BLOG
15/12/2015 12:45 CET | Aktualisiert 15/12/2016 06:12 CET

Industrie 4.0: Wie die moderne Fabrik unseren Alltag verändert

Kuzmichstudio via Getty Images

Die Fabrik der Zukunft ist durch Sensoren, Software und Hardware komplett vernetzt. So lässt sich die Fertigung besser steuern und sie wird produktiver. Dass das den herstellenden Unternehmen hilft ist klar. Doch auch jeder Einzelne profitiert von der intelligenten Fabrik. Sieben Thesen, was die vierte industrielle Revolution, die sogenannte Industrie 4.0, für unseren Alltag bedeutet:

Industrie 4.0 verändert das Leben jedes Einzelnen

Ob Müsli, Turnschuhe, Notebooks oder Autos - bereits heute lassen sich viele Dinge unseres Alltags für jeden ganz individuell herstellen. Das Internet ermöglicht es dem Verbraucher, dass er Einzelstücke nach seinen eigenen Wünschen „konfiguriert".

Die moderne Massenfertigung muss also immer mehr Einzelexemplare anfertigen. In der modernen Fabrik unterstützen vernetzte Maschinen die Mitarbeiter beim Erledigen solcher Aufträge. Dass dies heute bereits möglich ist, zeigt unser Werk in Homburg.

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Dort fertigt Bosch aus mehr als 2.000 verschiedenen Bestandteilen rund 200 verschiedene Varianten eines Hydraulikventils, das beispielsweise in Traktoren zum Einsatz kommt. Das bearbeitete Teil tauscht sich dazu mit Hilfe eines Senders und eines Empfängers, sogenannter RFID-Funktechnologie, kontinuierlich mit seiner Umgebung aus.

Es „sagt" den Maschinen also, was sie aus ihm machen sollen und ruft für die Mitarbeiter den jeweiligen Arbeitsplan dafür auf.

Die moderne Fabrik trägt zum Umwelt- und Ressourcenschutz bei

Effiziente Fertigung heißt auch weniger Energieverbrauch. An welchen Stellen wieviel Energie benötigt wird, lässt sich bereits heute digital abbilden. Mit Hilfe von Software können Energieverbräuche von Produktionsanlagen bis in einzelne Maschinenantriebe hinein gemessen und anschließend dargestellt werden.

Durch Eingriffe wie sogenanntes Abschaltmanagement, also gezieltes Ausschalten von Energieverbrauchern, wenn man sie nicht benötigt, lässt sich dann der Verbrauch von Strom und Wärme verringern. Bosch Energy and Building Solutions erzielt für seine Industriekunden durch effizient vernetzte Lösungen Energieeinsparungen von bis zu 30 Prozent.

In einigen Arbeitsgebieten lassen sich durch neue Fertigungsmethoden Ressourcen sparen. 3-D-Printing mit Metall etwa eröffnet viele neue Möglichkeiten, indem man Werkstücke beispielsweise nicht erst gießt und dann wieder ausfräst oder dreht, sondern von Anfang an Schicht für Schicht in der gewünschten Form aufträgt.

Ersatzteile aus Metall lassen sich so an vielen Orten bei Bedarf einfach drucken, statt sie in vielen Lagern aufwendig vorrätig zu halten oder von weit weg herzufahren.

Industrie 4.0 sichert Arbeitsplätze

Durch technologischen Wandel entstehen neue Tätigkeitsfelder und der Bedarf an besser ausgebildeten Fachkräften wächst. Facharbeiter in der vernetzten Fertigung benötigen Kompetenzen in den Bereichen IT, Netzwerk- und Funktechnologien sowie Prozesswissen.

Bei Bosch binden wir das Thema Vernetzung deshalb in unsere Ausbildungsgänge ein. Wir lehren beispielsweise die Bedienung von Anlagen mit Hilfe von Tablets sowie das Wissen um Netzwerke und Funktechnologien in der Fertigung.

Künftige Mitarbeiter bereiten wir etwa in der Ausbildung zum Produktionstechnologen auf Industrie 4.0-Fragen vor. Die Absolventen optimieren später die betrieblichen Abläufe in der Fertigung und werden unter anderem in den dafür benötigten IT-Systemen geschult.

Wie sich die Vernetzung der Fertigung langfristig in Arbeitsmarktzahlen niederschlägt, bleibt abzuwarten. Erste Analysen jedoch zeigen: Industrie 4.0 stärkt und erhält die Wettbewerbsfähigkeit am Hochkostenstandort Deutschland und kann so Arbeitsplätze sichern. Die Studie der internationalen Management-Beratung Boston Consulting Group prognostiziert für die nächsten zehn Jahre fast 400.000 neue Jobs durch Industrie 4.0.

Industrie 4.0 hilft, dem demografischen Wandel zu begegnen

Die Arbeitsplätze der Fabrik der Zukunft sind ergonomischer und deshalb auch altersgerechter. Sie stellen sich beispielsweise automatisch auf die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Vorlieben desjenigen ein, der sie bedient.

Ein Empfänger an der Montagestation liest dazu ein Mitarbeiter-Benutzerprofil, das auf einer Art digitalem Ausweis hinterlegt ist. Für jeden einzelnen Mitarbeiter stellt sich dann der Arbeitsplatz automatisch ein: Beispielsweise die rückenschonende Position eines Bildschirms zur Bedienung einer Maschine oder die richtige Schriftgröße.

Auch Arbeitnehmervertreter sehen durch Industrie 4.0 eine Chance, besser zu arbeiten, weil etwa moderne Assistenzsysteme Zwangshaltungen, Überkopfarbeiten und belastende Tätigkeiten verringern.

Mit dem Produktionsassistenten APAS, einer Art Hilfsroboter, der mit seinem Benutzer Hand in Hand zusammenarbeiten kann, bietet Bosch hier bereits Lösungen an, von denen auch ältere Arbeitnehmer profitieren können.

Deutschland kann zum Exportweltmeister von Industrie 4.0 aufsteigen

Industrie 4.0 ist keine deutsche Entwicklung. Von USA bis China, von Indien bis Korea existieren Initiativen von Wirtschaft und Politik, die der „Smart Factory" den Weg ebnen sollen. Doch die deutsche Industrie verfügt als führender Ausrüster von Fabriken weltweit über einen Vorsprung, wenn es um die Vernetzung geht.

Sei es beim Maschinenbau, im Anlagenbau oder in der Elektrotechnik: Durch die Ergänzung um Software-Lösungen „Made in Germany" besitzen wir die Chance, unsere Position zu stärken und sogar noch auszubauen. Bosch stattet bereits heute weltweit eigene Werke mit Industrie 4.0-Lösungen aus - in Asien, Europa und in Amerika. Als Leitanbieter versorgen wir Kunden mit Industrie 4.0-Lösungen, in welchem Land auch immer.

Industrie 4.0 betrifft alle produzierenden Unternehmen

Technologisch ist Industrie 4.0 eine evolutionäre Entwicklung, die sich in jeder Fertigung einführen lässt. Unsere bisherige Erfahrung zeigt, dass Pilotprojekte, die Unternehmen schrittweise angehen, zu schnellen und messbaren Erfolgen führen.

Dieses Vorgehen sichert auch die Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Sie besitzen schon heute freien Marktzugang zu innovativen Lösungen und Nischenprodukten durch einige bereits vorhandene offene Softwarestandards.

Wir bei Bosch befürworten diese Entwicklung und kooperieren deshalb mit anderen Unternehmen, Universitäten, Konsortien, Verbänden und Standardisierungs-Organisationen. Denn nur so fügen sich die vielen Stimmen in der Industrie zu einem eingespielten Orchester.

Industrie 4.0 kann unser Vertrauen in die digitale Vernetzung stärken

Neue Technologien diskutiert die Öffentlichkeit seit jeher auch kritisch, manchmal zu kritisch. Der Eisenbahn machte man in ihren Anfangsjahren etwa den Vorwurf, sie mache auf Grund ihrer hohen Geschwindigkeit krank.

Heute gilt jedenfalls die Sicherheit der Daten und der Schutz vor Missbrauch und von Privatsphäre als wichtigste Herausforderung der digitalen Vernetzung. Als Industrievertreter können wir hier mit gutem Beispiel voran gehen und so das Vertrauen der Nutzer gewinnen.

Dazu sollten wir der Integrität und der Sicherheit der Daten einen hohen Stellenwert einräumen, wie wir es bei Bosch bereits tun. Denn ohne die Menschen zu überzeugen, bleibt der Erfolg für Industrie 4.0 aus.

Auch auf HuffPost:

Wie sieht die Werbeindustrie der Zukunft aus?

Back to the Future vs Reality: So falsch hat "Zurück in die Zukunft" 2015 vorhergesagt

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Lesenswert:

Hier geht es zurück zur Startseite