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08/04/2016 13:19 CEST | Aktualisiert 09/04/2017 07:12 CEST

Von Schaffenskrisen und Kunst-Pausen

Blend Images/Aliyev Alexei Sergeevich via Getty Images

Bei mir ist es die Schreibblockade. Andere sitzen an einem Entwurf und es will ihnen partout nichts einfallen. Die nächsten haben einen lukrativen Auftrag, aber leider fehlt ihnen jegliche Inspiration.

Ich habe sehr lange gebraucht um zu erkennen, dass ein Megakiller für meine Kreativität Zeitdruck ist. Und zwar ganz egal, ob ich ihn mir selbst mache oder Andere. Ich brauche Muße und ein gewisses Gottvertrauen, dass ich geführt werde. Es gibt ja Menschen die unter Druck am effektivsten und besten arbeiten. Das geht bei mir gar nicht. Ich bin dann sofort gestresst und überhaupt nicht inspiriert.

In Hülle und Fülle - wenn ich loslasse

Und hier kommt noch ein Beispiel. Meine schöpferische Stärke sind Ideen. Sie fallen mir einfach so zu. Und das ist genau der Punkt. Wenn ich Ideen entwickeln soll, genau JETZT, dann geht gar nichts. Vor kurzem gab es die Anfrage eines Politikers nach einem Slogan für sein Wahlplakat.

In der Besprechung hatte ich nur so vage und trashige Fetzen im Kopf. Aber auf der Heimfahrt, nachdem ich noch ein paar andere ganz alltägliche Sachen gemacht hatte und eigentlich mit anderen Dingen beschäftigt war sprudelten die Ideen nur so aus mir heraus. Und so ist es immer. Viele verstehen das nicht, aber es ist meine Art, inspiriert zu werden und kreativ zu sein. Anders kann ich nicht. Früher war es mir unangenehm, nicht auf Knopfdruck etwas abrufen zu können. Aber das hatte zur Folge, dass ich mich unter Druck setzte. Naja, und dann - siehe oben...

Und was nun?

Ganz egal in welchem Bereich Sie tätig sind, wenn die Kreativitätsblockade zuschlägt sitzen Sie in der Falle. Vielleicht hält sie ja nur einen Tag an oder zwei. Glück gehabt. Aber manchmal dauert dieser Schöpfungsstau viel länger als einem lieb ist. Dafür gibt es dann verschiedene attraktive aber leider vollkommen untaugliche Strategien.

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Prokrastination ist eine davon. Ein tolles Wort. Heißt soviel wie: Aufschieberitis. Das kennen ganz Viele. Da meint man, erst noch dies oder jenes machen zu müssen, sich um dies oder das zu kümmern oder die Eltern, die Freundin, den Geschäftspartner unbedingt vorher noch anrufen zu müssen bevor man loslegt mit der Schöpfung. Und - schwuppdiwupp- schon ist der Tag wieder vorbei, an dem man doch eigentlich sooo viel schaffen wollte.

Geht es Ihnen auch so? Und ich denke dabei nicht an die Inspiration, die wunderbarerweise beim vermeintlichen Nichtstun so nebenher kommt.Ich meine die Methode des Ausweichens, des sich um die Aufgabe herum mogelns und das unbefriedigende Gefühl, dass uns dann befällt.

Dann gibt's da noch die Variante, etwas halbherzig zu tun, ohne Herzblut eine Aufgabe abzuarbeiten. Geht manchmal, zur Not. Aber so richtig gut geht es Ihnen dabei nicht. Wenn Ihnen beispielsweise die Rolle die Sie spielen sollen absolut nicht gefällt oder Sie keinen Zugang dazu finden sind Sie nicht mit ganzer Leidenschaft dabei.

Haben Sie einen Auftrag, teilen aber die Werte des Produktes nicht das Sie da bewerben sollen wird es Ihnen schwer fallen, wirklich aus Ihrem Vollen zu schöpfen.

Hier muss ich eine weitere, ziemlich heikle aber weit verbreitete Möglichkeit der Problembekämpfung ansprechen. Süchte jeglicher Art bieten einen vermeintlichen Ausweg. Viele greifen zu Alkohol oder anderen Drogen. Wieder Andere entwickeln eine Computer-, Kauf,-oder auch Sexsucht. Dann wird es für Sie wirklich gefährlich. Denn so einfach kommen Sie davon nicht weg.

Je länger je tiefer

Wer in einer richtig krassen Schaffenskrise steckt hat oft den Eindruck, immer tiefer zu fallen. Das nagt am Selbstwert. Viele berichten mir von sehr großen Selbstzweifeln. Und die Spirale führt abwärts. Kein schönes Gefühl. Vielleicht tröstet es Sie, dass ausnahmslos alle Künstler, Kreativen und Freiberufler die ich kenne davon schon mindestens einmal betroffen waren. Sie sind also nicht allein.

Aller Erfahrung nach hat diese Krise einen Sinn. Versuchen Sie nicht, sie klein zu reden und mogeln Sie sich nicht drum herum. Früher oder später holt Sie das Thema worum es geht sowieso ein. Seien Sie auf jeden Fall liebevoll mit sich.

Wenn gar nichts mehr geht kann ich Ihnen folgendes empfehlen:

  • Ob Sie nun schreiben, malen, etwas entwerfen oder anderweitig kreativ sind tun Sie eine Kleinigkeit für Ihr Werk. Schreiben Sie einen Satz, machen Sie eine kleine Skizze, lassen Sie sich von einem Designbuch inspirieren. Beschäftigen Sie sich nur 10 Minuten am Tag mit Ihrer Aufgabe. Wenn Sie das 14 Tage lang machen sind das schon 140 Minuten. Immerhin!
  • -Statt immer wieder darüber nachzugrübeln wie schlecht es Ihnen geht und wie wenig kreativ Sie sind tun Sie etwas, das Ihren Spieltrieb anregt. Seien Sie neugierig. Und zwar auf ganz Alltägliches. Konzentrieren Sie sich beispielsweise eine Woche lang auf sämtliche Lichtreflexionen die Ihnen begegnen. Sammeln Sie sie in irgendeiner Weise.
  • Gehen Sie im wörtlichen Sinne andere Wege. Laufen Sie ins Büro oder nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel. Nehmen Sie fremde Menschen im Auto mit oder finden Sie über eine Mitfahrzentrale jemanden der Sie fährt.
  • Welche Lieblingsbeschäftigung hatten Sie als Kind? Tun Sie genau das.
  • Lernen Sie etwas Neues, eine Sprache, tanzen oder Fallschirm springen. Was hört sich so an als würde es Ihnen Spaß machen?
  • Besuchen Sie einen Indoorspielplatz. Springen Sie Trampolin, klettern Sie oder rutschen Sie die ganz kleine und die ganz große Rutsche herunter, hinein ins Bällebad.
  • Nehmen Sie sich frei und begeben Sie sich mindestens für ein Wochenende an einen stillen Ort. Allein.Schalten Sie das Handy ab und auch sonst alle Geräte auf die wir meinen, nicht verzichten zu können. Reden Sie so wenig wie möglich, ja, ich rate Ihnen sogar zum schweigen. Das wird anfangs ungewohnt. Aber ich weiß, dass Sie nach spätestens 30 Minuten Spaziergang in der Natur Ihre innere Stimme hören werden. Nutzen Sie dieses kostbare Heilmittel.

Was hilft Ihnen über Ihren Kreativitätsstau? Ich freue mich auf Ihre Erfahrungen.

Ihre Elke Möckel

P.S. Die Grafik - ich finde sie lustig- stammt aus dem Buch „Was wir tun, wenn es an der Haustür klingelt" von Katja Berlin und Peter Grünlich, erschienen bei Heyne, ISBN-10: 3453602692 und kostet 9,99 €

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