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02/01/2019 14:42 CET | Aktualisiert 02/01/2019 14:42 CET

11 Thesen zur digital-agilen Arbeitswelt der Zukunft - und wie wir sie (üb)erleben

Monty Rakusen via Getty Images

Wer Unternehmen in die Zukunft führt oder sie dabei aktiv begleitet, der tut gut daran, sich ab und an mit dieser Zukunft intensiver auseinanderzusetzen. Das Maß in dem sich Technologien (immer schneller) weiterentwickeln macht es zu komplex, konkrete Aussagen zu treffen, aber die Tendenzen sind klar genug.

Nichts davon ist planbar, aber es lohnt sich auf die Eventualitäten vorzubereiten. Ich jedenfalls bereite mich so gut wie möglich auf Basis meines Wissens und meiner Erkenntnisse vor. Jeder ist frei sich seine eigenen Gedanken dazu zu machen - nein, nicht nur frei: Jeder SOLLTE sich (ganz explizit) seine eigenen Gedanken machen.

These 1: Management erlebt eine Renaissance und wird untergehen

Um Unternehmen die nächsten wichtigen Entwicklungsschritte gehen zu lassen, werden kluge, bewusst reflektierte Unternehmensführer die Basis dafür schaffen, dass zukünftig jeder selbst diese Rahmenbedingungen mit beeinflussen kann. "Management" als soziale Technologie wird dazu zunächst wesentlich an Bedeutung gewinnen und über die Zeit ein Thema, das von allen gemeinsam betrieben wird. Management in seiner heutigen Form wird untergehen.

These 2: Die Arbeitswelt wird maximal vernetzt, maximal verteilt und maximal getrennt

In technologisch führenden Gesellschaften wird der Arbeitsmarkt maximal miteinander vernetzt sein.

Zugleich werden wir maximal verteilt arbeiten, d.h. die räumliche Trennung wird sich verstärken. Filterblasen werden sich stärker abkapseln. Den wenigen, die die Trennung überwinden können, wird damit eine besondere Bedeutung für Innovationen zukommen .

These 3: Kollaboration wird intensiver - zwischen Menschen, zwischen Maschinen, zwischen Menschen und Maschinen und in Räumen, die wir erst wieder kennenlernen müssen

Wenn Maschinen immer mehr Aufgaben übernehmen, dann werden wir neu lernen müssen in den Maschinen Kollegen zu sehen, statt Gerätschaft. Menschen werden ohnehin intensiver zusammen arbeiten, über alle funktionalen, disziplinären Geschlechter-, Alters- und Kulturgrenzen hinweg.

These 4: Neue Zusammenarbeit etabliert neue Kulturen

Um die sozialen und kognitiven Fähigkeiten für verbesserte, intensivere, vernetzter Kollaboration zu nutzen, wird sich eine neue Kultur der Zusammenarbeit etablieren. Mit echtem Vertrauen, Ehrlich- und Verletzlichkeit sowie Emotionen um Verbundenheit und Vernetzung aufzubauen. In der Zukunft sind wir wieder mehr als Mensch gefordert.

These 5: Hochspezialisierte Experten und umfassend vernetzte Generalisten bestimmen die Zukunft fluider Unternehmen

Hochspezialisierte Experten werden flexibel in Projekten und Unternehmen umherwandern, um maximale Wirkung zu erzielen. Umfassend vernetzte Generalisten stellen derweil die Basis sicher, auf der diese Experten arbeiten können. Ihre Aufgabe ist das Gesamtbild des Unternehmens im Auge zu behalten und systematisch, komplex die Muster zu erkennen. Sie schaffen komplexe Kollaborationsstrukturen.

Fluide Unternehmen werden ihren konkreten Bedarf vor allem aus diesen beiden Gruppen decken.

These 6: 3D- und 4D- Kommunikation wird Arbeitsalltag

Wer nicht physisch im CollaborationHub arbeitet, wird sich per AR- und VR-Equipment visuell und kognitiv jederzeit und von überall her dort hineinbewegen können. Die 4. Dimension entsteht durch den Zeitversatz, der möglich wird. VR, kombiniert mit individuell geprägten „künstlichen Intelligenzen“ wird uns in dieser asynchronen Kommunikation unterstützen.

These 7: Wir entwickeln ein neues Verständnis für sozial-komplexe, technologisch-komplexe und sozitechno-komplexe Systeme

Das zunehmende Bewusstsein für die Nichtlinearität der Umwelt führt zu einem wachsenden Verständnis der Nichtvorhersagbarkeit von sozialen und technologischen Einflüssen und Entwicklungen. In der Abhängigkeit der sozialen und technologischen Systeme entsteht ein weiteres sozitechnologisches System mit ganz eigenen Rand- und Rahmenbedingungen.

These 8: Der Mensch rückt zentral in den Fokus und in die Cloud

Der Mensch, sei es als Kollege, Kunde oder Teil der Umwelt rückt immer weiter in den Fokus von Zusammenarbeit. Damit wächst die Eigenverantwortung und die gemeinsame Verantwortung für die Erhaltung lebensnotwendiger Ressourcen.

Mit den zentral in der Cloud verfügbaren Daten wird die Entwicklung kreativer Ideen vermehrt in der Cloud stattfinden.

These 9: Es entsteht eine 4-Klassen Gesellschaft

Neben den hochspezialisierten, hochqualifizierten und hochkompetenten Experten, den umfassend vernetzen, systemisch agierenden Generalisten und der Garde, der diese beiden Gruppen unterstützenden „Mitmacher“, wird es eine zunächst große Zahl an „NiKöNiWos“ geben. Die „Nicht-Können-oder-Nicht-Wollenden“ werden die Entwicklungen nur aus der Ferne begleiten können oder wollen. Die übrigen drei „Klassen“ müssen dabei besondere Sorge für diese Menschen mittragen. 

These 10: Arbeit direkt am und mit Menschen gewinnt an Wert

Alle Arbeitsbereiche, die ein hohes Maß an emotionaler und sozialer Kompetenz erfordern, werden an Bedeutung und Wertschätzung gewinnen. In Arbeitsbereichen, die zudem von physischen Belastungen geprägt sind, wird Technologie Arbeit so weit erleichtern, dass hier mehr Menschen leichter arbeiten können.    

These 11: Es liegt tatsächlich vor allem an uns!

Wir alle, egal in welcher Rolle und Position wir uns wähnen, gestalten die Zukunft jeden Tag aktiv mit, indem wir Dinge tolerieren, forcieren oder ablehnen. Es liegt an uns, uns dies immer wieder bewusst zu machen. Die Zukunft beginnt und entsteht jeden Tag neu aus dem was wir tun, dem, was wir nicht tun und dem, was wir versäumen.

Doch all das Wissen um mögliche Entwicklungen nützt Ihnen (und mir) wenig, wenn wir nicht unsere Schlüsse daraus ziehen und entsprechend handeln.

Einige meiner Vorschläge und persönlichen Ansätze für eine solche zukunftsgerichtet Handlung sind:

  1. Bauen Sie Ihre Management-, Führungs- und Leadershipkompetenz aus. Nur: Achten Sie darauf nicht alte Muster zu vertiefen, sondern zeitgemäßes Gedankengut zu reflektieren. 
  2. Verstehen Sie: „wo sich Ihr Unternehmen befindet“. Passen die Dinge (noch) zueinander oder was müssen Sie ändern, damit zu sich zukunftsgerichtet Entwickeln können? 
  3. Erweitern Sie konsequent, branchen- und themenübergreifend Ihr Netzwerk.  
  4. Seien und bleiben Sie neugierig!
  5. Lernen Sie immer und überall das Neue zu Endecken und daraus zu lernen.
  6. Lernen Sie Fehler besser auszuhalten; Ihre eigenen und die anderer!
  7. Finden Sie Ihre Rolle als Experte oder Generalist.
  8. Unterstützen Sie die NiKöNiWos. 
  9. Versuchen Sie Impulse und manchmal auch den Rat von Menschen anzunehmen, die Ihnen verrückt und merkwürdig erscheinen.

All dies sind meine ganz persönlichen, aktuellen Einschätzungen zur Arbeitswelt der Zukunft. Vielleicht liege ich falsch, vielleicht habe ich in Teilen Recht. Hoffentlich habe ich Sie zum Nachdenken über Ihre Zukunft und die Ihrer Organisation angeregt. 

Teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Kollegen und Freunden und diskutieren Sie die für Sie wichtigen Thesen miteinander. Ich bin gespannt auf Ihre Erkenntnisse und Meinungen. Ich freue mich, wenn Sie Ihre Perspektive in weiteren Thesen formulieren.

Arbeiten Sie gemeinsam mit anderen an diesen großen Herausforderungen unserer Zeit und bedenken Sie: Veränderung braucht Zeit und am Ende kommt alles (etwas) anders, als man es am Anfang absehen konnte und geplant hat.Arbeiten Sie gemeinsam mit anderen an diesen großen Herausforderungen unserer Zeit und bedenken Sie: Veränderung braucht Zeit und am Ende kommt alles (etwas) anders, als man es am Anfang absehen konnte und geplant hat.

Eine ausführlichere Fassung dieses Beitrags finden Sie in meinem Blog auf ZUKUNFTheute.net

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