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14/10/2015 05:58 CEST | Aktualisiert 14/10/2016 07:12 CEST

Vom politischen Tod des Bernd L.

dpa

Es ist eine beinahe tragische Geschichte. Ein Professor der Makroökonomie erkennt als einer der wenigen Erleuchteten der Republik, wie verfehlt die Eurorettungspolitik verläuft, zieht aus in den Kampf und scheitert grandios an der eigenen Naivität.

Es könnte auch eine klassische Tragödie sein

Ohne die aktuellen politischen Begriffe könnte ich mir das auch als klassische Erzählung vorstellen. In passenden Reimen verfasst vielleicht sogar Goethes Faust ähnlich. Also, vielleicht.

Eine Geschichte von einem tapferen, weisen Mann, der als einer der wenigen die kommende Katastrophe erkennt. Eine Katastrophe, die sich nicht mehr im Rahmen der Gruppe, in der er sich befindet lösen lässt. Der sich von dieser lossagt, sich entfernt und neue Gesinnungsgenossen um sich schart. Eine neue Mannschaft gründet. Aus wackeren Mitstreitern bei der Rettung des Königreiches vor dem feuerspeienden Drachen, der immerzu ruft: ,,Euro! Euro!". Eine Schar, die so alternativ ist, dass sie sich sogar so nennen muss.

Doch nicht alle Mitstreiter sind ohne Tadel....

Dass diese Gruppe sich auch nach und nach mit jenen füllt, die noch andere, finsterere Pläne haben als die des Weisen - fällt erst mal nicht auf. Möglicherweise ist es auch egal. Der Weise denkt vielleicht, er kann all dies unter Kontrolle halten. Oder sich vielleicht sogar zu Nutzen machen.

Egal wie, der Weise versäumt es, seinen neuen Freunden die Gretchenfrage zu stellen. ,,Wie hältst dus mit der Demokratie?" Die Antwort kommt trotzdem. Auch ohne dem stellen der Frage. Und der Weise erkennt nun erstmals, was er geschaffen hat. Oder ihm wird bewusst, dass er das, was er zusammenbraute nun doch nicht mehr im Kessel halten kann. Das Gebräu fließt über. Der ganze Boden plötzlich eklig eingebräunt. Auch die Füße des Weisen.

...und erneut sieht er die Zeit für den Aufbruch gekommen

Der Weise beschließt, dass seine Zeit gekommen ist, seine Arbeit hier ist getan, wenn auch nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Er kann weiter ziehen. Er lässt diese Gruppe nun auch zurück. Sucht sich neue Freunde, wiedermal. Oder nimmt die wenigen mit, die noch bereit sind, ihm zu folgen. Was das eigentliche Vorhaben des Weisen war? Schon lange vergessen von seinen Beobachtern. Trivial, spielt auch keine Rolle mehr.

Es wird einsamer um den Weisen...

All die Etablierten des Königreiches, sie wollen den Weisen eigentlich nicht mehr reinlassen. Keiner will noch mit ihm zusammenarbeiten. Er könnte auch den eigenen, heimischen Teppich so unschön einbräunen. Er kriegt seine Füße nämlich nicht mehr sauber, egal, wie fest er schruppt.

Aber all diese Widrigkeiten können den Weisen nicht davon abhalten, seine Mission auch weiter und in Zukunft mit vollster Zuversicht anzugehen. Eigentlich ist es vorbei, er kann nicht mehr wirklich gewinnen.

...aber aufzugeben kommt ihm nicht in den Sinn!

Irgendwie, ob nun bewusst oder unterbewusst weiß der Weise: wenn er jetzt aufhört, jetzt aufgibt, sich nicht mehr gegen den Drachen stellt, von dem er sicher ist, dass er immer noch die Siedlungen der braven Einwohner niederbrennend durchs Land zieht - dann werden ihn die Geschichtsschreiber nicht als eben diesen Ritter im Kampfe für das Gute, für den er sich selbst hält verewigen.

Sie werden die Nachwelt nur daran erinnern, dass er es war, der nicht auf seinen Kessel aufpassen konnte, dass es auch seine Schuld ist, dass so viele jetzt durch den braunen Sumpf waten müssen.

Aus diesem Blickwinkel gesehen kann ich dem Professor mitfühlen

Ich glaube nicht, dass das, was er geschaffen hat, absichtlich entstanden ist. Ich kann nur hoffen, dass dieser eklige, braune Fleck, der sich aus seinem Kessel ergossen hat und schon so vieles bedeckt nicht noch größer wird.

Ich hoffe, dass sich dieser Fleck nicht eines Tages über alles ausgebreitet haben wird. Das hoffe ich all der anderen Menschen wegen. Das hoffe ich meinetwegen. Das hoffe ich aber nicht zuletzt auch des Professors wegen.

Denn das, was er zurückgelassen hat, das hasst mich, es hasst so viele andere, es hasst aber auch und ganz besonders ihn.

Video: Fünf peinliche Pannen des neuen Spalt-Vereins von AfD-Chef Lucke

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