dass er sie sexuell kontrollierte und dass er eigentlich eher ein Versager war.” 

Shanna, 35 Jahre

“Mit 11 Jahren hatte ich meinen ersten Freund, der damals 16 war. Wir waren zum einen zusammen, weil wir in der Nähe wohnten – er war der ältere Bruder meines besten Freundes. Und zum anderen, weil eine Beziehung zwischen einer 11-Jährigen und einem 16-Jährigen in meinem Heimatort nichts Ungewöhnliches war. Als Teenagerin flirtete ich manchmal mit Männern, die Anfang zwanzig waren. Ich ging auch hin und wieder mit einem von ihnen aus. Als College-Studentin war ich dann mit Männern im Alter zwischen 30 und 40 Jahren zusammen. 

Das Besondere an mir ist, dass ich mit einer extrem starken Mutter aufgewachsen bin. Ich habe sie zwar nie wirklich in die Einzelheiten meiner Liebesbeziehungen eingeweiht. Und dennoch hatte ich immer ihre Stimme im Hinterkopf, die mich sofort warnte, wenn irgendetwas sich nicht richtig anfühlte. Ich hatte nie das Gefühl, etwas tun zu müssen, was ich eigentlich nicht tun wollte.

Zum Glück waren die meisten meiner Beziehungen eher oberflächlich. Ich glaube nämlich, dass in Beziehungen, in denen ein Partner bedeutend älter ist, immer ein ungleiches Machtverhältnis herrscht. Denn der ältere Partner hat einfach schon mehr erlebt und gesehen. Ich finde es schade, dass der Reiz in solchen Beziehungen zum Teil daraus besteht, dass der ältere Partner dem jüngeren Partner das Gefühl gibt, etwas Besonderes zu sein, weil er oder sie schließlich einem älteren Partner gefällt. Das ist hinterlistig.

Ich erinnere mich daran, dass viele Männer plötzlich ein Strahlen in den Augen hatten, wenn sie herausgefunden haben, dass ich sogar noch jünger war, als sie ursprünglich erwartet hatten. Ich habe in diesen Momenten genau gesehen, wie etwas in ihnen zu arbeiten begann. Und dann kamen auch schon die ersten Kommentare im Stil von: ‘Und dabei wirkst du schon so erwachsen.’ Mit solchen Aussagen versuchten sie, mich um den Finger zu wickeln und zugleich ihr aufkeimendes schlechtes Gewissen zu beruhigen.” 

Anne, 22 Jahre

“Unsere Beziehung war eigentlich eher eine lockere Sex-Affäre. Ich war damals 19 und er war 42. Ich hatte meinen Partner über eine Sugar-Baby-Website kennengelernt. Ich fing gerade an, mir selbst einzugestehen, dass ich lesbisch war. Und es fiel mir unglaublich schwer. Ich überlegte mir also, dass ich mich selbst zumindest als bisexuell bezeichnen könnte, wenn ich wenigstens einen einzigen Typen finden würde, mit dem mir der Sex Spaß machte.

Das Machtverhältnis in unserer Beziehung war definitiv unausgeglichen. Jedoch nicht in dem Sinne, wie man es wohl erwarten würde. Er fand es toll, eine junge Frau zu haben, mit der er Spaß haben konnte. Doch ich war immer noch damit beschäftigt, mir über meine eigene Sexualität klar zu werden. Versteht mich nicht falsch — insgesamt betrachtet war der Sex mit ihm toll. Doch ich schaffte es einfach nicht immer, mich komplett fallen zu lassen. Die Tatsache, dass er ein Mann war, lenkte mich ab. Ich konnte mir nicht einfach vormachen, dass ich gerade von einer Frau oral befriedigt wurde. Oder dass er eigentlich eine Frau war, die einen Umschnalldildo trug. Denn diese Fantasien hatte ich mir jahrelang im Kopf ausgemalt. 

Er war wirklich ein netter Kerl. Er war respektvoll und ließ mich die Führung übernehmen, wenn ich ihm signalisierte, dass ich das wollte. Er schaffte es, meine Signale richtig zu deuten und er respektierte meine Grenzen. Ich bereue es kein bisschen. Er hat mir viel über mich selbst beigebracht, auch wenn wir nie wirklich tiefgründige Gespräche geführt haben. Letzten Endes war er für mich sogar der Auslöser, mich so zu akzeptieren, wie ich bin, und mich vor meiner Familie zu outen.” 

Melesana, 70 Jahre

“Wir haben uns bei einem Treffen des Hochbegabten-Vereines Mensa getroffen. Ich war damals 29 und er war 46. In der Zeit, in der wir zusammen waren, machte er neben mir noch fünf anderen Frauen den Hof. Er schlug vor, dass drei von uns bei ihm einziehen sollten. Eine Frau hat das dann auch tatsächlich gemacht. Wir waren in etwa ein Jahr lang zusammen gewesen, als ich die Beziehung beendete. Natürlich hatte zwischen uns ein unausgeglichenes Machtverhältnis bestanden. Er war der Einzige von uns beiden, der Geld verdiente.

Ich glaube, dass er mich attraktiv fand, weil ich so jung war und weil wir aufgrund unserer Hochbegabung und unserer Ausbildung über eine gemeinsame Basis verfügten. Ich habe jedoch überhaupt nicht den Eindruck, dass er mein junges Alter damals ausgenutzt hatte. Er nahm es einfach an und freute sich darüber. Ich bereue nichts. In der Zeit mit ihm ließ ich einmal eine Abtreibung vornehmen. Ich war zwar eigentlich traurig darüber, doch diese Seele hatte etwas Besseres verdient als ihn. Bei ihm hatte ich gelernt, niemandem so wirklich ganz zu vertrauen. Das war sehr hilfreich für mich.” 

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Courtney, 28 Jahre

“Als ich J kennenlernte, war ich 18 und er war 33. Wir lagen also 15 Jahre auseinander. Er war geschieden und hatte zwei Kinder, die damals 12 und 18 Jahre alt waren. Ich war gerade in meinem ersten Semester am College und arbeitete als Barkeeperin im American Legion, einer ziemlich heruntergekommenen Bar in meinem Heimatort.

Mit gelegentlichen Unterbrechungen hielt unsere Beziehung insgesamt fünf Jahre lang. Ich würde sagen, dass das Machtverhältnis zwischen uns definitiv unausgeglichen war. Er hatte mich entjungfert und er versuchte permanent, mich für seine sexuellen Vorlieben zu gewinnen. Ich hielt diese Dinge jedoch für unnötig, weil Sex im Allgemeinen noch neu für mich war. Er erzählte mir von seinen früheren sexuellen Beziehungen und versuchte mich zu bestimmten Handlungen zu drängen, auf die er stand.

Er war manipulativ und er erfand die verrücktesten Dinge, um mich dazu zu bringen, ihm seine Wünsche zu erfüllen. Einmal erzählte er mir, dass er sich während seiner Zeit bei der Armee sterilisieren lassen habe. Und dass bei ihm das neuere Verfahren angewandt worden sei, bei dem die Samenleiter abgeklemmt und nicht durchtrennt werden. Vier Jahre später erzählte er mir dann, dass er die ganze Geschichte nur erfunden hatte. Man konnte bei ihm nie so genau wissen, ob er gerade die Wahrheit sagte.

Diese Zeit in meinem Leben fühlt sich fast wie ein Traum an, weil er mich permanent manipuliert hatte. Ich kann deshalb auch nicht mehr wirklich sagen, welche seiner Geschichten wirklich gestimmt hatten und welche er sich nur ausgedacht hatte. Das Letzte, was ich von ihm gehört habe, ist, dass er jetzt mit einer Freundin seiner Tochter zusammen ist – sie ist sechs Jahre jünger als ich. Seit seiner Scheidung im Jahr 2005 war er mit keiner Frau mehr zusammen, die älter als 30 Jahre war.”

Emily, 33 Jahre

“Ich bin fast mein ganzes Leben lang immer mit älteren Männern zusammen gewesen. Als Teenagerin war ich mit Männern zwischen 20 und 22 Jahren zusammen. Einmal hatte ich sogar einen 27-jährigen und danach einen 38-jährigen Freund. Wie man sich kaum vorstellen kann, war ich jedoch auch einmal mit einem Mann in meinem Alter verheiratet. Nach meiner Scheidung begann ich dann aber wieder, mit älteren Männern auszugehen. Diesem Muster bin ich seitdem auch treu geblieben.

Die größte Altersdifferenz in meinen Beziehungen betrug 25 Jahre. Wir hatten uns in der Arbeit kennengelernt. Nach meiner Scheidung trafen wir uns wieder und blieben dann insgesamt eineinhalb Jahre zusammen. Wir fühlten uns zwar zueinander hingezogen, doch er war auf lange Sicht für mich nicht der Mann, den ich brauchte. Und ich war auch nicht die Frau, die er suchte.

Das Machtverhältnis zwischen uns beiden war nicht unausgeglichen. Wir passten ziemlich gut zusammen. Insgesamt glaube ich, dass ich in unserer Beziehung tatsächlich über mehr Macht verfügte, weil ich jung und hübsch war. Auch wenn das vielleicht subjektiv ist. Ich konnte seinem Ego dadurch einen gewissen Auftrieb verschaffen. Außerdem war er innerlich nicht gerade der stärkste Mann auf der Welt. Auch wenn er das nach außen hin immer ganz gut vorgaukeln konnte.

Er achtete sehr auf meine Gefühle. In meinen späteren Beziehungen mit älteren Männern hatte ich auch nie das Gefühl, dass das Machtverhältnis unausgeglichen wäre. Bei dem Mann, mit dem ich jetzt zusammen bin, habe ich dieses Gefühl auch nicht. Obwohl er nur 13 Jahre älter ist als ich. Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch in einem unterschiedlichen Tempo heranreift und dass man vor allem durch Lebenserfahrung geprägt wird. Ich habe in meinen 33 Jahren schon ziemlich viel erlebt. Ich habe mich in eine ziemlich unabhängige, reife Frau entwickelt, die ihrem Alter weit voraus ist. Man kann jedoch noch immer viel Spaß mit mir haben. Und ich kann sogar noch feiern wie eine Zwanzigjährige, wenn meine Zeit es zulässt. Ich hatte also nie das Gefühl, über weniger Macht zu verfügen als der Mann, mit dem ich gerade zusammen war.”

Die Antworten wurden aus stilistischen Gründen und für mehr Klarheit angepasst. Die Nachnamen wurden auf Wunsch der interviewten Frauen bewusst nicht genannt. 

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

(nc)