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20/01/2014 05:59 CET | Aktualisiert 22/03/2014 06:12 CET

Der Überflieger, der Friedensstifter und der Partylöwe - so beeinflusst die Geburtsreihenfolge unsere Persönlichkeit

Keine zwei Kinder haben die gleichen Eltern, obwohl sie in derselben Familie leben. Wenn Sie zum Beispiel das fürsorgliche Kind sind, ist diese Rolle vergeben und Ihre Geschwister übernehmen andere Rollen - zum Beispiel die Rolle des Überfliegers.

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Stellen Sie sich vor, dass Sie mit Ihren erwachsenen Geschwistern einen Familienausflug machen. Mit welchem dieser drei Szenarien können Sie sich am besten identifizieren?

1. Sie planen seit Wochen, haben Hotelzimmer gebucht, Restaurantreservierungen gemacht, den Ölstand im Auto kontrolliert und aufgetankt - außerdem haben Sie auf der Karte alle Rastplätze markiert.

2. Sie sind den ganzen Morgen in Ihrer Wohnung herumgeflitzt, um Ihre Sachen zusammenzusuchen und haben im Endeffekt Snacks und Klamotten wild durcheinander in Ihre Tasche geworfen. Wenn Sie der Fahrer sind, hoffen Sie, dass eine Tankstelle auf dem Weg liegt, damit Sie Ihren fast leeren Tank unterwegs auffüllen können.

3. Familienausflug? Das klingt nach Spaß! Sie kommen völlig planlos mit, einfach weil Ausflüge so lustig sind. Sie bringen nichts weiter mit außer einer ganzen Menge Anekdoten und guter Laune. Sie mampfen mit Vergnügen das Picknick, das Ihre älteren Geschwister eingepackt haben und bemerken, dass es nötig sein könnte am Zielort eine wetterfeste Jacke zu kaufen.

Wenn Nr. 1 vertraut klingt, sind Sie vermutlich das älteste Kind.

Wenn Nummer zwei Sie am besten beschreibt, sind Sie wahrscheinlich das mittlere Kind.

Wenn das dritte Szenario Sie am meisten anspricht, sind Sie wohlmöglich das Nesthäkchen der Familie.

Auf die Geburtsreihenfolge kommt es an

Manche Wissenschaftler sind der Überzeugung, dass die Geburtsreihenfolge uns ebenso prägt wie das Geschlecht und damit ebenso wichtig ist wie unsere Gene. Damit lässt sich alles auf die alte Frage reduzieren: Erziehung oder Genetik? Als Lehrkraft und Wissenschaftler weiß ich, dass keine zwei Kinder die gleichen Eltern haben, obwohl sie in derselben Familie leben. Wie das sein kann? Weil Eltern ihre Kinder unterschiedlich behandeln und zwei Kinder nie dieselbe Rolle übernehmen. Wenn Sie zum Beispiel das fürsorgliche Kind sind, ist diese Rolle vergeben und Ihre Geschwister übernehmen andere Rollen - zum Beispiel die Rolle des Überfliegers.

Wir sind jedem Kind andere Eltern

Als Eltern erinnern wir uns gut an unser erstes Kind: Bei ihm saßen wir an der Wiege um sicherzugehen, dass es wirklich atmete, es war das Baby, das wir gestillt, für das wir Fläschchen sterilisiert und das wir die meiste Zeit herumgetragen haben. Dieses Kind ist das einzige Kind, das seine Eltern ganz für sich alleine hat - alle anderen Kinder müssen teilen. Denken Sie mal darüber nach: die Erstgeborenen kommen in eine Familie, die nur aus Erwachsenen besteht, die auf jeden kleinen Fortschritt sehr stolz sind und sich bei jeder kleinen Verletzung riesige Sorgen machen. Das mittlere Kind wird meistens vom erstgeborenen Kind dominiert, da dieses bereits klüger und kompetenter ist. Wenn das jüngste da ist, sind Eltern in der Regel ausgelaugt und nicht mehr in der Lage alles so genau zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt wissen sie, dass ihr Baby nicht so einfach kaputtgeht und Eltern werden daher flexibler, sowohl bei der Aufmerksamkeit wie auch der Disziplin. Daher lernt das Kind schon früh seinen Charme spielen zu lassen und andere zu unterhalten.

Der Überflieger, der Friedensstifter und der Partylöwe

Das älteste Kind ist für hervorragende Leistungen und Errungenschaften prädestiniert, das mittlere Kind dafür verständnisvoll und versöhnlich zu sein und das kleinste braucht Aufmerksamkeit. Daraus lässt sich schließen, dass die Geburtsreihenfolge einen großen Einfluss auf die Entwicklung ihrer Persönlichkeiten hat.

Das älteste Kind: Der Überflieger

Das älteste Kind hat wahrscheinlich mehr mit anderen Erstgeborenen gemeinsam als mit seinen eigenen Geschwistern. Da ihnen so viel Zeit und Aufmerksamkeit von den frischgebackenen Eltern geschenkt wurde, sind sie übermäßig verantwortungsbewusst, zuverlässig, gut erzogen, vorsichtig und kleinere Versionen ihrer Eltern.

Wenn Sie das erste Kind sind, sind Sie vermutlich der Karrieretyp, der nach Anerkennung sucht, gerne bestimmt und durch seinen Perfektionismus alle in den Wahnsinn treibt. Sie sind in leitenden Führungspositionen zu finden, arbeiten wahrscheinlich im Bereich Recht, Medizin oder als Geschäftsführer. Als Miniaturausgabe Ihrer Eltern haben Sie über Ihre Geschwister bestimmt. Durch die Geburt des zweiten Babys wurden Sie vom Thron der Familie gestoßen, waren nicht mehr so einzigartig. Die Aufmerksamkeit, die Sie vorher für sich alleine hatten, mussten Sie ab da mit Ihrem Geschwisterchen teilen.

Das mittlere Kind: Der Friedensstifter

Als mittleres Kind sind Sie wahrscheinlich verständnisvoll, hilfsbereit, flexibel, verfügen jedoch auch über Konkurrenzdenken. Ihnen ist es wichtig, dass es immer fair zugeht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Sie einen kleinen, aber erlesenen Freundeskreis haben, der Ihre Ersatzfamilie ist. Von ihr bekommen Sie die Aufmerksamkeit, die Ihnen in Ihrer leiblichen Familie nicht zuteil wird. Als mittleres Kind bekommen Sie die wenigste Aufmerksamkeit von Ihren Eltern und die Ersatzfamilie gleicht dies aus. Sie sind aber durchaus in guter Gesellschaft: Abraham Lincoln, John F. Kennedy, Winston Churchill, Bill Gates, Donald Trump und Steve Forbes sind und waren ebenfalls sogenannte Sandwichkinder. Diese sind zwar häufig Spätzünder, enden jedoch oft in einflussreichen Positionen, in denen sie ihr Verhandlungsgeschick nutzen können... und die nötige Aufmerksamkeit bekommen.

Sie und Ihre Geschwister werden niemals in den gleichen Bereichen glänzen. Ihre markanteste Charaktereigenschaft ist gegensätzlich zu denen Ihrer älteren und jüngeren Geschwister. Aber dank Ihrer hervorragenden Sozialkompetenz - mit der Sie sich in Ihrem Familiengeflecht zurechtfinden - sind Sie auch gut auf eine unternehmerische Rolle im großen Stil vorbereitet.

Das jüngste Kind: Der Partylöwe

Wenn Sie der/die Kleinste sind, konnten Ihre Eltern bereits ihr Selbstvertrauen in ihre Erziehungsfähigkeiten und sind daher vermutlich etwas nachsichtiger als bei Ihren Geschwistern und beobachten Ihre Entwicklung nicht so genau wie bei den älteren Kindern. Sie haben daher gelernt, wie Sie Menschen durch Ihren Charme und Ihre Liebenswürdigkeit für sich gewinnen können.

Als jüngstes Kind genießen Sie mehr Freiheiten als Ihre Geschwister und sind daher unabhängiger. Als jüngstes Kind haben Sie außerdem einiges mit Ihrem ältesten Bruder oder Ihrer ältesten Schwester gemeinsam, denn Ihnen beiden ist das Gefühl gegeben worden, besonders zu sein und einen Anspruch auf die Welt zu haben. Sie haben Einfluss auf die ganze Familie, durch die Sie emotionale und körperliche Unterstützung bekommen. Dadurch fühlen Sie sich sicher und zuhause.

Es ist daher nicht überraschend, dass die jüngsten Kinder häufig Karrieren in der Unterhaltungsindustrie anstreben, Schauspieler, Comedians, Schriftsteller, Regisseure und so weiter werden. Da die Eltern bei ihnen entspannter und weniger streng waren, fühlen sie sich freier in ihrer (häufig) kreativen Berufswahl. Als Küken der Familie mussten sie weniger Verantwortung übernehmen und streben daher meistens keine verantwortungsvollen Positionen an. Nichtsdestoweniger geben die Nesthäkchen auch gute Lehrer und Ärzte ab.

Der einsame Streiter: Das Einzelkind

Wenn Sie ein Einzelkind sind, haben Sie Ihre Kindheit inmitten von Erwachsenen verbracht und sind daher meistens eloquenter und auch reifer. Dadurch kann sich Ihre Intelligenz freier entwickeln und höher sein als dies bei Kindern mit Geschwistern der Fall ist. Da Sie viel Zeit alleine verbracht haben, sind Sie einfallsreich, kreativ und dank Ihrer Unabhängigkeit selbstbewusst. Als Einzelkind haben Sie einiges mit den Erstgeborenen und Nesthäkchen anderer Familien gemeinsam.

Eltern, schaut euch eure Kinder genau an

Abschließend bleibt zu sagen, dass es für Eltern wichtig ist, ihre Kinder gut zu kennen. Denn noch wichtiger als die Geburtsreihenfolge ist es, eine Umgebung zu schaffen, die positiv, sicher, gesund und stimulierend ist. Indem Sie Temperament und Persönlichkeit jeden Kindes verstehen, können Sie die Umgebung für jedes so anpassen, dass es sein Potenzial voll ausschöpfen kann. Wenn sich Eltern zum Beispiel bewusst machen, dass die erstgeborenen Kinder sich verantwortlich fühlen, können sie ihnen etwas von dieser Last abnehmen. Und wenn sie sich vor Augen halten, dass das Küken viel mehr Freiraum bekommt als die anderen, ist es leichter Disziplin einzufordern.

Kinder brauchen die Freiheit ihren Weg zu machen, ganz egal welche Rolle sie in der Familie einnehmen und als Eltern ist es Ihre Aufgabe jedes Kind auf diesem Weg zu unterstützen.

Übersetzt aus der Huffington Post USA. Hier geht's zum Original.