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04/09/2015 07:58 CEST | Aktualisiert 04/09/2016 07:12 CEST

Eine Autorin erklärt: So schreiben Sie Ihren eigenen Kriminalroman

ullstein bild via Getty Images

Nun ist es also soweit: Mein neues Buch erscheint. Es ist mein sechstes. Ich habe ich mich damit erneut auf bislang unbekanntes Terrain gewagt. Nach einem Mutmach-Buch für Frauen um die Lebensmitte nun also eine Art Krimi, fast ein Kriminalroman, wie es im Untertitel heißt.

Nach meinem historischen Krimi Francobaldi jetzt also ein Porträt der Gegenwart oder besser gesagt der allerjüngsten Vergangenheit. Ein Frauenbuch ist es insofern, weil die beiden Hauptfiguren Frauen sind, ein München-Buch, weil der größte Teil der Handlung dort spielt, in der Stadt, die ich liebe und in der ich zu meiner allergrößten Freude einen Zweitwohnsitz habe.

Who did it? spielt keine Rolle

Fast ein Kriminalroman deshalb, weil die Handlung nicht dem üblichen Muster eines Krimis entspricht. Das für das Krimigenre Typische who did it? spielt keine Rolle. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass die Geschichte für meine Leser von Anfang bis Ende spannend ist.

Ich werde immer wieder gefragt, wie ich auf meine Themen, auf den Stoff für meine Geschichten komme. Das ist sicher eine berechtigte Frage. Aber ehrlich gesagt, weiß ich darauf keine wirkliche Antwort. Bei diesem Buch noch weniger als sonst. Ich stand eines Abends am Fenster meiner Münchner Wohnung, schaute gedankenverloren hinaus - und zack! hatte ich plötzlich die Eingangsszene meines neuen Buchs im Kopf.

Vage Vorstellung

Wie die Handlung dann aber weitergehen sollte, davon hatte ich zu diesem Zeitpunkt eine allenfalls vage Vorstellung. Ich wusste nur, dass ich auf einen konkreten Kriminalfall zurückgreifen wollte (welcher das war, werde ich jetzt nicht verraten, der Leser meines Buchs erfährt es dann schon), der mich latent schon viele Jahre beschäftigt hatte.

Mit der Abfassung hat es dann allerdings etwas gedauert. Vielleicht war die Zeit für mich noch nicht wirklich reif, ich weiß es nicht. Jedenfalls habe ich andere Projekte vorgezogen. Im Nachhinein betrachtet war das eine sehr glückliche Entscheidung, weil ich auf diese Weise (zumindest am Rande) noch ein bedeutsames Geschehnis einarbeiten konnte, das mir am Herzen lag.

Fall Gustl Mollath

Ein wichtiger Satz des Romans lautet: Nie hätte ich gedacht, dass so etwas möglich ist. Ich hatte ihn bereits formuliert lange bevor im Sommer 2013 dann die Medien von einem Vorfall berichteten, auf den dieser Satz leider wie maßgeschneidert zutraf, ein Vorfall, von dem ich nicht gedacht hätte, dass er so heute noch in unserem Land möglich wäre: der Fall Gustl Mollath.

Der Abschluss eines langgehegten Projekts ist für mich immer eine ganz spezielle Situation. Auf der einen Seite steht das Gefühl, etwas erfolgreich zu Ende gebracht zu haben, eine Herausforderung bewältigt zu haben. Das macht mich natürlich glücklich und auch ein bisschen stolz.

Es bedeutet auch, wieder mehr Zeit für andere Aktivitäten, für Familie und Freunde zu haben oder für ganz „banale" Dinge wie Hausarbeit und Garten. Ehrlich gesagt arbeite ich nach der Beendigung eines Buchprojekts unglaublich gerne im Haushalt, wasche Wäsche, räume auf, aus, um ...

Abschied von Figuren

Auf der anderen Seite ist die Fertigstellung eines Buchs für mich auch immer so etwas wie ein Abschied. Ich nehme Abschied von Figuren, die mich begleitet haben, von einer fiktiven Welt, in die ich für lange Zeit eingetaucht war. Und natürlich bedeutet es auch, dass ich mich dem Urteil meiner Leser stellen muss. Wirkt die Geschichte authentisch? Ist sie spannend? Sind die Figuren überzeugend gezeichnet?

Bislang habe ich auf meine Arbeiten sehr positive Rückmeldungen erhalten. Wird es diesmal wieder so sein? Diese Frage können nur die Leser beantworten und so blicke ich der offiziellen Buchvorstellung mit Herzklopfen entgegen. Ich weiß, ich werde mir dann wieder einmal die Frage stellen, warum ich mir das antue, warum ich nicht einfach gemütlich und entspannt abends bei einem Glas Wein vor dem Fernseher sitze. Ich muss verrückt sein ...

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