POLITIK
07/12/2018 11:56 CET | Aktualisiert 07/12/2018 11:58 CET

148 Schüler festgesetzt: Frankreich diskutiert über diese verstörenden Bilder

Frankreich erlebt derzeit eine Welle der Gewalt.

► Das Vorgehen der Polizei bei einer Massenfestnahme von Schülern hat in Frankreich Betroffenheit und Empörung ausgelöst (die Bilder seht ihr im Video oben). 

► “Es hat schockierende Bilder gegeben, weil wir uns in einem Klima außergewöhnlicher Gewalt befinden”, sagte Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer am Freitag im Sender France Inter.

► Am Donnerstag waren in der Nähe von Paris rund 150 junge Menschen festgenommen worden. Dabei handelte es sich vor allem um Schüler, die in der Nähe einer Schule in Mantes-la-Jolie protestiert hatten.

Video des Einsatzes löst Debatte aus

Videos des Polizeieinsatzes zeigen, wie Dutzende Schüler in Reihen und unter der Aufsicht der Sicherheitskräfte auf dem Boden knieten oder hockten, mit den Händen am Kopf oder hinter dem Rücken. Polizeikreise bestätigten die Echtheit der Aufnahmen.

Blanquer betonte, man müsse die Bilder jedoch in ihrem Kontext betrachten - “in einer Zeit, in der die Sicherheitskräfte in ganz Frankreich im Einsatz sind, mit enormen Schwierigkeiten und mit unvorstellbaren Risiken”.

In Mantes-la-Jolie seien Sicherheitskräfte angegriffen worden, es habe Ausschreitungen gegeben. “Ein Großteil (der Festgenommenen) wird natürlich freikommen, aber unter ihnen sind auch solche, die sehr schlimme Dinge getan haben”, sagte Blanquer.

Die Verhaftungen erfolgten nach Vorfällen in der Nähe des Gymnasiums Saint-Exupéry, wo am Donnerstag zwei Autos in Brand gesteckt wurden und wo es zu Zusammenstößen mit der Polizei kam, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtet.

Bei einzelnen Schülern seien Baseballschläger und Tränengasbehälter gefunden worden, teilte Innenministerium mit. “Die Verhaftung einer so großen Zahl von Personen erforderte zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen.”

Linke Politiker verurteilten den Polizeieinsatz. Nichts könne diese Demütigung der Minderjährigen rechtfertigen, schrieb der Chef der Sozialisten, Olivier Faure, bei Twitter. “Das Feuer schwelt, fachen Sie es nicht an!” Der frühere Präsidentschaftskandidat der Sozialisten, Benoît Hamon, twitterte: “Was sucht die politische Führung, wenn nicht Gewalt als Reaktion?”

Frédérique Rolet, Generalsekretär der einflussreichen Lehrer-Gewerkschaft SNES-FSU, nannte die Bilder “unerträglich”. Er fügte hinzu: “Die Jugend wurde gedemütigt. Die Jugend wurde geopfert.”

Ihm schloss sich der Elternverband FCPE  an, der schreibt: “Innenminister Castaner gründet die Schule der Erniedrigung! Das ist ein unfassbarer Skandal! Eltern, lasst uns reagieren, das reicht!”

Was hinter den Protesten der Schüler steckt 

Seit Montag protestieren in ganz Frankreich Schüler und Studenten gegen Reformen im Bildungsbereich und blockieren Bildungseinrichtungen.

Die Proteste der Schüler sind diffus, wie die Zeitung “Le Monde” schreibt. Teils seien sie von den “Gelben Westen” inspiriert, die seit Mitte November gegen Steuererhöhungen und die Reformpolitik auf die Straßen gehen. Bei den “Gelbwesten”-Protesten kam es am vergangenen Wochenende in Paris zu schweren Ausschreitungen und mehr als 400 Festnahmen.

Für diesen Samstag sind neue Proteste in der Hauptstadt angekündigt. Die Behörden befürchten eine erneute Eskalation der Gewalt. Im ganzen Land sind deshalb knapp 90.000 Sicherheitskräfte im Einsatz. 

Mit Material der dpa