LIFESTYLE
18/04/2018 18:16 CEST | Aktualisiert 18/04/2018 20:57 CEST

38-Jährige verrät, warum sie zu einer Kuschel-Trainerin geht

Steckt für die Kuschelbedürftigen mehr dahinter als eine bloße Entspannungsmaßnahme?

Hinterhaus Productions via Getty Images
Kuscheln könnte das neue Yoga sein. (Symbolbild)
  • Elisa Meyer veranstaltet Kuschelpartys in Wien
  • Pierre Leupf ist eine ihrer Kundinnen – die 38-Jährige bucht Meyer oft für ganz private Kuschel-Sessions

Bald wird ein Großteil unserer Gesellschaft zur Entspannung nicht mehr ins Yoga-Studio gehen. Sondern professionell mit Fremden kuscheln. Denkbar wäre es zumindest. Dem Kuschel-Training sei Dank. 

Der Trend ist in den USA entstanden und hat mittlerweile auch in Deutschland begeisterte Anhänger gefunden. 

“Ich will das für Menschen machen, die einsam und isoliert sind und den Kontakt zu ihrer Umwelt und ihren Mitmenschen verloren haben”, sagt Elisa Meyer der HuffPost. 

Meyer ist Kuschel-Therapeutin. Für die Ausbildung in den USA musste sie unter anderem mit Freunden und Bekannten Probe-Kuscheln, die sie im Anschluss online bewertet haben.

Mittlerweile veranstaltet die 31-Jährige in Wien Kuschelpartys, aber auch ganz private Kuschel-Sessions zu zweit. 

Normale, unauffällige Menschen, die zum Kuscheln kommen 

“Es gibt mir etwas, wenn ich sehe, wie glücklich die Menschen nach einer Kuschel-Session sind”, sagt sie. 

Es seien eher normale, unauffällige Menschen, die zu ihr kommen. 

“Menschen, die ein ganz normales Leben führen und einen ganz normalen Job haben.” 

So wie Pierre Leupf. Die 38-Jährige ist Büroangestellte, in ihrer Freizeit geht sie zum Kuschel-Training. Nicht oft, aber ab und zu, sagt sie. 

“Bei meiner ersten Kuschelstunde war ich aufgeregt und hatte Schmetterlinge im Bauch.”

Vor dem Kuscheln gibt es erst noch ein Vorgespräch, in dem die Kuschel-Therapeuten mit ihren Kunden abklären, was sie sich vorstellen – und klare Grenzen ziehen. Sobald Kunden die Profi-Kuschler unter der Kleidung anfassen, gibt es eine Verwarnung. Passiert es noch mal, ist Schluss.

Das komme schon ab und zu mal vor, sagt Meyer. Steckt für die kuschelbedürftigen Kunden also doch mehr dahinter als eine bloße Entspannungsmaßnahme?

Manche Positionen sind schon etwas schwierig. Kuschel-Kundin

Sie hätte gerne eine Freundin, erzählt die Kundin Leupf. Das sei einer ihrer Träume. 

Auch mit Yoga findet sie das Kuscheln nicht vergleichbar. Eine Ähnlichkeit sieht sie dann aber doch. “Genau wie beim Yoga gibt es verschiedene Positionen, die nicht jedem angenehm sind.” 

Deshalb klären Kuschel-Therapeut und Kunde, welche Positionen sie angehen werden, bevor es zur Sache geht. 

“Insgesamt gibt es um die 50 verschiedene Positionen”, sagt Leupf. “Doch wir haben uns die gängigsten 13 rausgesucht.”

Das klingt schon beinahe wie Sport – und tatsächlich: “Manche Positionen sind schon etwas schwierig”, gibt die 38-Jährige zu. 

Das könne sie aber nicht vom Kuscheln abhalten. 

“Ich freue mich da richtig drauf. Oft leite ich damit meinen Urlaub ein. Es gibt mir Energie und macht mich glücklich.” 

Ist Kuscheln der Schlüssel zum Glück? 

Dass innige Umarmungen gut für die Gesundheit sind, ist sogar wissenschaftlich erwiesen. Dabei wird Oxytocin ausgeschüttet, das sogenannte Bindungshormon. Es bindet uns an die Menschen, die wir umarmen, beruhigt  und ist auch noch gut für das Immunsystem. Und glücklich macht es noch dazu.

Könnte das also endlich der Schlüssel zum Glück sein, den die Menschheit schon so lange sucht – ist es so einfach: Kuschel-Training? 

Leupfs Nachsatz klingt weniger danach. “Im Kopf beim Kuscheln, da denke ich schon manchmal ’Okay, es ist nur ein Ersatz.′ Das grundlegende Problem ist, dass ich solo bin.” 

Letztendlich kann eben nicht mal Kuscheln mit Ausbildung echtes Kuscheln ersetzen. Doch: Schaden kann es sicher auch nicht. 

Manchmal kommen Personen zu Elisa, die sehr ernst aussehen würden, erzählt sie. Nicht so, als hätten sie Spaß daran, mit jemandem zu kuscheln.

“Doch dann beim Kuscheln fangen sie an zu lachen und kriegen kleine Lachfältchen. Nach dem Termin erinnern sie mich oft an Kinder. Das macht mich glücklich.”

(mf)