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23/02/2016 08:09 CET | Aktualisiert 23/02/2017 06:12 CET

Lieblingstonträger: Daughter - Not to Disappear

Solltet ihr bis jetzt noch froh darüber gewesen sein, von der Winterdepression noch nicht umarmt worden zu sein, könnte euch das neue Daughter Album noch nachträglich runterziehen.

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Hach ja, was haben wir damals, 2013, bei If You Leave mit den Tränen gekämpft. Dabei war es noch nicht mal unbedingt ein depressives Album. Aber wer Daughter einmal live gesehen hat, wird diesen Moment kennen, in dem man bei Songs wie "Youth" oder "Candle" komplett vergisst, dass man sich mit 1000 weiteren Konzertbesuchern in einer Halle befindet. Man glaubt wirklich, diese zarte Stimme singt nur für einen selbst. Ein bisschen zu viel Schönheit auf einmal kann sich da schon in glasigen Augen auswirken.

Nach fast drei Jahren ist nun der Nachfolger erschienen. "Doing The Right Thing" ist bereits seit Ende September im Stream, womit die Londoner Band alle Versprechen von damals gehalten hat: Wir schnieften wieder. Wegen der Schönheit des Songs und der Emotionalität des Videos. Das Richtige tun... ist gar nicht so einfach, wenn in der Familie jemand an Demenz erkrankt

Die bereits veröffentlichten Kostproben "Numbers" und "Doing the Right Thing" sind authentische Vorboten - also Teaser, auf die ihr euch wirklich einlassen könnt. So in etwa dürft ihr die ganze Platte erwarten.

Beide Songs überzeugen allerdings nicht nur mit Daughter'scher Schönheit, sondern auch mit zwei kongenialen Videos. Während das zu "Doing the Right Thing" einem gefühlsmäßig an die Gurgel geht, tut es das zu "Numbers" fast wortwörtlich. Zumindest zeigt es eine Frau, die durch die Stadt wandert und hier und da mal wen umbringt.

Verantwortlich für die Videos sind die Filmemacher Iain Forsyth und Jane Pollard, die man bereits für das Nick-Cave-Porträt 20,000 Days On Earth kennt. Insgesamt sind von den beiden drei Kurzfilme geplant.

Neben jenen bereits veröffentlichten und geliebten Tracks steckt Not To Disappear noch voller weiterer Schmankerl, von denen eines jedoch besonders hervorsticht: "How". Mit seinen etwas verspielten Gitarrenriffs erinnert es ein klein wenig an Pixies "Where Is My Mind". Und ist man doch der Meinung, man habe diesen Track bereits schon ein mal zu oft gehört, löst er doch immer wieder dieses schöne Geborgenheitsgefühl aus - was er an seinen Klangvetter von Daughter sogar weiter gibt.

Die Lyrics quetschen einem auf Not to Disappear gerne mal das Herz, lassen uns Entscheidungen und Prinzipien in Frage stellen. Paradebeispiele: "Alone With You" und das mit Klavier versehene, wundervolle "To Belong".

Ein bisschen schneller geht es mit Daughter aber auch. "No Care" zumindest tanzt mit seinem treibenden Beat ein bisschen aus dem Schema. Kleiner Brainfuck: Die Nummer könnte sogar in den Club passen. Auch "Fossa" hat Tempo, ist im Gegensatz zu "No Care" jedoch nicht mit einem derart üppigen Beat geprägt. Mit den großen Instrumentals gen Ende, die dann jedoch wieder abschwellen, wäre der Track ein ungewöhnlicher, aber guter Abschluss für eine wahnsinnig emotionale Platte, würde danach nicht noch "Made Of Stone" folgen - wieder eine recht ruhige Nummer, die nur ganz leicht am Schluss ein bisschen ausbricht. Aber wirklich nur: ein ganz kleines bisschen.

Alles in allem folgen Daughter mit Not To Disappear ihrer Tradition, den perfekten Soundtrack für die traurigsten Momente des Lebens zu schreiben und dadurch zu den Großartigsten zu machen. Süße Melancholie, eben.

Tracklist: Daughter - Not To Disappear

01. New Ways

02. Numbers

03. Doing The Right Thing

04. How

05. Mothers

06. Alone With You

07. No Care

08. To Belong

09. Fossa

10. Made Of Stone

Not To Disappear von Daughter wurde am 15. Januar 2016 via 4ad veröffentlicht.

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