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16/04/2016 12:18 CEST | Aktualisiert 17/04/2017 07:12 CEST

Macht den kurzen Mittagsschlaf wieder möglich!

PeopleImages via Getty Images

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• Hinter dem Schimpfwort „Du Penner" steckt eine fragwürdige Schlafkultur

• Schlafpausen von bis zu 15 Minuten verbessern Leistung und Aufmerksamkeit

• Unternehmen sollten Time-out-Zonen und Energietankstellen einrichten

Das deutsche Schimpfwort „Penner" unterstreicht es ganz deutlich: Wer viel schläft, gilt hierzulande vor allem als schwach und wenig produktiv. Daran hat sich auch durch den Bedeutungszuwachs des Themas Achtsamkeit nicht viel geändert. Wenn es ums Schlafen geht, hört die Akzeptanz in Deutschlands Betrieben und Behörden in der Regel auf: Wer sich am Nachmittag für einen Mittagsschlaf zurückzieht, wird häufig belächelt.

Wer ohne Pause durcharbeitet wird meistens bewundert.

Wer hingegen nahezu ohne Pausen durcharbeitet, erntet häufig ein staunendes „Wow, Sie sind aber fleißig!". Diese „Kultur der Unachtsamkeit" sollte sich schleunigst ändern. Denn wir verschenken enorme Chancen für Produktivitätszuwächse und ein erhöhtes Wohlbefinden unserer Erwerbstätigen.

Das verdeutlichen zahlreiche Studien, die sich auf den Nutzen von Schlafpausen beziehen. So gelten etwa positive Auswirkungen auf Grundgestimmtheit, kognitive Leistungsfähigkeit und Aufmerksamkeit als nachgewiesen. Lediglich bei Personen mit Schlafstörungen ist Vorsicht geboten, da eine mittägliche Schlafperiode den Schlafdruck am Abend reduzieren kann.

Wer angesichts der positiven Wirkungen von Schlafpausen nun Angst vor womöglich dauerhaft schlafenden Kollegen oder Beschäftigten hat, der kann beruhigt sein: Die mittägliche Schlafperiode sollte kurz sein. Die verlässlichsten Studien zeigen, dass eine Schlafpause am Mittag nicht länger als 15 Minuten dauern sollte - ab dem Zeitpunkt des Einschlafens.

Dann sind unmittelbare Leistungsverbesserungen während der folgenden bis zu drei Stunden am wahrscheinlichsten. Wer hingegen länger als 15 Minuten ab dem Zeitpunkt des tatsächlichen Einschlafens schläft, kann aus dem Tiefschlaf erwachen und unliebsame Erfahrung mit dem Phänomen Schlaftrunkenheit machen.

Doch wie können Unternehmen und Behörden das Potenzial von Schlafpausen in der betrieblichen Praxis alltagstauglich nutzen? Hier lassen sich vor allem zwei Handlungsfelder identifizieren.

Erstens: verhaltensbezogene Informationsarbeit. Dazu zählen etwa Aufklärung auf allen Führungsebenen, Informationskampagnen für die Beschäftigten oder Seminarangebote zum „Nappen".

Zweitens: eine Anpassung der Verhältnisse im Unternehmen. Gemeint sind etwa Veränderungen betrieblicher Pausenregelungen oder die Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten. Entscheidet man sich für die Einrichtung von Ruheräumen, so sollte man auf eine zentrale und dennoch ruhige Lage achten.

Außerdem können hohe Hygienestandards, klare Verhaltensregeln und schalldämmende Sichtschutzwände die Akzeptanz der Rückzugsorte bei Beschäftigten erhöhen.

Zudem kann eine Art Branding der Räumlichkeiten hilfreich sein, denn eine „Energietankstelle" oder eine „Time-out-Zone" weckt positive Assoziationen.

Die Bezeichnung „Schlafraum" hingegen wird eher auf Ablehnung stoßen, weil Beschäftigte nicht in den Verdacht geraten wollen, Leistungsverweigerer zu sein. Als „Penner" will schließlich niemand bezeichnet werden.

Erschien zuerst auf Xing Klartext.

Mehr zu Thema Schlaf gibt es hier oder bei XING Klartext.

Dr. Utz Niklas Walter (Jg. 1982) ist Leiter des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG), einer Ausgründung von Gesundheitsexperten der Universitäten Konstanz, München (TU) und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Der promovierte Sport- und Gesundheitswissenschaftler leitete zuvor die Arbeitsbereiche für Betriebliches Gesundheitsmanagement an den Universitäten in Konstanz und Karlsruhe. Der Absolvent der Deutschen Sporthochschule Köln berät Unternehmen und Behörden.

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