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14/04/2014 06:00 CEST | Aktualisiert 27/07/2014 17:24 CEST

Rex darf ins Bett, Schweinchen Babe auf den Teller: Die dunkle Seite des Konsums

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Wenn das, was in den Tierfabriken passiert, mit unseren Hunden und Katzen passieren würde, würden sich viele Tierfreunde dieser Welt erheben. Das ist höchst widersprüchlich, aber nicht verwunderlich, zumal wir dem Tier, das wir in den Mund stecken, nie begegnen. Wir haben ihm niemals einen Namen gegeben und es war nie unser Freund. Es ist ein abstraktes Ding in einem Stall.

Hunde werden als Kinder verkleidet und schlafen wie auch viele Katzen mit ihren Pseudo-Eltern in einem Bett. Katzen haben vielfach sowieso Narrenfreiheit und streifen über Esstische und Sitzgarnituren und sie alle, Katz wie Hund, kriegen schon einmal ein Stück vom Schnitzel ab. Ein gutes Stück vom Schwein, das der Tierfreund gerne mit seinem Haustier teilt. Das Schnitzel am Teller sieht ja auch gar nicht mehr wie das Schwein aus, das es einmal war, und überhaupt:

Wann haben wir das letzte Mal ein echtes, lebendes Schwein gesehen? Vielleicht im Fernsehen. Doch wenn es um ein Schwein aus der Massentierhaltung geht, Tiere halbtot auf Kadaverhaufen entsorgt werden, Hühner und Puten in endlosen Schmerzen verenden, zappen viele Fleischesser lieber weg. Dies zur Freude der Konzerne, weil sich die Tiere, in Plastikfolie gehüllt, trotz allen Qualen bestens verkaufen lassen.

Wir lassen es uns nicht nehmen, im Laufe unseres Lebens durchschnittlich vier Kühe, 46 Schweine, 945 Hühner und als Draufgabe noch ein paar Enten und Gänse zu vertilgen. So an die tausend Tiere verspeist der Mensch in unseren Breiten in den 70 bis 80 Jahren, die er auf der Erde weilt. 95 Prozent dieser Tiere haben nur für diesen Zweck gelebt: als Massentier geboren, gemästet, irgendwie am Leben erhalten und getötet zu werden. Anschauen will man sich dieses Tierleben eher nicht.

In einer TV-Sendung bekochen einander diverse Zeitgenossen und wer die meisten Punkte für sein Dinner einheimst, hat gewonnen. Da wird alles, was vier Beine hat, in die Pfanne geworfen. Alle paar Wochen hört man während solcher telegenen Koch-und-Ess-Orgien höchst pikiert den Satz: „Ich kann keine Babytiere essen." Er kommt vorzugsweise aus dem Mund von Frauen, meist jungen Frauen. Sie meinen damit, sie könnten kein Kalb- oder Lammfleisch essen, weil Babys zu schmausen ihnen widerstrebe.

Sie haben aber nichts dagegen, die „Mütter" dieser „Babys" in sich hineinzustopfen. Auch nicht den Hummer, der bei lebendigem Leib in kochendes Wasser geworfen wurde. Tja, die „Babytiere" haben den kürzesten Leidensweg hinter sich, vielleicht könnten sich die zart besaiteten Kostverweigerinnen einmal um das elende Leben der „Mütter" der „Babytiere" kümmern. Das dauert nämlich länger. Bei einem Masthähnchen sind es vier bis sechs Wochen, beim Jungrind sind es acht bis zehn Monate (beim Kalb übrigens nur drei bis fünf Monate) und bei einem Schwein fünf bis sechs Monate.

Schweine sind mindestens so intelligent wie Hunde und sie liegen ebenso ungern in ihren Fäkalien wie diese. Man könnte mit einem Schwein spielen (ich wollte fast schon „Schweinchen" schreiben, um den Schweinen mehr Sympathiepunkte zu verschaffen), man könnte ihm vieles beibringen, es findet Gefallen an der gleichen Nahrung wie wir, es würde gerne herumtollen und seine hübschen Augen würden uns genauso unschuldig anblicken wie die unseres Hundes. Könnten Schweine bellen, würden wir sie vielleicht an der Leine spazieren führen, anstatt sie ins Rohr zu schieben.

Warum also essen wir Schweine und keine Hunde oder Katzen?

In erster Linie einmal, weil wir zu unseren Haustieren eine Beziehung aufgebaut haben. Wir spielen auch nicht mit dem Gedanken, Nachbars Struppi zu essen, nicht einmal wenn er seinen Haufen irrtümlich in unseren Vorgarten macht. Der Hund hat fast denselben Stellenwert wie der Nachbar, würde dessen Haus Feuer fangen, wäre die Feuerwehr genau so bemüht den Hund zu retten wie den Nachbarn.

Wir essen überhaupt nichts, von dem wir gelernt haben, dass es nicht der Nahrung dient, und dem wir uns darüber hinaus meist innerlich verbunden fühlen.(...) Dass nur die Endprodukte im Supermarktregal in unser Blickfeld gerückt werden, macht es möglich, dass die Tore zu den Tierfabriken verschlossen bleiben.

Die wahren Blutopern, in denen Schweine, Puten, Hühner, Rinder und Fische in der Massentierhaltung mitwirken, finden abseits der Warenbühne statt. Im wohligen Licht eines Supermarktes lässt sich so etwas bestens ausblenden. Alles ist auf ein wortloses und möglichst unbewusstes Einverständnis mit den Quälereien in der Massentierhaltung ausgerichtet. Die Entscheidung fällt mit dem Griff ins Regal.

Leiste ich mit der Vorliebe für bestimmte Nahrungsmittel womöglich Vorschub für alle Qualen und verschaffe ich mir mit der Verdrängung vielleicht unbewusst Vergebung für all das, was hinter geschlossenen Toren geschieht? Befinde ich mich nicht ethisch in einer ähnlichen Position wie jene, die auf der anderen Seite der geschlossenen Türen agieren? Kein erbaulicher Gedanke.

Aus „Warum Kühe lachen und Hühner nicht weinen"... „Die dunkle Seite des Konsums - wie uns Konzerne in die Tasche lügen" von Elisabeth Zacharia, Goldegg-Verlag, erhältlich bei Amazon und im Buchhandel.

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