BLOG
17/03/2016 17:16 CET | Aktualisiert 18/03/2017 06:12 CET

Ein Streifzug durch das Bierland Bayern - vom Nahrungsmittel und Nationalgetränk

ASSOCIATED PRESS

Bierland Bayern - ist es nur ein Mythos oder gelebte Wirklichkeit?

Wie ist es abseits des Oktoberfestes um die Biertradition bestellt? Und was hat es mit dem Reinheitsgebot auf sich? Ein Streifzug durch die Stätten, wo Bayerns Herz fürs Bier am höchsten schlägt, soll dem auf den Grund gehen. Mit der Fastenzeit beginnt in Bayern die fünfte Jahreszeit. 2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg Das wird auch beim Starkbieranstich im Festsaal des Löwenbräukellers gefeiert. Ungefähr tausend Gäste kommen dieses Jahr. Zu essen gibt es Ente, Knödel und Rotkraut - es duftet nach bayerischer Gemütlichkeit. Neben der musikalischen Begleitung auf bayrisch kommt vor allem die Rede des Kabarettisten Christian Springer gut an. Höhepunkt ist das Anzapfen des ersten Fasses des neuen Starkbiers durch die amerikanische Generalkonsulin. Gegen Ende der Veranstaltung wirkt der Hausherr Christian Schottenhammel zufrieden. Auch das neue Starkbier hat es ihm angetan: rund, lieblich und von der Farbe kräftig. Mit 7,8 Volumenprozent Alkohol gehört es eindeutig zu den stärkeren Bieren. Was das Reinheitsgebot anbelangt, würdigt er es als Credo der Münchener Brauereien und fügt dem hinzu:
Ich bin ein Reinheitsmensch, deshalb mag ich das Reinheitsgebot.
Ein kleineres Starkbierfest findet in Pfaffenhofen an der Ilm statt. Direkt neben dem Rathaus ist das nächstliegende Gebäude das imposante Hotel Müllerbräu. Es gehört der Familienbräuerei Müllerbräu, die 1775 gegründet wurde die und nun in der fünften Generation weiter existiert. Fritz Müller und sein Sohn sind zu gleichen Teilen an ihr beteiligt. In jüngster Zeit hat die Brauerei zahlreiche internationale Preise gewonnen. Der Braumeister, Alexander Büch, erklärt sich das damit, dass die Brauerei einen eigenen Brunnen und Hopfenanbau hat sowie liegende Lagertanks einsetzt. 2016-03-16-1458124155-610241-Datei28.02.16163023.jpeg In Bayern hatte früher jeder Ort eine Brauerei, und der Brauer hatte eine wichtige gesellschaftliche Stellung. So auch in Aying. Auf dem Weg zur dortigen Brauerei fallen besonders die Straßennamen auf: „Gerstenweg", „Malzweg", „Hopfenweg", „Bräugasse" und die „Franz-Inselkammer-Straße." Die Familie Liebhard-Zehentmair-Inselkammer hat die Brauerei vor über 100 Jahren gegründet. Heute sind in Aying viele Produktionsprozesse computergesteuert. Aber die die Gerüche bei der Bierherstellung sind alles andere als künstlich: Stechend, würzig, kalkig oder schwefelig - je nach Produktionsstufe. Etwas traurig mutet die Sammlung vom Inhaber Franz Inselkammer an: immer, wenn eine Brauerei stirbt, pflegt er ihr Blechschild an eine Wand neben der Braustube zu hängen. 2016-03-16-1458124266-3807155-BrauereiSterben.jpeg Eine weitere Institution in München ist besonders wichtig in der Geschichte des Biers. Anno 1589 steht in großen Lettern an der Aussenwand des Hofbräuhaus in München. Täglich kommen 35.000 Menschen in diese Trinkhalle - und das, obwohl die Maß Bier mit 8,40 € nicht ganz billig ist. Ein Besucher heute ist die amerikanische Studentin Kelly Nies. Sie sitzt vor einem großen Glas Weißbier und schwärmt: „I love German beer". Amerikanisches Bier könne da nicht mithalten. Eine weitere Station auf den Spuren der Biers ist das Hacker-Pschorr Bräuhaus. Gleich beim Eintritt in das Bräuhaus fallen die riesige Maische-Würzepfanne und der Läuterbottich für die Bierherstellung ins Auge. Jeden Tag wird frisches Bier gebraut, alles kann man hier mitverfolgen. Neun bis zehn Stunden dauert ein Sud, danach erfolgt eine Gärung von ein bis zwei Wochen. Auch die Lagerung von vier bis sechs Wochen ist wichtig. In Mallersdorf in Niederbayern befindet sich eine der wenig übrig gebliebenen Klosterbrauereien. Hier braut Schwester Doris Engelhard, die nach eigenen Angaben weltweit letzte Bier brauende Nonne. 2016-03-16-1458124010-2203755-Datei28.02.16163330.jpeg Seit 1966 ist die gelernte Brau- und Malzmeisterin im Einsatz, um die 500 Nonnen des Klosters mit Bier zu versorgen. Einen Kasten Bier oder Zoigl kann man hier für 14 € bei ihr kaufen. 1109 wurde das Kloster von Benediktinern gegründet, 1623 erhielten sie eine Urkunde, um das Bier zu verkaufen. Später erfolgt die Gründung der Kongregation der Mallersdorfer Franziskanerinnen. Schwester Doris übernimmt alle Produktionsschritte selbst: Kochen, Vergoren, Abfüllen und das kurze Erhitzen des Biers. „Bier ist ein verderbliches Nahrungsmittel. Wenn es ein Jahr haltbar ist, trinke ich lieber Wasser!", erklärt sie ihr Braugeheimnis und fügt dem hinzu: „Bier ist für mich gesund, solange es nicht sinnlos in sich hineingeschüttet wird". Dass das Bier nicht schädlich ist, ist vor allem dem dem Reinheitsgebot zu verdanken, das die Herzöge Wilhelm IV.und Ludwig der X. 1516 erlassen haben. Ein Nachfahre in der Linie des Wittelsbacher Adelshauses ist Luitpold Prinz von Bayern. Das Empfangszimmer in Schloss Kaltenberg, dem Wohnsitz des Prinzen, zieren zahlreiche Auszeichnungen an der Wand. Seine Königliche Hoheit ist auch selbst Inhaber der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg. "Es sei eine einfache und doch bahnbrechende Idee", erklärt er.
Man kann das Reinheitsgebot auch nicht weiter verbessern.
Die Zehn Gebote waren auch kurz, fasst er mit Stolz zusammen. Das Gebot besagt, dass Bier nur aus vier Stoffen - Wasser, Malz, Hopfen, Hefe - bestehen kann. Im Gegensatz zu Wasser, Milch oder Wein war es ein sicheres Getränk. Vom 29.04 bis zum 30.10.2016 wird die Landesausstellung Bier in Bayern im Kloster Aldersbach dem 500. Geburtstag des Reinheitsgebots Ehre erweisen. Doch nach 500 Jahren erscheint ein Schatten über dem Siegeszug des Biers in Bayern. In der Presse wird vom Glyphosat-Skandal gesprochen, es bilden sich Lobbies, die für und wider die Reinheit des bayerischen Biers argumentieren. Genauere Auskunft darüber kann das Umweltinstitut München erteilen. In einigen untersuchten Bieren wurde Reste von Glyphosat gefunden. In höheren Mengen dieses Pflanzenschutzmittel nach Angaben der WHO krebserregend und fruchtbarkeitsschädigend. "Das Reinheitsgebot suggeriert dem Verbrauer etwas, was es so nicht halten kann", kritisiert Sophia Guttenberger vom Umweltinstitut München e.V. Eine Konsequenz davon wäre, dass sich die Brauer darum kümmern müssten, dass kein Glyphosat mehr im Bier ist und sich mit den Bauern auseinandersetzten." Die Forderung nun ist die nach einer ökologischeren Landwirtschaft. Auch nach 500 Jahren Reinheitsgebot bleibt für die bayerischen Brauereien noch noch viel zu tun! Trotz vieler Veränderungen rund ums Bier ist vieles an Traditionen noch lebendig in Bayern. Früher war es flüssiges Brot und Nahrungsmittel, heute ist es Genussmittel. 40 Biersorten und 4000 Marken gibt es derzeit. Auf Boarisch könnte man sagen: - des gehört oafach zsammen!
Ihr habt auch ein spannendes Thema? Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.
Auch auf HuffPost:

Ex-Ferrari-Chef über Michael Schumacher: "Ich habe Neuigkeiten, aber leider keine guten"

Lesenswert: