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13/08/2015 14:15 CEST | Aktualisiert 13/08/2016 07:12 CEST

5 merkwürdige Verhaltensweisen der Deutschen zur Freibadsaison - aus italienischer Perspektive

moodboard via Getty Images

Ich liebe es, mich nach Feierabend beim Schwimmen zu entspannen. Also habe ich beschlossen, diese gesunde Gewohnheit auch nach meinem Umzug von Italien nach München beizubehalten. Dies war umso wichtiger für mich, nachdem ich meine Ernährung von der ausgewogenen Mittelmeerküche (na ja, nahezu ausgewogen - wir Italiener brauchen MINDESTENS einmal pro Woche Spaghetti) auf einen Speiseplan mit Hamburgern-Wurst-Kartoffeln (Kartoffeln in ALLEN Formen) als Grundnahrungsmittel umgestellt habe.

Was sollte nach einer so vernünftigen Entscheidung schon schiefgehen...?

Hier sind fünf Dinge, die ich bei meinem ersten Besuch in einem deutschen Schwimmbad gelernt habe.

1. In der Umkleide

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Als ich zum ersten Mal die Umkleidekabine in einem deutschen Schwimmbad betrat, wurde ich so rot wie eine Tomate. Ich war mir sicher, aus Versehen im falschen Bereich gelandet zu sein! Ich war plötzlich von halbnackten Männern umgeben, die sich ganz ungeniert vor den Kabinen umzogen.

Aber während ich mich noch für dieses Fettnäpfchen schämte und mich nach der Damenumkleide umsah, wurde mir klar, dass die Umkleidekabinen für Männer und Frauen gedacht waren. Aber hey, alle Frauen zogen sich IN den Kabinen um, während die Männer offenbar ihr bestes Stück zur Schau stellen wollten. Ich riss mich zusammen und suchte mir ein einsames Eckchen - sozusagen mit imaginären Scheuklappen, obwohl ich mir für das nächste Mal ein echtes Paar gewünscht hätte, um so manchem unliebsamen Anblick zu entgehen.

2. Im Becken

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Ein Schwimmbecken ist nicht der Atlantik, obwohl es für so einige Bayern sicher so aussieht. Nachdem ich im Pool ständig von Schwimmern mit Lichtgeschwindigkeit überholt wurde, fing ich an, mich umzugucken, um dieses komische Verhalten zu verstehen, wo ständig jeder jeden überholen wollte. Zunächst fiel mir bloß auf, dass niemand eine Badekappe trug, was gegen sämtliche Hygienevorschriften in italienischen Schwimmbädern verstößt - aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Schließlich blickte ich nach unten und lüftete das Geheimnis: Fast alle trugen Schwimmflossen! Daran hätte ich nie gedacht, da in Italien auch die eifrigsten Schwimmer oft keine verwenden - nicht einmal am Meer. Der Geschwindigkeitsvorteil ist echt unfair.

3. Draußen

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Ein Dialog zwischen einem Deutschen (D) und einer Italienerin (I):

D: „Geh'n wir doch ins Freibad?"

I: „Super Idee. Im Januar. Sag mal, geht's dir noch gut?"

D: "Aber das ist doch die beste Zeit, um das warme Wasser im Außenbecken zu genießen, während es draußen schneit!"

Fast jedes Schwimmbad hat den unvermeidlichen Außenbereich. Die Deutschen lieben Außenbecken - auch und gerade im Winter. Fällt ihnen denn gar nicht auf, dass sie ihren Kopf der kalten Witterung aussetzen, während ihr Körper im mollig warmen Wasser versinkt? Kein bisschen. Und dann werden sie nicht mal krank. Wahrscheinlich ist das der Grund dafür, warum sie so abgehärtet sind und sich beim Italienurlaub als Einzige schon um acht Uhr morgens ins kühle Nass stürzen.

4. In der Sauna

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Die Deutschen sind auch große Sauna-Fans. In fast jedem Schwimmbad gibt es eine. Und wie immer sind sie zumeist nicht nach Männern und Frauen getrennt. So weit, so gut.

Aber wie würdest du reagieren, wenn du gleich nach Betreten der Sauna mal wieder von einer Gruppe splitterfasernackter Männer begrüßt wirst? Kein einziges Handtuch in Sicht. Eine seltene Ausnahme? Iwo. Das gilt einfach als die beste Methode, den Körper zu reinigen und sich gesund zu schwitzen. Mir wäre es aber lieber, man(n) würde das alleine tun...

5. Unter der Dusche

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Nach dem Schwimmen, dem Saunabesuch und dem Kulturschock hat sich die verwirrte Italienerin eine private Dusche redlich verdient. Vorsichtig betritt sie die DAMENdusche und muss endlich nicht länger angestrengt zu Boden starren, da sie nur noch von nackten Frauen umgeben ist. Sie beschließt, dass keine Gefahr droht und entledigt sich des Badeanzugs. Nach einer ausgiebigen Dusche geht sie in den Umkleideraum für DAMEN, um ihren Bademantel anzuziehen - und was sieht sie? Den HERRN von der Putzkolonne, der unbekümmert die Fliesen wischt...

Und nun frage ich mich: Ist das wirklich das Land der ach-so-zurückhaltenden und konservativen Leutchen, von dem man mir immer erzählt hat? Vielleicht zeigt sich Deutschland im Schwimmbad ja von einer ganz anderen Seite.

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