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08/04/2016 07:52 CEST | Aktualisiert 09/04/2017 07:12 CEST

Lieblingstonträger: Moderat - III

Pxl8 via Getty Images

Nachdem sie uns letzte Woche in München mit einem großartigen Konzert jede Schweißperle aus den Poren gebasst haben, haben die Klangkünstler um Moderat letzten Freitag ihr drittes Album veröffentlicht - unseren Lieblingstonträger der Woche.

Moderat - das wären zum einen die Technokünstler Sebastian Szary und Gernot Bronsert von Modeselektor, die bereits seit gut 20 Jahren die Elektroszene bereichern und zum anderen Sascha Ring, aka Apparat, der seit knapp 16 Jahren mit seiner wundervollen Stimme angibt, die stets zwischen Engelsgesang und purem Ausdruck von Weltschmerz pendelt.

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Dass sich diese talentierten Komponenten zusammenschloßen ist nun auch schon an die 14 Jahre her und ist offenbar genau die Zeit, die es für eine Supergroup benötigt, um gemeinsam nahtlosen Klang zu basteln. So darf man III als das Konsensalbum betrachten, von dem viele andere Künstlerzusammenschlüsse mit ihren Werken noch entfernt sind.

Der Klang des dritten Albums scheint beim ersten Durchhören im Vergleich zum Vorgängeralbum II eher seicht, flächig und sphärischer zu sein, beim zweiten bis dreihundertsten Anhören entdeckt man jedoch derart viele Elemente und Feinheiten, die aus III ein auditives Riesensuchbild macht.

Den Vergleich zwischen III und früheren Radiohead Alben wurde von diversen Musikjournalisten nun schon des Öfteren gezogen und trifft gerade bei "Reminder" zu, der ersten Single-Auskopplung des neuen Albums.

Dort ist es gerade der Gesang, der zwar nicht wirklich dissonant, aber irgendwie ungewohnt klingt und damit wirklich an Thom Yorke erinnert. Doch da ist noch was anderen. Etwas maschinelles, etwas industrielles, das an Depeche Mode aus den 00er Jahren erinnert.

Im Klangrepertoire von III befindet sich neben altbekannten Sounds, wie etwa der Klang (redaktionsintern nennen wir ihn liebevoll den Affenschrei), den wir bereits aus "Bad Kingdom" vom Vorgängeralbum kennen (zu hören in "Reminder"), auch noch weitere interessante Klänge.

Sirenenhafte Synths (u.a. bei "The Fool"), Melodica-artige Keyboard-Sounds (am Ende von "Ghostmother"), natürliches Rauschen (ohja, das hören wir sehr oft), Piano ("Intruder"), kalte Claps, die irgendwie das Bild eines Klempners wecken, der wie blöd auf Kupferrohren herumhaut ("Animal Trails") und überhaupt Percussions, die Ahnungslosen wahrscheinlich gar nicht wirklich auffallen würden, jedoch eine sehr interessante Quelle haben: Europaletten (ebenfalls bei "Reminder").

Auch die Übergänge überzeugen, die einen höflich von einem Track in den nächsten geleiten. So raten wir euch wirklich, das Album ohne Shuffle-Funktion anzuhören.

Gekonnt ist jedoch gerade der Abschluss von III, dem fünfeinhalb Minuten langen Wunder "Ethereal", das so ziemlich jede Phase, die auf dem Album angeschnitten wurde, noch einmal durchmacht.

Von weiten Sphären über choralem Gesang zu allen möglichen gefilterten Stimmen und wummernden Synths - alles dabei. Quasi die Entstehungsgeschichte des Universums, des Raums, der Zeit, des Klanges im Time-Lapse.

Bevor jetzt jeder schreit: Ja, es gibt noch eine Deluxe Version von III, auf der "Ethereal" nicht der letzte Track ist. Neben dem Bonus-Track "Fondle" kommt die noch mit zwei Remixen von "Reminder" daher, dem Special Request Remix und dem Answer Code Request, von denen ersterer housiger ist, letzterer eher noisiger, technolastiger.

Hymnen wie "Bad Kingdom" oder "New Error" sucht man vergeblich auf III. Deswegen können wir uns auch nicht mit sonstigen Musikjournalisten einigen, die III eine sehr poppige Anmutung nachsagen. Wir empfinden das Album elektronischer als seinen Vorgänger.

Moderat, das sind verdammte Klangwerkler.

Und diese Assoziation kommt nicht nur, weil Szary ständig im Blaumann und Capi unterwegs ist. Für diesen Eindruck muss man die Jungs nur einmal live gesehen haben. Auch wenn III eher mit sphärischer Elektronik auffährt, wummsen sie live mit irrem Bass alles aus dem Publikum raus und veranlassen damit zu regelrechten Tanzorgien. Zuletzt konnten wir das im Münchner Zenith erleben, am 31. März.

Das ehemalige Eisenbahn-Ausbesserungswerk hat sich als Veranstaltungsort nicht gerade einen Namen mit einwandfreiem Klang gemacht, bei Moderat - und das schwören wir - konnte man von diesem Makel jedoch nichts hören, da wurden sogar die größten Kritiker plötzlich ganz leise. Brachialer Sound. Einfach groß.

Tracklist: Moderat - III

01. Eating Hooks

02. Running

03. Finder

04. Ghostmother

05. Reminder

06. The Fool

07. Intruder

08. Animal Trails

09. Ethereal

III von Moderat wurde am 1. April via Monkeytown Records veröffentlicht.

Hier könnt ihr das Album kaufen.

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