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25/12/2016 06:01 CET | Aktualisiert 26/12/2017 06:12 CET

Lipödem: Wenn Diäten und Sport keinen Erfolg bringen

tbradford via Getty Images

Nicht viele wissen, dass es das Lipödem gibt oder dass es eine Krankheit ist. Und das obwohl Schätzungen zufolge 10 Prozent der Frauen darunter leiden. Kommentare wie „Wieso machst du nicht eine Diät und Sport?" und Unverständnis der Ärzte gehören bei Betroffenen oft zum Alltag. Dabei erzielt man durch Diäten und Sport kaum eine Besserung.

Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, an der fast nur Frauen erkranken. Sie führt zu einer Disproportion zwischen dem Rumpf und den Extremitäten. Das heißt konkret, dass Betroffene beispielsweise Kleidergröße 42 bei Unterteilen benötigen, während die Größe 38 für Oberteile ausreicht. Die Erkrankung ist chronisch und schreitet stetig fort. In der Regel treten die ersten Symptome der Fettverteilungsstörung in der Pubertät, während oder nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren auf - also in einer Phase hormoneller Veränderungen.

Woran erkenne ich das Lipödem?

Das Lipödem führt zu Fettgewebsvermehrungen, die sowohl diät- als auch sportresistent sind. Dies führt leider häufig auch zu Adipositas. Denn wer jahrelang Aussagen wie „Die sollte mal weniger Fastfood und Süßigkeiten essen und mehr Sport machen" anhören muss, gibt den Kampf irgendwann auf - es hilft ja nicht.

Klassische Symptome des Lipödems sind auch Ödeme, also Wassereinlagerungen im Bindegewebe, die durch langes Stehen schlimmer werden. Weitere Hinweise sind unerklärliche blaue Flecken und Schmerzen im betroffenen Areal. Dabei handelt es sich sowohl um Spontan- und Ruheschmerzen wie als auch Druckschmerzen.

Von der Fettverteilungsstörung sind meistens die Ober- und Unterschenkel betroffen, häufig aber auch die Ober- und Unterarme. Zudem können Gesäß, Hüfte, Bauch, Brust und Rücken vom Lipödem betroffen sein.

Welche Ursachen hat das Lipödem?

Die Ursachen des Lipödems sind noch nicht gänzlich klar. Angenommen wird jedoch, dass aus den defekten Lymphgefäßen vermehrt Lymphe austritt, die sich dann zwischen den Fettzellen ansammelt. Die Fettzellen reagieren daraufhin wie ein Schwamm: Sie nehmen einen Teil der Lymphe auf und schwellen kontinuierlich an. Die vergrößerten Fettzellen drücken dann auf Blut- und Lymphgefäße und erschweren dadurch den Abtransport der Lymphe zusätzlich. Schließlich werden die Fettzellen nicht mehr richtig ernährt und verhärten sich.

Welche Stadien und Typen des Lipödems gibt es?

Das Lipödem kann in drei Stadien und fünf Typen eingeteilt werden. Diese beschreiben die Struktur des Gewebes und die Textur der Haut sowie die betroffenen Areale. Dabei wird jedoch ein sehr wichtiges Symptom des Lipödems nicht berücksichtigt: der Schmerz. Deshalb ist die Diagnose und Beurteilung durch einen Lipödem-Spezialisten unter Einbeziehung des körperlichen Befundes und der Schmerzen wichtig, um die richtige Therapie zu wählen.

Stadium I: Im ersten Stadium ist die Hautoberfläche noch glatt, das Unterhautfett ist aber bereits verdickt und die Fettstruktur feinknotig.

Stadium II: Die Hautoberfläche ist bereits uneben und die Fettstruktur grobknotig.

Stadium III: Die Hautoberfläche ist stark uneben, zusätzlich ist das Gewebe derber und härter und großlappig deformierende Fettlappen haben sich gebildet.

Die Typbeschreibung beinhaltet zusätzlich, welche Areale betroffen sind:

Typ 1: Die Fettgewebsvermehrung betrifft Gesäß und Hüften (Reiterhosenphänomen).

Typ 2: Das Lipödem reicht bereits bis zu den Knien und es bilden sich Fettlappen im Bereich der Knieinnenseiten.

Typ 3: Vom Lipödem ist jetzt das Areal von den Hüften bis zu den Knöcheln betroffen.

Typ 4: Mittlerweile reicht das Lipödem von den Armen und Beinen bis hin zu den Handgelenken beziehungsweise Knöcheln - das heißt, lediglich Hände und Füße sind noch nicht betroffen.

Typ 5: Beim letzten Typ bildet sich ein Lipolymphödem mit vermehrter Wassereinlagerung in den Hand- und Fußrücken sowie Fingern und Zehen.

Wie wird das Lipödem behandelt?

Häufig wird das Lipödem erst spät diagnostiziert, da immer noch Unwissen herrscht - und zwar auch unter Ärzten. Dies kann die Behandlung erschweren, da ein weit fortgeschrittenes Lipödem, bei dem sich die Fettzellen stark verhärtet haben, schwieriger zu behandeln ist als ein Lipödem im Anfangsstadium.

Das Lipödem kann zwar nicht geheilt, dafür aber gut behandelt werden, damit Betroffene weitestgehend beschwerdefrei sind. Wichtig für den Erfolg der Lipödemtherapie ist eine multimodale Behandlung. Das heißt, dass mehrere Therapeuten an einem Strang ziehen müssen. Dazu gehören einerseits plastisch-ästhetische Chirurgen, die die Fettvermehrung absaugen, sowie Allgemeinärzte, Physiotherapeuten, Ernährungsmediziner und Phlebologen.

Nicht-operative Therapie

Die nicht-operativen Therapiemöglichkeiten werden unterstützend zur operativen Therapie eingesetzt. Denn sie führen nicht zum Fettabbau, sondern sie entstauen. Dadurch kann die Erkrankung zwar daran gehindert werden, fortzuschreiten, eine dauerhafte Besserung kann aber nur durch die Fettabsaugung erzielt werden. Zur nicht-operativen Therapie zählen die Entstauungstherapie inklusive Kompressionswäsche, die Bewegungstherapie sowie eine Ernährungsumstellung.

Operative Therapie

Die Gesellschaft für Phlebologie empfiehlt die operative Behandlung des Lipödems. Dabei werden die erkrankten Fettzellen abgesaugt und dadurch die Symptome und Beschwerden gemindert. Denn die Liposuktion führt dazu, dass im Bindegewebe nicht mehr so viel Wasser gespeichert werden kann. Dadurch nimmt der Gewebedruck ab und der Abtransport der Lymphe verbessert sich. Zusätzlich kann der erfahrene plastische Chirurg die Beine bei der Fettabsaugung formen und für ein besseres Körpergefühl sorgen. Betroffene können längst vergessene Stiefel und Hosen wieder tragen.

Fazit

Das Lipödem ist eine Erkrankung, die leider noch weitestgehend unbekannt geblieben ist. Dabei ist die Diagnose recht simpel: Ein paar Fragen und ein Blick auf die betroffenen Areale reichen meist aus, um die Fettverteilungsstörung zu erkennen. Bei frühzeitiger Diagnose führt die Behandlung zu sehr guten Ergebnissen. Wichtig ist hierfür vor allem, dass der behandelnde Chirurg viel Erfahrung bei der Lipödemtherapie besitzt: Denn Fettabsaugung ist nicht gleich Fettabsaugung.

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