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26/08/2014 07:48 CEST | Aktualisiert 26/08/2014 07:56 CEST

Gewalt in der Ehe: Brief an eine Frau, die von ihrem Mann tyrannisiert wird

Demütigung in der Ehe: Brief an eine Frau, die von ihrem Mann tyrannisiert wird
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Demütigung in der Ehe: Brief an eine Frau, die von ihrem Mann tyrannisiert wird

Beziehungen sind Privatsache. Eine Angelegenheit, aus der sich Außenstehende raushalten sollen. Oder? Angie Aker tat das nicht. Als sie bemerkte, dass ihr Nachbar seine Frau laut beschimpfte und beleidigte, schrieb sie ihr einen Brief.

Es war gut, dass Aker nicht wegschaute, denn auch Worte können verletzen. Demütigung in Ehe und Beziehung - das ist psychische Gewalt.

Der Brief erschien schon 2010 auf der Webseite von "Life after Hate", eine Organisation, die gegen Gewalt kämpft. Jetzt macht er im Netz die Runde.

Liebe fremde Frau,

Sie kennen mich nicht und eigentlich sollte ich Ihnen das hier gar nicht schreiben. Vielleicht haben sie 50 Menschen um sich, die Ihnen mit ihrer Situation helfen und brauchen nichts von mir. Aber vielleicht haben Sie auch niemandem, dem Sie sich anvertrauen können und brauchen einen Menschen, der Ihnen sagt, dass Sie nicht allein sind. Sie sind nicht allein.

Er schreit Sie an. Wir können es hören. Er beleidigt Sie. Wir können es hören. Ich weiß nicht, was passiert, wenn die Türen verschlossen sind und wir nicht länger Zeugen sind. Aber lassen Sie sich nichts reinreden: Keines der beleidigenden Dingen, die er zu Ihnen sagt, stimmt. Jeder in diesem Wohnhaus weiß das. Er hat Ihnen nicht Ihre Glaubwürdigkeit genommen.

Sie fühlen sich vielleicht beraubt... Ihrer persönlichen Stärke, Ihrer Würde. Oder der Dinge, die Sie an sich selbst besonders fanden, bevor er Ihnen das Gefühl gab, dass alles, was Sie tun, falsch oder schlecht sei. Der einzige Mensch, der die Macht hat, diese Dinge aufzugeben, sind Sie. Der einzige Mensch, der diese Dinge wieder aufbauen kann, Schritt für Schritt, sind Sie.

Sie sind nicht schlecht. Sie sind gut. Was auch immer Sie getan haben, das nicht seinen Standards entspricht, spielt auf lange Sicht keine Rolle. Sie können weiter versuchen, durch die Reifen zu springen. Reifen, die er absichtlich immer kurz vorher verändern wird, damit Sie scheitern.

Sie können weiter verzweifelt hoffen, dass er sieht, wenn Sie etwas "richtig" machen und dass Sie seine Liebe verdient haben... dass er Ihnen vertrauen kann... dass Sie Ihn WIRKLICH lieben... Sie können weiter darauf warten, dass dieser Mann sich für Sie ENTSCHEIDET, sobald Sie endlich bewiesen haben, dass Sie "gut genug" sind. Oder Sie können ihm sagen, dass er zur Hölle fahren soll und Sie können sich für sich selbst entscheiden.

Vor Jahren war ich es, die durch Reifen sprang. Ich war es, die verzweifelt darauf wartete, endlich als "gut genug" gesehen zu werden. Ich habe es bemerkt, bevor es zu spät war, mich zu retten. Ich habe die Überbleibsel meiner Selbstachtung aufgesammelt und in ruhigem Trotz alles in meinem Inneren wieder aufgebaut, das er zerstören wollte... Ihm hat das nicht gefallen.

Er hätte mich deswegen fast umgebracht. Aber ich habe mich für mich selbst entschieden. Ich habe es überlebt, um darüber zu sprechen. Kommen Sie doch einfach rüber und fragen Sie mich, wie es ausgegangen ist.

In Liebe,

Angie

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