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12/08/2014 13:22 CEST | Aktualisiert 12/10/2014 07:12 CEST

10 Dinge, die wir unseren Söhnen über Sex erzählen werden

Em & Lo

Wissen Sie noch, wie wir erzählten, dass wir beide zufällig zur selben Zeit schwanger waren und nun beide eine sechsjährige Tochter haben? Und wie es der Zufall will, haben wir auch beide einen dreijährigen Sohn.

Und nachdem wir schon „10 Dinge, die wir unseren Töchter über Sex erklären werden" geschrieben haben, ist es jetzt nur fair, dass gleiche für unsere Jungs zu tun.

Zwar interessieren sich die im Moment am meisten für Lightning McQueen, aber ihre Zeit wird auch bald kommen. Und sie werden die gleichen Fragen stellen. Was, wenn unsere Söhne eines unserer Bücher finden? Oder wenn sie bei ihren Freunden zum Spielen sind und die Eltern ihrer Freunde unsere Söhne auf eines der Bücher ansprechen? (Und was, wenn es ausgerechnet das erste Buch mit dem detaillierten Kapitel übers Fisten ist, das wir uns gekauft haben, als wir uns noch beweisen mussten, wie mutig und unerschrocken wir sind?!)

Wir haben schon einige Zeit darüber nachgedacht, wie wir unsere Söhne groß ziehen und was wir ihnen über Sex erzählen werden. Hier sind die 10 Dinge, bei denen wir sicher sein wollen, dass unsere Söhne sie wissen und verstehen:

1. Lass dich auf keine sexuellen Macho-Stereotypen ein

Zuerst mal: Die Jungfräulichkeit zu verlieren macht dich nicht mehr zu einem Mann, deswegen lass dir Zeit. Wenn du das erste Mal in irgendeiner Form eine sexuelle Beziehung eingehst, dann nur, weil du und der oder die andere es so wollen - und nicht weil irgendjemand es endlich hinter sich bringen will. Nicht weil alle anderen es tun. Nicht weil du versuchst, deinen Freunden etwas zu beweisen.

Denk dran: Wer von den Typen am lautesten über Sex redet, hat entweder am wenigsten Erfahrung damit oder ist am schlechtesten darin.

Und genau die gleichen Typen versuchen dir vielleicht weiszumachen, dass Frauen Schlampen sind, wenn sie gerne Sex haben und schon mehr sexuelle Erfahrungen haben als du. Denn damit haben sie nicht recht! Fürs Protokoll: Jungs verlieben sich und wollen Beziehungen genauso wie Mädchen das möchten. Deswegen beteilige Dich gar nicht an dem sogenannten „Kampf der Geschlechter": Frauen sind von der Venus und Männer vom Mars - wir sind alle vom gleichen Planeten und sollten uns gegenseitig (auch beim Sex) rücksichtsvoll, bedacht und respektvoll behandeln.

Und wenn du mitbekommst, dass Frauen Sprüche wegen ihrer Figur zu hören bekommen, oder Slut-Shaming, oder wenn sie auf irgendeine Art und Weise unter Druck gesetzt werden, Sex zu haben, dann ist es deine Pflicht als anständiger Mensch, dazwischen zu gehen und die Sache zu klären (und zwar nicht mit Muskeln, sondern mit dem Kopf). Echte Männer tragen pink mit Stil, weinen, wenn sie traurig sind und haben keine Angst davor, Sexspielzeuge im Bett zu benutzen.

Und wenn wir den Satz „Das ist so schwul" von dir hören und du beschreibst gerade nicht die Pop-Kultur der 50er und aus der Zeit davor, dann werden wir ein ernstes Wörtchen miteinander reden müssen.

2. Echter Sex hat nichts mit den meisten Pornos zu tun.

Pornos gucken ist keine Pflicht. Pornos sind Fantasie und meistens ist diese sehr beschränkt auf das, von dem die Macher glauben, dass die Konsumenten es sehen möchten. In anderen Worten: Was manche Männer in Pornos anmacht (jackhammering, facials, gang bangs) fühlt sich für euren Partner oder eure Partnerin im echten Leben nicht automatisch gut an - weder emotional noch körperlich. Die meisten Frauen sind eben nicht wie Pornostars - und genau das gleiche gilt auch für die Männer, vor allem für ihre Ausstattung.

Versuch nicht, deinen Partner oder dich selbst mit dem zu vergleichen, was du in den Filmen siehst. Frauen (und Männer), die in Pornos mitspielen, haben Implantate und Schönheits-OPs hinter sich , besprühen sich mit Bräunungsspray und Ganzkörper-Make-up, bekommen ein Anal-Bleaching und lassen sich Haare weglasern. Im echten Leben sind Schamlippen unterschiedlich geformt und unterschiedlich groß (manchmal hat die gleiche Frau verschiedene Formen und Größen) und auch mit verschiedenen Färbungen und Haaren.

Und auch Männer in Pornofilmen repräsentieren nur einen kleinen Teil der Bevölkerung: Was die Größe angeht sind diese Männer die Ausnahme - was erklärt, warum sie diesen Job ausführen. Und die Orgasmen? Meisten vorgespielt - manchmal sogar bei den Typen.

Grundsätzlich sind Pornos nicht dazu geeignet, um etwas über großartigen, befriedigenden Sex zu lernen und wie dieser aussehen sollte. Und Pornos sind noch schlechter dazu geeignet herauszufinden, was Frauen im Bett mögen. Viel besser kann man das in einem unserer Bücher lernen - oh mein Gott, wir hätten nie gedacht, das wir das einmal sagen werden. Na gut, wer das nicht will, für den finden wir auch andere Möglichkeiten.

3. Oralsex sollte von beiden kommen

Hier ein paar Oralsex-Regeln, wenn ihr gerade die Empfänger seid: niemals jemandem den Kopf runterdrücken. Die Ohren sind keine Lenkräder. Und „Deep Throat" war der Name des Watergate-Informanten - mehr nicht. Die grundsätzlichen Regeln für gutes Benehmen gelten auch beim Oralsex: Sei respektvoll, sprich mit dem anderen und miss nicht mit verschiedenen Maßstäben.

4. Wenn du dich vor dem Sex betrinken musst, bist du nicht bereit für Sex.

Das gleiche gilt für deinen Partner: Wer sich vor dem Sex Mut antrinken muss, ist noch nicht bereit für Sex. Genau genommen: Wenn du merkst, dass dein Partner betrunken ist - Hose hoch und Abflug. Wenn einer von beiden betrunken ist, habt ihr womöglich keinen geschützten Sex. Vielleicht wird einer von euch zu Sachen überredet, die ihm oder ihr unangenehm sind Vielleicht schläfst du mit jemandem, den du gar nicht magst. Hab einen klaren Verstand, wenn es um Sex geht und triff durchdachte Entscheidungen.

5. Wenn du mit jemanden nicht über das Thema Verhütung reden kannst, bist du noch nicht bereit für Sex mit dieser Person.

Redet mit eurem Partner über seine sexuellen Erfahrungen - und über deine eigenen. Frag, ob er immer verhütet hat - und wenn nicht, dann fang gar nichts mit der Person an. Und uns ist egal, ob sich Sex mit Kondom ein bisschen weniger genial anfühlt als ohne - es ist der einzige Sex, den du haben wirst.

Aber denk auch daran, dass dich Kondome nicht vor allen sexuell übertragbaren Krankheiten schützen - manchmal sind umliegende Hautstellen betroffen, außerdem kann ein Kondom reißen. Das ist trotzdem keine Entschuldigung dafür auf Rundumverhütung zu verzichten - es ist wie mit Anschnallgurten: Sie verhindern nicht alle Unfälle, machen das Fahren aber verdammt viel sicherer (also stelle sicher, dass ihr beide euch anschnallt).

Es ist super, wenn Sexualpartnerinnen Verhütungsmittel wie die Pille nehmen (aber wenn sie das tun, heißt es nicht im Umkehrschluss, dass ihr auf Kondome verzichten könnt). Haben wir das klar ausgedrückt?!?!!

6. Es ist keine Schwäche, nach Anweisungen im Bett zu fragen

Und es ist nicht „Boss-mäßig" wenn eine Frau (oder ein Mann) im Bett Anweisungen gibt. Nach den ersten paar mal Sex denkst du vielleicht du weißt, wie man den Partner befriedigt - aber das stimmt nicht (selbst nach Jahren sexueller Erfahrung). Jeder Partner ist verschieden und selbst der gleiche Partner kann verschieden auf Sachen reagieren. Das stimmt vor allem für Frauen, die nicht leicht einen Orgasmus bekommen. Egal, mit wem du dich letztendlich einlässt - Mann oder Frau -, du solltest immer offen und empfänglich sein.

7. Vielleicht bist du schwul. Vielleicht bisexuell. Vielleicht weißt du es noch gar nicht.

Und das alles ist gut so! Sei Du selbst und kümmere Dich um Vorureile.

8. Niemand "schuldet" dir jemals Sex

Und dabei ist es egal, wie lange ihr schon zusammen seid oder wie oft ihr euch schon nackt gesehen habt oder wie sehr due List darauf hast. Es ist egal, ob ihr schon Sex davor hattet oder ob dein Partner mit 10 Menschen mehr geschlafen hat als du.

Es ist egal, ob du deinen Partner gerade mit einem Abendessen verwöhnt hast (oder mit Oralsex). Es ist dabei auch egal, ob ihr schon mitten im Akt seid und einer von euch es sich doch anders überlegt. Sex kann jederzeit unterbrochen werden. Und Sex muss gar nicht immer anfangen.

9. Alle Baseball-Metaphern solltet ihr im Sex-Kontext vermeiden.

Sex steht auf keiner To-Do-Liste. Vorspiel ist nicht irgendetwas, dass schnell durchgezogen wird, um zum Hauptpunkt zu kommen. Sex ist nicht linear, ein Schritt nach dem anderen.

Sex ist ein liebevolles Zusammenspiel von Hormonen und Berührungen und Lust und Freude und Nicht-Perfektion. Wir haben es schon gesagt und sagen es gerne noch eine Million mal: Sex ist nicht einfach Geschlechtsverkehr und Geschlechtsverkehr ist nicht gleich Sex. Oralsex ist Sex. Selbstbefriedigung auch. Und genauso ist es der Einsatz eines Sexspielzeugs. Und Frottage auch.

10. Sex ist wundervoll!

Wenn Du den richtigen Partner zur richtigen Zeit gefunden kann, dann kann Sex großartig sein. Es kann sich so gut anfühlen. Es kann spaßig und aufregend sein, es kann dich mit deinem Partner enger zusammenbringen. Und es kann Stress reduzieren. Und es kann dich eine Person mehr lieben lassen als du je gedacht hättest (um es klar zu machen: Liebe ist keine Voraussetzung für Sex, aber gegenseitiger Respekt ist es).

Aber Sex ist meistens nicht von Anfang an großartig. Selbst wenn du dich Hals über Kopf verliebst und 100 Prozent geben willst: Sex ist eine Lernsache. Deswegen gilt: Je besser du jemanden kennst, bevor du mit der Person schläfst, desto wahrscheinlicher weißt du, was ihr gegenseitig wollt. Guter Sex braucht Übung. Es braucht Wissen, über den Körper deines Partners und deines eigenen. Sex braucht Experimente und Spiel. Und es braucht einen Sinn für Humor, damit ihr beide lachen könnt, wenn einer pupst oder quietscht oder jemand einen Ellenbogen ins Gesicht bekommt.

Denk dran: Es gibt nicht so etwas wie „normal" im Bett - es gibt nur das, was du magst, was dein Partner mag und was euch beiden gefällt.

Habt Spaß, verhütet und vergesst nicht: Ihr könnt immer eure Mutter alles fragen. Wir sind nicht zu schocken.