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12/12/2015 13:32 CET | Aktualisiert 12/12/2016 06:12 CET

Liebes Deutschland, lass uns reden, dann kriegen wir das hin

CHRISTOF STACHE via Getty Images

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Die Flüchtlingskrise steht zur Zeit im Mittelpunkt aller Gespräche und Diskussionen in meiner Heimat. Nicht zu Unrecht wurde „Flüchtlinge" gerade auch zum Wort des Jahres 2015 gewählt. Die Stimmung der Menschen bewegt sich im Spannungsfeld zwischen „Wir schaffen das" und „Wir sind überfordert".

Auf der einen Seite hat die große Zahl von Flüchtlingen eine überwältigende Hilfsbereitschaft der Menschen entfacht. In ehrenamtlicher Arbeit werden Kleider- und Geldspenden gesammelt, Essen ausgegeben und Sprachunterricht erteilt. Erste medizinische Untersuchungen werden vorgenommen, Patenschaften erklärt. Es ist beeindruckend, wie viele Menschen mitmachen wollen, sich Urlaub nehmen oder nach Feierabend die Ärmel hochkrempeln.

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Werte wie Solidarität, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe haben in weiten Teilen der Bevölkerung Hochkonjunktur.

Diese Werte, die vermeintlich schon in Vergessenheit geraten waren, haben an Glanz gewonnen. Das ist Grund zur Freude und darf uns stolz und dankbar machen. Allerdings sollte man auch die hauptamtlichen Helfer, die Polizisten, Soldaten, Beamten und Angestellten in den Behörden in diesen Dank einschließen, denn ohne sie und ohne ihre Bereitschaft, viele Überstunden zu machen, würden wir mit den vielen Menschen, die in unser Land gekommen sind und immer noch kommen, nicht fertig.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Menschen in Deutschland, die bezweifeln, dass wir die große Zahl von Flüchtlingen in unser Land integrieren können. Sorge um die Zukunft, Kritik am Islam, Angst vor Terrorismus und sogar fremdenfeindliche Parolen erschweren deshalb manche Diskussionen in der Öffentlichkeit und in privaten Gesprächen. Obwohl niemandem bisher irgendwelche Nachteile entstanden sind, begegnet man den Fremden mit Vorurteilen. Dieser Teil der Bevölkerung übt auch offene Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Diese Kritik müssen die politisch Verantwortlichen ernst nehmen und im direkten Gespräch mit Argumenten entkräften. Das ist die Herausforderung, die sich für jeden Politiker in der Kommune, im Land oder im Bund ergibt. Wir müssen uns den Diskussionen stellen, unsere Entscheidungen erklären und für den Kurs der Bundesregierung werben. Denn alle getroffenen Maßnahmen wurden mit großer Mehrheit im Bundestag beschlossen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass in Deutschland im Augenblick sehr kontrovers diskutiert wird. Die große Mehrheit der Wähler, aber auch Institutionen wie Kirchen, Gewerkschaften und Hilfsorganisationen stützen den Kurs von Angela Merkel. Sie packen mit an und lassen sich nicht von momentanen Stimmungen verunsichern.

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Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen, denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

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