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03/04/2016 04:58 CEST | Aktualisiert 04/04/2017 07:12 CEST

Unkalkulierbar: Warum die Kommunikation im Netz ein Risiko ist

Klaus Vedfelt via Getty Images

Eine meiner Lieblingsmeldungen der letzten Jahre ist die von den über Bord gegangenen Plastikenten. Kennen Sie nicht? Die Geschichte geht so: Im Januar 1992 verlor ein Frachter aus Hongkong auf seiner Reise im Ostpazifik einige Container mit insgesamt knapp 29.000 Spielzeugtieren.

Die Behälter öffneten sich, und die Plastikobjekte schwammen auf den Weltmeeren dorthin, wo die Strömung sie hintrieb, und verteilten sich in verschiedene Richtungen. Zwei Drittel der "Floatees" trieben nach Süden, einige Exemplare wurden in Australien, Indonesien und Südamerika gefunden. Etwa 10.000 der Figuren aber gelangten in nördlicher Richtung durch das Beringmeer in Richtung Alaska, wo einige im Eis festfroren und andere strandeten.

Im Jahr 2000, also acht Jahre nach dem Unglück, wurden einige der Plastikenten im Nordatlantik zwischen Maine und Massachusetts gesichtet. Mit Hilfe der gekenterten Enten konnten Wissenschaftler schließlich ein Computermodell der Meeresströmungen entwickeln, das nun sehr viel genauer als die alten Modelle ist.

An die über Bord gegangenen Entchen muss ich jedes Mal denken, wenn ich eine Nachricht im unermesslichen Ozean des World-Wide-Net absetze.

Die Reichweite der Nachricht ist nicht prognostizierbar


Sobald die Nachricht verschickt ist, ist sie dem Spiel des Zufalls überlassen. Es liegt nicht mehr in meinen Händen, wen sie erreicht. Ich kenne die Strömungen, die sie erfassen, nicht. Ihre Verbreitung ist für mich nicht prognostizierbar. Findet sie überhaupt Empfänger? Einen? Mehrere? Viele? Wie kommt es, dass z.B. manches (in meinen Augen) völlig banale Youtube-Video plötzlich einen regelrechten Hype auslöst, andere, in meinen Augen wesentlich interessantere Neuigkeiten, jedoch untergehen?

Ich weiß es nicht. Für mich ist das ebenso unkalkulierbar wie die Meeresströmungen. Trotzdem lasse ich mich immer wieder darauf ein, verschicke eine virtuelle Flaschenpost, in der Hoffnung, sie möge Empfänger erreichen. Ich finde das immer wieder ungeheuer spannend.

Klar entwickelt man in Lauf der Zeit auch etwas Gespür dafür, was „gehen", was erfolgreich sein könnte. Text mit Bild funktioniert besser als reiner Text, kurze Texte besser als lange, ganz besonders erfolgreich sind Fotos mit Tieren. Das ist inzwischen nicht nur bei mir angekommen.

Nachrichtenerfolg ist nicht kalkulierbar


Wirklich kalkulierbar ist der Erfolg einer Nachricht trotzdem nicht. Manche Botschaften trudeln, bildlich gesprochen, ewig dahin, bevor sie plötzlich eine Strömung erfasst, manche gehen sang- und klanglos unter. Das ist, als hätten sie nie existiert.

In einem meiner Blogs habe ich das Internet einmal als das El Dorado unserer Zeit bezeichnet. Angeblich sind dort alle gleich groß und haben die gleichen Chancen. Das klingt natürlich verlockend, und so ist es kein Wunder, dass die angeblich schier unbegrenzten Möglichkeiten auch Massen an Glücksrittern anlocken.

Mit anderen Worten: Meine Entchen haben auch zahlreiche Mitbewerber. Sie sind nicht die einzigen, die um die Aufmerksamkeit möglicher Empfänger buhlen. Aber nicht nur das. Ich bin ja nicht nur Sender, sondern gleichzeitig auch Empfänger von Nachrichten.

Und so stelle ich fest, dass die Posts von anderen, mir unbekannten schöner, bunter, interessanter sind - da kann es dann schon vorkommen, dass man nicht nur die eigenen Posts langweilig findet, sondern sich selbst gleich mit dazu und sich schließlich sogar als eine Art hässliches Entlein fühlt. Das Internet bedeutet eben nicht nur Möglichkeiten, es bedeutet auch eine harte Konkurrenz.

Ich kenne durchaus einige, die davor die Waffen strecken und sich auf diesen neuen, zusätzlichen Konkurrenzkampf nicht auch noch einlassen wollen. Ich kann sie verstehen.

Trotzdem mache ich weiter. Ich kann´s nicht lassen, dazu finde ich das World-Wide-Net zu spannend.

Das Netz verbindet Menschen


Plötzlich findet über räumliche Distanzen eine Kommunikation zwischen zwei Menschen statt, die bislang nichts voneinander wussten. Ein Thema, ein gemeinsames Interesse verbindet sie, aus einem Monolog kann so ein Dialog, besser noch eine Unterhaltung zwischen vielen werden.

Das Internet verbindet Gleichgesinnte - im Positiven wie im Negativen, das konnte man in den vergangenen Monaten bei den politischen Debatten im Netz hautnah miterleben.

Nicht nur das. Wie viele andere auch, nutze ich das Netz eben auch, um auf mich als Autorin und auf meine Bücher aufmerksam zu machen. Ich gebe zu, es ist mühsam. Die Konkurrenz ist, wie ich schon sagte, enorm.

Einer meiner Facebook-Bekannten, der seine Bücher bei einem kleinen Verlag publiziert, hat mich kürzlich gefragt, ob ich als Selfpublisherin denn überhaupt schon Bücher an mir Unbekannte verkauft hätte. Die Frage hat mich erstaunt; implizierte sie in meinen Augen doch, dass Selfpublisher ihre Elaborate (wenn überhaupt) allenfalls in ihrem Bekannten- und Freundeskreis verscherbeln können.

Ich konnte dem Fragesteller ruhigen Gewissens antworten, dass ich durchaus Bücher an Menschen verkaufe, die ich nicht persönlich kenne. Trotzdem hat mich die Frage noch tagelang beschäftigt. Es ist ja nicht so, dass meine Bücher stapelweise in allen Buchhandlungen ausliegen.

Ich habe keinen Verlag, der für mich Werbung macht. Ich toure auch nicht mit Lesungen landauf, landab. Ich habe auch keinen so großen Bekanntenkreis, dass dieser allein für eine nennenswerte Mund-zu-Mund-Propaganda ausreichen würde. Und ich habe sicher auch keinen öffentlichkeitswirksamen, einflussreichen Fürsprecher.

Wie also erfahren die mir unbekannten Leser von meinen Büchern? Ich weiß es nicht. Fakt ist aber: Ich erreiche Leser - und an den bloßen, blinden Zufall will ich dabei nicht glauben. Bleiben die sozialen Medien und eben jene eingangs erwähnten Strömungen, denen ich meine Botschaften immer wieder anvertraue, in der Hoffnung, sie mögen möglichst viele erreichen.

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