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03/12/2013 12:50 CET | Aktualisiert 02/02/2014 06:12 CET

Kinder sind keine Maschinen

In der Logik klingt es so: Wenn A, dann B,: Wenn es regnet, ist die Straße nass. Im Büro heißt das: Wenn ich den Computer anmache, kommt Google. Und zu Hause könnte gelten: Wenn ich die Beine auf den Tisch lege, gibt's Ärger. Das sind berechenbare Größen: Wenn.... dann. Jetzt kommt ein Kind auf die Welt ...

In der Logik klingt es so: Wenn A, dann B,: Wenn es regnet, ist die Straße nass.

Im Büro heißt das: Wenn ich den Computer anmache, kommt Google.

Und zu Hause könnte gelten: Wenn ich die Beine auf den Tisch lege, gibt's Ärger.

Das sind berechenbare Größen: Wenn.... dann.

Jetzt kommt ein Kind auf die Welt und Eltern machen auch mit ihm Erfahrungen nach dem „Wenn....Dann- Prinzip": Wenn das Baby den Schnuller bekommt, ist es ruhig (manchmal), wenn wir es schaukeln, fühlt es sich wohl, wenn es allein gelassen wird, schreit es. Das lernen wir durch Versuch und Irrtum und es klappt sogar relativ häufig.

Dann wird erzogen und da drehen wir als Eltern den Spieß um und stellen selbst Wenn- Dann Gesetze auf „Wenn du deinen Teller nicht aufisst, gibt es keinen Nachtisch, wenn du die Hausaufgaben nicht gemacht hast, darfst du nicht spielen.

Klingt logisch - funktioniert auch - manchmal. Aber, je häufiger wir es anwenden, je älter die Kinder werden, desto weniger. Eltern müssen sich mehr ausdenken: „Wenn du eine Zwei schreibst, bekommst du ein handy", „Wenn du nicht versetzt wirst, darfst du nicht mit auf die Ferienfahrt". Belohnung, Bestrafung, aber auch Liebesentzug sind gern angewandte Erziehungsstrategien. Strafen, Regeln, Konsequenzen. werden ausprobiert, geübt, erhöht, verschärft und manchmal resigniert wieder verworfen.

Wenn "wenn dann" nicht funktioniert, das heißt, wenn wir ins Straucheln kommen mit unserer Erziehungsmethode, probieren wir es mit der Oder- Regel: Entweder du machst deine Hausaufgaben oder es gibt kein Eis.", "Entweder du schreist hier nicht so rum oder du gehst sofort in dein Zimmer". Das verkompliziert die Sache insofern, als Eltern manchmal - im Eifer des Gefechts - "Oder- Regeln" aussprechen, die ihr Kind sehr gerne nutzt: oder von denen sie später merken, dass sie gar nicht durchführbar sind. "Entweder zu ziehst dir sofort die Schuhe an oder du gehst heute nicht in die Schule"

Als Psychologie- Studentin musste ich im Fach "Allgemeine Psychologie" ein Ratten-Praktikum absolvieren. In diesem Praktikum sollten wir weiße Ratten "konditionieren", also erziehen. Die Ratten wurden belohnt, wenn sie auf eine Taste drückten und bestraft, wenn sie es nicht taten. So einfach war das, das Problem: Kinder sind keine Ratten. Obwohl es heute viele Psychologen gibt, die das glauben und auch probieren, es andere glauben zu machen, die Super- Nanny z.B., sie erzog jahrelang vor laufender Kamera mit dem Stillen Stuhl, mit Strafen und Konsequenzen. Ausgebildete Pädagogen in Heimen für Kinder und Jugendliche trieben es in Brandenburger Kinderheimen auf die Spitze: Laut Zeitungsberichten sollte dort durch Belohnen und Bestrafen, in menschenverachtender Weise unerwünschtes Verhalten gelöscht werden. Wen wundert's dass die zum Teil schwer traumatisierten Jugendlichen stattdessen weitere traumatische Erfahrungen machen mussten.

Nicht ganz so drastisch aber nach demselben Prinzip funktionieren die meisten "Programme", die hoch bezahlte Ärzte und Psychologen entwickeln um bettnässende-, unruhige-, schüchterne Kinder oder Schulverweigerer zu therapieren. An Universitätskliniken wird dafür viel Geld ausgegeben. Mit simplen Belohnungs- und Bestrafungs- schemata, Punkten und smileys probiert man in groß angelegten Studien Kinder „umzutrainieren". Selten bis gar nicht wird berücksichtigt, dass Kinder und Jugendliche in der Regel gute Gründe haben sich anders als angepasst zu verhalten. Aufzufallen. Sie reagieren in der Regel auf eine gestörte Umwelt und sind primär nicht selber "gestört". Kein Wunder, dass „Programme, wenn überhaupt nur kurzfristig Erfolg zeigen."

Unsere Chance als Erwachsene ist eine tragfähige, verlässliche Beziehung. Und damit komme ich zu „Wenn...dann", nicht in Form einer Bedingung, sondern im Sinne einer Entwicklung: Wenn wir unsere Kinder so annehmen wie sie sind, ihnen Orientierung bieten, indem wir unsere Meinung vertreten, sie anhören, mit ihnen streiten und ihnen zeigen wie man sich versöhnt, sie ernst nehmen, ihnen Vertrauen schenken, wenn wir nicht weggehen, wenn es schwierig wird, sondern unsere Haltung vertreten, ihnen nicht nachgeben, sie gleichzeitig nicht aufgeben, wenn unsere Liebe nicht in Frage steht, dann werden sie selbstbewusst und selbstsicher ins Leben gehen.

Webseite: http://elisabethraffauf.de/