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16/11/2015 14:05 CET | Aktualisiert 16/11/2016 06:12 CET

Der IS gehört nicht zum Islam

enno lenze

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„Red Bull verleiht Flügel" heißt der Werbeslogan, aber niemand erwartet, dass man davon fliegen kann. Beim „Islamischen Staat" (kurz IS, früher ISIS) denken aber zu viele Menschen, es habe mit dem Islam zu tun. Der IS hat ca. 50.000 Kämpfer, inklusive der Zwangsrekrutierten. Es gibt ca. 1,6 Milliarden Moslems auf der Welt. Der IS macht also gerade einmal 0,0031% der Moslems aus. Wieso stellt man also die anderen 99,997% unter Generalverdacht? So richtig klar ist mir das nie gewesen.

Der Ku-Klux-Klan z.B. hat sich immer auf die Bibel berufen. Dennoch wurde dies nie allen Christen angelastet. Der norwegische fundamentalistische Christ Anders Behring Breivik tötete 2011 achtundsechzig Menschen in Norwegen. Auch hier gab es keinen Generalverdacht der Christen.

Christen und Moslems werden anders behandelt

Als die RAF in Deutschland deutsche Christen ermordete, gab es Gedenkgottesdienste, öffentliche Solidarisierung mit den Opfern und vieles mehr. Als der NSU Moslems ermordete, wurden die Gardinen im Kinderzimmer der Opfer nach Drogenspuren untersucht. Warum?

In der öffentlichen Wahrnehmung werden Christen und Moslems also deutlich anders behandelt. Dazu kommt, dass christliche Einzeltäter als solche gesehen werden, islamische aber immer als Repräsentanten ihrer Religion. Aber wie korantreu sind die IS-Terroristen eigentlich? Es gibt immer wieder viele Auslegungen des Koran als gewalttätig von Menschen, die den Islam kaum kennen.

Dies könnte man genauso bei der Bibel machen. In der Bibel wird z.B. die Steinigung bei Ehebruch empfohlen. Das würde kein normaler Christ heute noch praktizieren. Im Islam ist es genau so: Es gibt viele veraltete und überholte Passagen. Aus der Distanz betrachtet sind Christentum und Islam gar nicht so weit voneinander weg. Eine monotheistische Religion, die ihrer Community soziale Werte mit gibt, aber auch den Kampf erlaubt, um sich zu verteidigen.

Es geht um Macht und Erdöl im Irak und in Syrien

Der IS besteht aber nur am unteren Ende aus Jihadisten, die sich als Moslems sehen. Sie verbreiten einen islamisierten Terror, aber dies ist kein Terror des Islam. In der Führung sind unter anderem Ex-Saddam-Generäle, welche nur auf Macht und Geld aus sind und welche erkannt haben, dass ungebildete sozial schwache junge Männer sich leicht instrumentalisieren lassen. Mit dem Islam hat all dies nicht viel zu tun, eher mit der Erbeuten von Ölfeldern und Raffinerien im Irak und Syrien.

Dieser Beutezug in den IS-Gegenden wird immer wieder von anderen Ländern gestört. So von den alliierten Luftstreitkräften sowie den Spezialeinheiten am Boden. Die Länder, die dort mitmachen, sind besonders gefährdet. Jedoch kommen die Attentäter meist nicht über die Flüchtlingsrouten - dies wäre viel zu kompliziert. Man nutzt stattdessen (selbst) radikalisierte junge Männer aus dem jeweiligen Land, welche sich Fakten und Bildung verwehren und in ihrer eigenen Welt bewegen.

Was genau haben z.B. die Anschläge in Paris mit dem Islam zu tun? Der Konstrukteur des benutzten Sturmgewehres war Kommunist, die schusssicheren Westen kamen aus den USA oder England. Einzig das Logo der selbsternannten Gotteskrieger hat mit dem Islam zu tun. Hätten sie stattdessen ein christliches Kreuz auf der Kleidung, so würde sich an der Tat und den Motiven nichts ändern.

Mit der gleichen Logik wären Fußballclubs für die Straftaten ihrer Fans verantwortlich, wenn diese während der Tat ein Fußballtrikot trugen.

Insofern wird die Machtbesessenheit und die leichte Verführbarkeit einiger Weniger zum Problem für alle friedlichen Moslems auf der Welt.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf ennolenze.de

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