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30/01/2018 13:31 CET | Aktualisiert 05/11/2018 11:38 CET

10 Apps, die die Welt besser machen und unseren Alltag erleichtern

Leben retten, lernen, sparen.

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Für rund 80 Prozent der Deutschen ist das Smartphone ein ständiger Begleiter. Tagtäglich verbringt der durchschnittliche Deutsche knapp zwei Stunden mit der Nutzung von Apps – vom Online-Banking bis zur Partnersuche.

Immer mehr Apps gelingt es dabei, nicht nur Spaß zu vermitteln und zu unterhalten, sondern gleichzeitig einen wirklichen gesellschaftlichen Mehrwert zu leisten.

Die Beispiele sind zahlreich: Apps, die die Behandlung von Demenz verbessern. Apps, die nachhaltige Landwirtschaft vereinfachen. Apps, die Kindern das Rechnen beibringen. Apps, die politische Mitbestimmung möglich machen.

Grund genug für eine Auswahl von zehn Apps, die unsere Welt und unser Leben wirklich besser machen.

Eine App, die Leben rettet

Bei einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall können Minuten über Leben und Tod entscheiden. Bislang war es eine Frage von Glück, ob vor Eintreffen des Rettungswagens zufällig ein Arzt in der Nähe des Patienten war und in den quälend langen Minuten des Wartens lebensrettende Maßnahmen einleiten konnte. Die Mobile-Retter-App hat es sich zum Ziel gesetzt, die unmittelbare Erstversorgung von Notfällen nicht mehr von Zufällen abhängig zu machen.

Die App alarmiert den Rettungsdienst und sendet gleichzeitig eine Push-Nachricht an registrierte Ersthelfer, die sich im Moment des Notrufs in unmittelbarer Nähe des Patienten befinden. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass lebensrettende Maßnahmen eingeleitet werden können, bevor der Rettungsdienst zur Stelle ist. In Städten wie Osnabrück wird die App bereits getestet.

Die Mobile-Retter-App ist für iOS und Android verfügbar.

Dr. Smartphone

Besonders in ländlichen Regionen ist der wachsende Ärztemangel ein immer größer werdendes Problem. Apps wie babylon helfen dabei, den Arztbesuch zu digitalisieren. Über die App können Nutzer von überall sicher in direktem Kontakt mit fachkundigen Ärzten treten. Nach einer ersten Anamnese via Chat wird ein Telefontermin mit einem Arzt vereinbart. In Großbritannien können die Ärzte sogar bereits Rezepte über die babylon-App ausstellen, die den Nutzern per Kurier zugestellt werden. Zudem bietet babylon umfangreiche Fitnessfunktionen wie etwa einen Schrittzähler oder einen Kalorienzähler, die den Nutzern dabei helfen, ihre körperliche Verfassung zu überwachen.

babylon ist für iOS und Android verfügbar.

Ein Uber für Muttermilch

Jedes Jahr kommen mehr als 60.000 Kinder in Deutschland zu früh auf die Welt. Um die Überlebenschancen dieser Babys zu erhöhen, ist der Zugang zu Muttermilch ein wichtiger Faktor. Das Problem: viele Mütter können zu diesem Zeitpunkt noch nicht stillen. In solchen Fällen empfiehlt die WHO, wenn möglich, Muttermilch von anderen Frauen zu nutzen. Um dies zu ermöglichen, gibt es sogenannte “Muttermilch-Tafeln”.

Dort werden Proben gesammelt und ratifiziert, damit nur gesundheitlich unbedenkliche Muttermilch weitergeleitet wird. Um Spenderinnen schneller und unbürokratischer zu identifizieren und Muttermilch an Krankenhäuser zu liefern, entwickeln Muttermilch-Tafeln wie die Hearts Milkbank momentan eine App. Nach dem Prinzip der Sharing-Economy basiert sie auf einer digitalen Plattform, über die Muttermilch zur Verfügung gestellt und verteilt werden kann.

Aktuelle Informationen über die Hearts Milkbank gibt es hier.

Spielend Rechnen und Schreiben lernen

Auch in der Schule muss das Smartphone nicht alleine zum Zeitvertreib auf dem Pausenhof dienen – immer häufiger wird es auch als Lernmedium eingesetzt. Mit Apps wie Sumdog lernen bereits heute Millionen von Schülern weltweit anhand von Multiplayer-Spielen Rechnen, Schreiben und Lesen. Die App wurde mit Hilfe von Lehrern und Bildungsexperten entwickelt. Sie orientiert sich an altersspezifischen Lernanforderungen und passt sich individualisiert an Stärken und Schwächen jedes einzelnen Schülers an.

Gleichzeitig liefert Sumdog regelmäßige Updates an Lehrerinnen und Lehrer, um sie so über die Lernfortschritte ihrer Schützlinge auf dem Laufenden zu halten. Die App motiviert die Schüler unter anderem durch ein Belohnungssystem – richtige Antworten werden mit virtuellen Coins belohnt, mit denen die Schüler anschließend in der Sumdog-App neue Features freischalten können.

Sumdog ist in zwei Versionen für iOS und Android verfügbar.

Mit künstlicher Intelligenz gegen Schädlingsbefall

Dass weder Ochs noch Esel die Digitalisierung aufhalten, zeigen vielfältige digitale Innovationen in der Landwirtschaft. Ein spannendes Beispiel ist die App Plantix. Über die Smartphone-Kamera kann die App mehr als 240 verschiedene Krankheiten und Schäden an Pflanzen erkennen – für Landwirte, denen jährlich bis zu 30 Prozent der Ernte durch Krankheiten und Schädlinge verloren gehen, ein erheblicher Vorteil.

Die Software, die die Schädlinge und Krankheiten erkennt, nutzt künstliche Intelligenz, um neue Erkenntnisse zu integrieren, und wird so mit jedem Nutzer besser. Die App stammt von dem deutschen Startup PEAT, das außerdem auch Lösungen zur Kontrolle von Feldern, Anbauflächen und Gewächshäusern entwickelt. Die Firma hat für ihre Algorithmen den Gründungswettbewerb StartUp-Impuls gewonnen und wurde für Plantix mit dem Innovationspreis der CeBIT ausgezeichnet.

Plantix ist für Android verfügbar.

Sparen per App

Sparen ist nicht einfach. Wohl jeder kennt das Gefühl, gute Vorsätze letztlich doch nicht eingehalten zu haben, weil am Monatsende nicht so viel Geld übrig war wie erhofft. Während die private Vorsorge fürs Alter in Zukunft immer wichtiger werden wird, legen laut einer Studie insbesondere Großstädter nur wenig Geld zurück.

Apps wie Savedroid wollen ihren Nutzern beim Sparen helfen. Dazu legt der Nutzer Regeln fest, nach denen die App automatisch kleine Überweisungen auf ein spezielles Sparkonto ausführt. So kann zum Beispiel ein Ereignis wie der Gehaltseingang oder das Betreten eines bestimmten Ortes die App automatisch dazu veranlassen Geld beiseite zu legen. Für den Nutzer bedeutet dies, dass er auf spielerische und unkomplizierte Weise sparen kann.

Savedroid ist für iOS und Android verfügbar.

Kampf gegen Antibiotika-Resistenz

Antibiotika-Resistenzen sind eine der größten medizinischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und waren nicht umsonst in diesem Jahr eines der Hauptthemen des G20-Gipfels in Hamburg. Bereits heute sterben weltweit jede Minute 250 Menschen an Infektionen, da Antibiotika nicht mehr wirken. Der Grund dafür ist, dass Antibiotika viel zu häufig unnötig eingesetzt werden und so im Ernstfall immer öfter wirkungslos bleiben. Um die zunehmende Antibiotika-Resistenz zu bekämpfen, bedarf es nicht zuletzt öffentlicher Aufmerksamkeit für das Problem. Superbugs ist ein Handyspiel für 11- bis 16-Jährige, das spielerisch ein Bewusstsein für die Gefahren zunehmender Antibiotika-Resistenz vermittelt und gleichzeitig darüber informiert, was dagegen getan werden kann.

Superbugs ist für iOS und Android verfügbar.

Digitales Notfalltraining für Mediziner

Für angehende Mediziner ist die Arbeit in der Notaufnahme voller Herausforderungen: Sie arbeiten unter hohem Druck, müssen schnell die richtigen Entscheidungen treffen und jeder Handgriff muss sitzen. Im Hörsaal ist dieser Druck nur schwer zu vermitteln, in der Praxis hingegen stehen fast immer unmittelbar Menschenleben auf dem Spiel.

Die App Emerge überwindet diese Zwickmühle mit digitalen Mitteln: In einer komplexen Simulation können angehende Mediziner Notfall-Szenarien unter Zeitdruck und mit zahlreichen realistischen Parametern üben - ohne das Risiko, dabei verhängnisvolle Fehler zu begehen. Auf diese Weise baut die App Angst ab und hilft dabei, die richtigen Verhaltensweisen zu habitualisieren und so Fehler in der Praxis zu reduzieren. Entwickelt wird das Programm von der PatientZero Games GmbH in Hamburg in Kooperation mit der Uniklinik Hamburg-Eppendorf und der Universitätsmedizin Göttingen.

Eine Demoversion von Emerge für Windows gibt es hier.

Eine App gegen das Vergessen

In einer alternden Gesellschaft betreffen altersbedingte Krankheiten wie Demenz künftig immer mehr Menschen und Familien. Apps wie MindMate sollen dazu dienen, solchen Krankheiten vorzubeugen und sie zu behandeln. Mehr als 350.000 Menschen nutzen die MindMate-App bereits. Basierend auf den aktuellsten Ergebnissen zur Erforschung von Demenz und geistiger Gesundheit bietet MindMate seinen Nutzern interaktive Spiele an, die die kognitiven Fähigkeiten stimulieren.

Gleichzeitig liefert die App eine Fülle an Ernährungstipps und Sportübungen, die die Nutzer dazu anhalten, körperlich und geistig in Form zu bleiben. An Alzheimer oder Demenz erkrankte Patienten erhalten so die Möglichkeit, allerlei Informationen über persönliche Vorlieben und Erlebnisse zu speichern, um so gegen das Vergessen anzukämpfen.

Mindmate ist für iOS verfügbar. Versionen für PC- und Android sind in Entwicklung.

Politische Beteiligung per Mausklick

Für viele Menschen erscheint Politik und politische Mitgestaltung abstrakt und weit entfernt. Wie man Menschen mit digitalen Angeboten zu aktiver politischer Teilhabe bewegen kann, zeigt ein Beispiel aus Paris: Madam la Maire j’ai une idée (zu Deutsch: Frau Bürgermeisterin, ich habe eine Idee) ist eine Initiative für ein partizipatives Budget. Zwischen 2014 und 2020 stehen 500 Millionen Euro für die Umsetzung von Vorschlägen, die auf der eigens eingerichteten Online-Plattform eingereicht werden, bereit.

Der Prozess ist sehr transparent: Vorschläge werden öffentlich diskutiert. Um breite Beteiligung zu erzielen, gibt es bestimmte Quoten für arme und reiche Stadtteile sowie Offline-Treffen, bei denen sich Bürger, die mit einer reinen Internetlösung nicht warm werden, einbringen können. Mit über 100.000 Teilnehmern und tausenden von Ideen ist das Projekt ein großer Erfolg. Über 400 Projekte wurden bereits finanziert: Von mehr Recyclingstationen über Schulgärten bis hin zu kollaborativen Arbeitsplätzen für Studierende und Gründer.

Das Projet läuft weiterhin unter https://idee.paris.fr/ (französisch).