LIFE
14/09/2018 10:32 CEST

45 Jahre war er Jungfrau: Warum dieser Mann erst jetzt Sex hat

"Eines Morgens ist es einfach passiert."

Professor25 via Getty Images
Mit 45 Jahren bekam der Mann einen Penis. (Symbolbild) 
  • Ein Brite hat mit 45 Jahren seine Jungfräulichkeit verloren.
  • Der Mann wurde ohne Penis geboren und bekam eine Operation, die sein Leben veränderte. 

Der 45-jährige Andrew Wardle aus dem englischen Manchester hat es endlich getan: er hatte sein erstes Mal.

Sein ganzes Leben lang war er Jungfrau, denn der Mann wurde ohne Penis geboren. Kürzlich formten Ärzte des Londoner Universitäts-Krankenhauseseinen Penis aus Haut und Muskeln und operierten diesen Wardle in den Schritt.

Umgerechnet hat dieser Eingriff 56.000 Euro gekostet, berichtete die britische Boulevardzeitung “The Sun”.

Wardle kam mit dem seltenen Geburtsfehler Blasenekstrophie auf die Welt – eine Fehlbildung der Harnblase, des Beckens und des Genitals. Von Geburt an fehlte ihm ein Penis an seinem Körper. Ärzte dachten damals, Wardle würde sterben.

Einem von 20 Millionen Menschen weltweit widerfährt so etwas. 

Nach der OP hatte er eine zehntägige Erektion 

Mit über 30 Jahren habe Wardle dann herausgefunden, dass Ärzte in einer langwierigen Prozedur einen Penis herstellen und annähen können. 15 Jahre später sollte es dann schließlich soweit sein. 

Die Chirurgen haben den Penis vor der aufwendigen Operation zunächst formen müssen. Dafür entnahmen sie laut Bericht Haut und Muskel aus seinem linken Arm und eine Vene sowie Nerven aus dem rechten Oberschenkel.

Dann nähten sie in einer zehnstündigen Operation das fertige Genital zwischen die Beine des Briten. In das Genital wurde dann noch eine Art Pumpe implantiert, die über den Hodensack gesteuert werden kann. 

Das Ventil der Pumpe ist mit Kochsalzlösung gefüllt. Sobald man den Knopf im Hodensack drückt, wird der Penis steif.

Nach der Operation habe der Mann zehn Tage lang eine schmerzhafte Erektion gehabt. Sechs Wochen sollte er dann warten, um das erste mal Sex zu haben.

“Ich musste es (die Pumpe) jeden Morgen und jede Nacht testen und die Erektion für 20 Minuten halten”, sagte er der Zeitung.

Wardle wurde als Kind gemobbt

Seine Frau hat ihn laut eigener Aussage erst richtig kennengelernt, als sie ihn im Fernsehen gesehen hat. In einer Morgen-Show erzählte Andrew Wardle seine Geschichte – genau dann erfuhr auch seine Frau, was los war. 

Fedra Wardle hatte bis dahin gedacht, ihr Mann habe Nierenprobleme und könne deshalb keine Erektion bekommen. “Deshalb hatten wir nie Sex. Ich habe es nicht hinterfragt.”

Menschen fragten sie, warum sie ihn nie nackt gesehen hätte. “Jeder ist anders und ich habe Verständnis für Menschen, die nicht selbstbewusst mit ihrem Körper umgehen”, sagte sie “The Sun”. In der Schule habe der 45-Jährige irgendwann gelernt, wie er seinen Intimbereich vor anderen in der Umkleide verstecken könne. In seinem Heimatort hätten Anwohner allerdings von Wardles Besonderheit erfahren und ihn gemobbt. 

Als er 12 Jahre alt war, habe er dann einen Abschiedsbrief geschrieben, eine Art Hilfeschrei. Zwei Jahre später nahm er eine Überdosis an Pillen – überlebte jedoch glücklicherweise. In seinen 20ern nahm er laut Bericht Amphetamine und LSD, um seine Emotionen zu verbergen. Seine Sucht nahm er als Ausrede, warum er nie Sex mit Frauen hatte. 

Eine Ex-Freundin Wardles habe ihm sogar ins Gesicht geschlagen, als sie erfuhr, dass an seinem Körper etwas fehlte. Als Wardle eines Tages nervlich zusammenbrach, rief ein Freund des Mannes die Polizei. Ab da habe sich alles geändert.

Der Brite will Vater werden

Heute ist der 45-Jährige zufrieden. “Ich bin sehr glücklich damit”, sagte Andrew Wardle der Zeitung. Es sei einfach fantastisch gewesen, seine Jungfräulichkeit endlich zu verlieren, sagte er.

“Eines Morgens ist es einfach passiert. Es war schön und natürlich – so wollte ich es haben.” Das Organ hat sich sehr gut an den Körper angepasst und laut Bericht gibt es sogar die Möglichkeit, dass er Kinder bekommen könnte. Da seine erogenen Zonen laut Bericht immer funktionierten, konnte er Orgasmen empfinden, jedoch nicht ejakulieren. 

“Wir hätten gerne Kinder, am Besten zwei. Wir haben es aber nicht eilig”, sagte er. Er werde bald seine Fruchtbarkeit testen lassen. Sollte es mit eigenen Kindern jedoch nicht klappen, könne er sich auch vorstellen, zu adoptieren.

Der 45-Jährige blickt in eine neue Zukunft

Die Beziehung der Wardles habe sich nach der Operation grundlegend geändert. “Es ist fantastisch, wir brauchen kein Viagra oder müssen uns Sorgen ums Älterwerden machen”, sagte seine Frau Fedra Wardle der Zeitung.

Ihrer Meinung nach habe ihr Mann nicht seine Jungfräulichkeit verloren. “Man denkt dabei immer an jemanden, der nicht weiß, was er tut. Aber Andrew wusste, was er getan hat.”

Sie hätten vor der Operation alles getan, bis auf Sex, da sie da nicht weiterkamen. Nun freuen sich beide endlich, die Freiheit zu haben, weiter zu gehen. “Es hat die Beziehung auf ein neues Level gebracht”, sagte Fedra Wardle.

Der Mann müsse sich erst an den Sex gewöhnen, sagte er der Zeitung. Er genieße jedoch den Lernprozess. “Dieser Teil meines Körpers war immer mit Schmerzen verbunden, nicht mit Lust.”

Er habe noch eine seltsame Beziehung zu seinem Geschlechtsteil. Sex habe ihm zuvor nie etwas bedeutet, weil er nie bis zu diesem Punkt kam. 

“Ich hoffe, dass sich das mithilfe einer Therapie ändert. Es ist ein langer Weg und es wird Zeit brauchen, bis alle Wunden heilen. Aber ich bin sehr glücklich und freue mich auf mein zukünftiges Leben.”

(nc)