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04/01/2016 07:10 CET | Aktualisiert 04/01/2017 06:12 CET

So hoch steht das Risiko für einen Finanzcrash 2016

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2015 war ein unruhiges Jahr für die Finanzmärkte. Der deutsche Aktienindex DAX war auf eine Achterbahnfahrt programmiert: Gestartet mit weniger als 10.000 Punkten, erreichte er bis April über 12.300 Punkte, um dann bis zum 8. Juli auf knapp 10.700 Punkte abzurutschen. Am 20. Juli lag er dann wieder bei etwa 11.700 Punkten. Erneut im Rückwärtsgang, näherte er sich gegen Ende August der Marke von 9.600 Punkten.

Danach kletterte er ein weiteres Mal über die 10.000er Marke, rutschte bis Ende September auf knapp 9.400 Punkte und lag Ende November dann wieder bei etwa 11.400 Punkten. In der Vorweihnachtszeit ging es wieder nach unten. Momentan steigt der DAX wieder. Es sieht nicht so aus, als wenn die Achterbahnfahrt der Börsenindizes bereits zu Ende wäre - sowohl in Deutschland als auch weltweit. Sind die unruhigen Zeiten auf den Aktienmärkten ein Vorbote für einen drohenden Finanzmarktcrash im Jahr 2016?

Kurz vor Jahresschluss 2015 war auch noch ein Segment des US-Anleihemarktes unter Druck geraten. Drei US-Investmentfonds sind entweder schon geschlossen worden oder stehen kurz davor. Sie hatten ihre Kundengelder in hochverzinsliche Junk-Bonds - also Anleihen von Schuldnern mit geringer Bonität - investiert, die nun öfter als kalkuliert ausfallen.

Während der Niedrigzinsphase haben Junk-Bonds in den USA einen bemerkenswerten Hype erlebt, da sie eine vergleichsweise hohe Rendite abwerfen. Allerdings ist auch das mit solchen Papieren verbundene Risiko hoch. Mit der Schließung der Fonds kommen die Anleger nun nicht mehr an ihr Geld. Ob sie davon überhaupt je etwas wiedersehen, ist fraglich. In dem momentan hoch nervösen Marktumfeld dürften Anlegerverluste vorprogrammiert sein.

Auch die akute Weltfinanzkrise startete 2008 mit der Pleite zweier Investmentfonds, die in ehemalige Boom-Wertpapiere investiert hatten.

Aber kann aus der (möglichen) Parallelität von heutigen Fondsinsolvenzen und dem damaligen Bankrott von Hedgefonds der Investmentbank Bear Stearns auf gefährliche Stabilitätsrisiken für die Weltfinanzmärkte in diesem Jahr geschlossen werden? Haben wir es bei den Vorgängen auf dem US-Junk-Bond-Markt mit einem weiteren Alarmzeichen für einen bevorstehenden Crash zu tun?

Die Wahrscheinlichkeit dafür ist eher klein. Was die Achterbahnfahrt bei den Aktienmärkten angeht, so konnten Anlegerinnen und Anleger 2015 zwar viel Geld verlieren, wenn sie am Ende der Abwärtsphasen in Panik verkauft haben. Aber sie konnten auch viel Geld gewinnen, wenn sie zu Tiefstständen gekauft und bei Höchstständen verkauft haben. Auch die Besitzer von Aktienderivaten freuten sich, denn große Schwankungen wirken sich tendenziell positiv auf den Wert von Derivaten aus.

Vor allem die Finanzmarktprofis dürften vom unruhigen Börsenjahr 2015 also eher profitiert haben.

Außerdem haben die 1997er Asienkrise, die 1998er Rubelkrise, die Dotcom-Krise von 2001, die Subprime-Krise ab 2007 und die Eurokrise ab 2010 gezeigt, dass Börsenturbulenzen eher die Folge von Krisen sind als deren Ursache.

Krisen kommen ohnehin nie mit konkreter Ansage daher, werden also quasi nicht erwartet. Krisen entfalten sich, weil die meisten Akteure in einer Handlungskette falsch reagieren. Sie reagieren falsch und/oder panisch, weil sie mit Neuem konfrontiert sind, es also kein genaues Vorbild für die richtige Reaktionsweise gibt.

Derzeit ist aber vielmehr zu erwarten, dass die Akteure, angefangen bei Fondsmanagern bis hin zu den Aufsichtsorganen und Zentralbanken, eine Vorstellung davon haben, wie sie reagieren müssen, damit es zu keiner (neuen) Katastrophe auf den Finanzmärkten kommt.

Eine notwendige Voraussetzung für einen großen Crash auf den Finanzmärkten ist zudem, dass sich die „toxisch" gewordenen Wertpapiere in den Büchern vieler Banken und Finanzinstituten in aller Welt befinden, und diese für die Investments keine ausreichende Risikovorsorge getroffen haben, etwa weil die Ratingagenturen die Wertpapiere - wie in der Subprime-Krise - zu gut bewertet haben.

Diese Voraussetzungen sind zurzeit eher nicht gegeben. Der Umgang mit Schwankungen auf dem Börsenparkett gehört für Finanzprofis quasi zum Handwerkszeug. Junkbonds wiederum werden von den Investoren für das gehalten, was sie sind: hochriskante und deswegen hochverzinsliche Investments.

Auch in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erlebte die USA einen Junk-Bond-Hype mit anschließendem Niedergang. In Europa ist die Popularität von Junk-Bonds im Vergleich zum billionenschweren US-Markt ohnehin eher gering. Ansteckungseffekte, falls vorhanden, werden daher mit großer Wahrscheinlichkeit regional begrenzt bleiben.

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