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02/03/2018 13:17 CET | Aktualisiert 02/03/2018 13:33 CET

15 Mut machende Beispiele, wie Menschen in Deutschland gegen den Klimawandel kämpfen

Ganz nach dem Motto: Jeder kann die Welt retten.

  • Stürme, Hochwasser, Trockenheit – Deutschland leidet schon heute unter den Folgen des Klimawandels
  • Die HuffPost stellt 15 Projekte vor, die dagegen ankämpfen

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Durchschnittstemperatur in Deutschland um 0,8 bis 1 Grad Celsius erhöht. Es regnet im Winter immer mehr, im Sommer dafür umso weniger.

Trockenperioden, Starkniederschläge und Sturmböen nehmen vor allem seit dem Ende der 1990er Jahre drastisch zu. Hochwasser und extreme Hitze gefährden die menschliche Gesundheit und belasten Pflanzen und Tiere.

Der Klimawandel ist real – auch in Deutschland. Wie sehr er unserem Land schon zu schaffen macht, hat sich die HuffPost in den vergangenen Wochen von Experten zeigen lassen.

Wir haben mit Stadtplanern, Naturschützern, Klimaforschern und Meteorologen über die Folgen des Klimawandels gesprochen und uns vor Ort an der Küste, in den Bergen, Wäldern und Großstädten angeschaut, was der Klimawandel dort bereits anrichtet.

Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten: die Lage akzeptieren und hinnehmen. Oder etwas dagegen tun.

Zum Abschluss unseres Themenschwerpunkts stellen wir euch 15 Projekte von Menschen vor, die sich für den zweiten Weg entschieden haben: 

1. Stadtgärten gegen Hitze

Besonders in Städten leiden Menschen unter der zunehmenden Hitze. Dass es in Städten heißer ist, liegt vor allem an der starken Bebauung. Denn von Straßen und Gebäuden wird Sonneneinstrahlung absorbiert, sprich: Sie speichern die Wärme. Damit erwärmen sich Städte tagsüber stärker als ländliche Regionen und kühlen nachts langsamer aus.

Was dagegen hilft? Mehr Grün! Das Projekt “Urbane Klima-Gärten: eine Bildungsinitiative in der Modellregion Berlin” fördert die ehrenamtliche Arbeit im Urban Gardening.

Mit Broschüren zum Stadtgärtnern, Ausstellungen und Schulprojekten sensibilisiert das Projekt die Berliner für den Klimawandel. Und zeigt ihnen, was sie für ein besseres Klima in ihrer Stadt tun können.

Urbane Klima Garte
Ein Regenwasserspeicher in einem Stadtgarten

2. Gemeinsam den Wald retten

Stürme, Erwärmung, verschobene Kälte- und Hitzeperioden – all das ist eine Belastung für die deutschen Wälder und ihre Ökosysteme. Pflanzen- und Baumarten sterben ab, neue Schädlinge kommen nach Deutschland, die Lebensumstände für Tiere verändern sich.

Mehr zum Thema: Umweltministerin Hendricks verteidigt die Klimapolitik der GroKo – aber hat auch eine eindringliche Warnung an die Industrie

Das Projekt KLIMWALD in Nordhessen hilft Gemeinden, mit diesen Herausforderungen umzugehen. Denn der Klimawandel stellt Waldeigentümer, Naturschützer und die Waldwirtschaft vor große Herausforderungen.

KLIMWALD experimentiert und überlegt sich gemeinsam mit Jägern und Förstern, in welchen Waldgebieten welche Baumarten die besten Überlebenschancen haben und wie der Wald und seine Tiere am besten geschützt werden können.

Klimwald
Jäger und Förster bei einer gemeinsamen Exkursion von KLIMWALD

3. Kühlen mit Regenwasser

Forscher des Bayerischen Zentrums für Energie-Forschung in Würzburg haben einen Weg gefunden, Gebäude mit Regenwasser zu kühlen. So bleibt die Raumtemperatur im Sommer angenehm. 

Mehr zum Thema: Die Umweltministerin feierte ihre Klimapolitik in der HuffPost – jetzt attackieren sie Experten scharf

Und das funktioniert so: Aus einem Tank, der im Freien steht, wird gespeichertes Regenwasser in ein Gebäude gepumpt. Nachts wird das Wasser über das Dach zurück in den Tank geleitet. Durch Wärmestrahlung und Verdunstung kann das Wasser dann wieder abkühlen. Im Vergleich zu herkömmlichen Kältemaschinerien ist diese Anlage deutlich umweltfreundlicher.

ZAE
Ein Modell der Anlage in Würzburg

4. Die besten Bäume für die Stadt

Nicht nur in Wäldern ist der Klimawandel Stress für Bäume, sondern auch in den Städten. Sie leiden unter Bebauung, Hitze und Trockenheit. Dabei sind sie so wichtig für das Klima. Sie spenden Schatten, filtern Schadstoffe aus Luft und Boden, werten das Stadtbild auf und sind Lebensraum für Vögel und Insekten.

Das Projekt “Stadtbaumkonzept” aus Thüringen hat verschiedene Faktoren analysiert, um die beste Art und den besten Standort für Bäume in Städten zu finden.

Stadtbaumkonzept

5. Lärmschutz aus Plastikmüll

Joghurt-Becher, Einkaufstüten, Plastikflaschen – die Firma Tensar aus Bonn verwertet Plastikmüll und baut daraus Wände zum Lärmschutz an viel befahrenen Straßen. Das Fundament bildet Erde, darauf kommt eine Konstruktion aus recycelten Kunststoffen. Die ganze Wand wird begrünt.

So sehen die Schutzwälle schön aus und sind sogar kostengünstiger als herkömmliche Lärmschutzwände. Müll bekommt eine sinnvolle Verwendung. Und die Grünpflanzen filtern Schadstoffe aus der Luft.

Tensar
Eine Lärmschutzwand aus Plastimmüll

6. Warnsystem Hochwasser und Sturzfluten

Extreme Wetterereignisse nehmen mit dem Klimawandel zu. So auch Hochwasser und Sturzfluten, die ganze Dörfer mit sich reißen und zerstören können.

URBAS ist ein Programm von Menschen aus Aachen. Sie haben vergangene Katastrophen analysiert und helfen jetzt Dörfern und Städten, Gefahren besser vorherzusagen, rechtzeitig davor zu warnen, besser darauf zu reagieren und Schäden so klein wie möglich zu halten.

CHRISTOPH SCHMIDT via Getty Images
Im Mai 2016 hat Starkregen das Dorf Braunsbach in Baden-Württemberg zerstört

7. Ärzte und Pfleger wappnen sich für den Klimawandel

Auch die menschliche Gesundheit leidet unter den Folgen des Klimawandels. Extremwetterereignisse, Luftverschmutzung und Hitzeperioden sorgen dafür, dass sich neue Tier- und Pflanzenarten ausbreiten, die Infektionen übertragen oder Allergien auslösen.

Um Ärzte, Pflegekräfte und Gesundheitsbeauftragte darauf vorzubereiten, hat die Charité Berlin die “Klimaanpassungsschule” gegründet. In Seminaren und Workshops werden die Mediziner im Umgang mit neuen Krankheiten und Katastrophen-Ereignissen geschult.

8. Stadtviertel klimafit machen

Im Projekt “KiezKlima” haben Menschen am Beispiel des Berliner Brunnenviertels gemeinsam mit Anwohnern Ideen entwickelt, um das Stadtviertel besser an immer heißere Sommer anzupassen und gleichzeitig die Lebensqualität für alle zu verbessern.

Sie begrünen Dächer oder Pflanzen Bäume – insbesondere auch dort, wo vorher noch Beton dominierte. Außerdem haben sie Methoden entwickelt, um Wasser zu recyceln und mehrfach wiederzuverwenden.

Kiezklima
Ein Modell des klimafiten Brunneviertels in Berlin

9. Weiterverwertung von Treibsel

Die deutschen Küsten haben immer mehr mit den Folgen von Sturmfluten und Starkregen zu kämpfen. Dabei wird Treibsel an Strände und Promenaden gespült. Das sind Gegenstände, die im Meer treiben, wie Äste, Wasserpflanzen, aber auch Müll. Und die müssen wieder mühsam wegtransportiert werden.

Doch für das Projekt POSIMA nutzen Menschen Treibsel – vor allem Seegras, Tang und Algen – als wertvolle biologische Ressource weiter. Und die Verwertungsmöglichkeiten sind vielfältig: Zum Beispiel können damit Häuser gedämmt oder Kissen und Matratzen gestopft werden.

Posima
Treibsel, das als Dämmmaterial verwendet wird

10. Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels

Das Innovationsnetzwerk Klimaanpassung Brandenburg Berlin hilft Landwirten, sich an die sich ändernden Klimabedingungen anzupassen. Die Macher experimentieren mit verschiedenen Getreidesorten und Formen des Anbaus.

Sie entwickeln Pläne und Tools, die Bauern helfen, vor dem Hintergrund des Klimawandels das Richtige zu säen, die geeigneten Zwischenfrüchte anzubauen und ihre Böden sinnvoll zu bearbeiten. 

INKA BB
Eine Versuchsfläche mit Winterweizen in Wilmersdorf

11. Natur in grauen Zonen

Das Projekt ”Wissenschaftsladen” unterstützt Kommunen und Firmen dabei, bebaute Flächen wieder zu begrünen.

In Erfurt, Wiesloch und Duisburg haben Bürger und Stadtverantwortliche bereits gemeinsam Flächen entsiegelt und wieder schick gemacht. Das ist gut für das Mikroklima, kann Niederschläge auffangen und macht die Gegend lebenswerter.

Mehr zum Thema: Der Klimawandel findet vor unserer Haustür statt – so können wir dazu beitragen, ihn aufzuhalten

Wissenschaftsladen Bonn
Teilnehmer des Projekts "Natur in grauen Zonen"

12. Strandwasser als Energielieferant

Ein Ingenieurbüro aus Rostock hat Methoden entwickelt, um Meerwasser an Küstenregionen zur Energiegewinnung zu nutzen.

Das soll vor allem helfen, Häuser in Küsten- und Deichnähe emissionsfrei zu kühlen, aber auch zu beheizen.

Mehr zum Thema: “Unfassbar dumm und peinlich”: Hannes Jaenicke teilt gegen die Klima-Politik GroKo aus

13. Schüler im Kampf gegen den Klimawandel

Gemeinsam mit Wissenschaftlern entwickeln Schüler des Stipendienprogramms “2°-Campus” des WWF Ideen für eine klimafreundliche Zukunft.

Sie diskutieren über unverpackte und lokal angebaute Lebensmittel, E-Bikes oder darüber, wie wir bis ins Jahr 2050 Strom nahezu zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien gewinnen können.

2-Campus
Schüler des 2°-Campus

14. Drei Landwirte, die keinen Abfall produzieren

Obst, Gemüse, Fisch, Eier, Hähnchen – Nahrungsmittel regional nachhaltig und verantwortungsvoll produzieren und dabei die Natur und die Ressourcen schonen: Das ist das Ziel von “Food and Energy”. Das Projekt von drei Landwirten aus Groß-Gerau vernetzt erneuerbare Energien und ökologischen Gartenbau.

Außerdem setzen sie alle Abfallprodukte, die anfallen wieder als Rohstoff ein. Es gehen keine Ressourcen verloren und es entsteht kein Abfall.

15. Ein ganzes Dorf, das mit Biomasse heizt

Das thüringische Dorf Schlöben will sich komplett klimaneutral versorgen. Dafür hat die Bürgergenossenschaft eine Biogasanlage und zwei mit Holz betriebene Kraftwerke gebaut.

420 Kühe liefern Gülle und Mist, die Holzschnitzel kommen aus dem direkten Umkreis. So spart das Dorf jedes Jahr 2000 Tonnen CO2 ein. 80 Prozent der Haushalte sind inzwischen an das Wärmenetz angeschlossen.

Thomas Winkelmann / Bioenergiedorf Schloben eG
Das Bioenergiedorf Schlöben

(jds)