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11/12/2016 06:18 CET | Aktualisiert 12/12/2017 06:12 CET

Die junge Generation kann sich Desinteresse nicht leisten

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Die Rentendebatte wird aus aktuellem Anlass sehr emotional geführt. Das ist prinzipiell zu begrüßen, denn normalerweise handelt es sich um ein Thema, das eher geringen Widerhall findet. Ich bin 74 Jahre alt und damit der viertälteste Abgeordnete im Deutschen Bundestag.

Wenn ich im kommenden Jahr im Alter von 75 Jahren aus dem Parlament ausscheide, war ich zwölf Jahre länger aktiv als es derzeit gesetzlich vorgesehen ist. Angesichts der gestiegenen Lebenserwartung habe ich die Herabsetzung des Rentenalters auf 63 Jahre für eine falsche Maßnahme gehalten.

Ganz im Gegenteil, eine Anhebung auf 67 Jahre wäre aufgrund einer Reihe von Faktoren deutlich angebrachter gewesen. Zu diesen Faktoren gehören unter anderem die gestiegene Lebenserwartung, die steigende Zahl von Rentnern bei einer sinkenden Zahl von Beitragszahlern und die im Allgemeinen bessere körperliche und geistige Verfassung dieser Altersgruppe im Vergleich zu früheren Generationen.

Mehr zum Thema: Aus Hungerlöhnen können keine Luxusrenten entstehen

Immerhin trägt die von der Union angeregte und von der Koalition eingeführte Flexi- Rente den veränderten Bedingungen Rechnung und belohnt freiwillig länger arbeitende Ältere. In ihrer Ausgestaltung ist die Flexi-Rente jedoch noch ausbaufähig.

Gesamtgesellschaftlich betrachtet ist vor einer Verschärfung des Konflikts „Politik für die junge Generation" - Politik für die alte Generation" zu warnen.

Leider wird die öffentliche Diskussion negativ und polemisch geführt. Die Altersarmut beträgt derzeit 3%. Dies ist sowohl im internationalen Vergleich als auch die einzelnen Generationen betreffend ein geringer Wert. Es ist nicht erkennbar, daß wir mit Riesenschritten auf eine verarmte Rentnergeneration zulaufen.

Dennoch muß sich Deutschland für die Zukunft rüsten und aufgrund des demographischen Wandels auf veränderte Voraussetzungen einstellen. Die Flexi-Rente ist hier ein Schritt in die richtige Richtung, die Rente mit 63 ein Schritt in die falsche.

Mehr zum Thema: Wir Jungen dürfen uns nicht eintrichtern lassen, wie unsere Rente aussehen soll

Ich begrüße die rege Diskussion zu diesem Thema, reißt sie doch die junge Generation aus ihrem Desinteresse daran. Dieses Desinteresse kann sie sich nicht leisten, geht es doch um ihre Zukunft. Sie sollte regen Gebrauch machen von den Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge, für deren Ausweitung ich mich ausspreche.

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