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05/12/2015 12:23 CET | Aktualisiert 05/12/2016 06:12 CET

101 Gerichte - Guten Appetit

ShotShare via Getty Images

Es war ein erfolgreicher, aber auch langer Tag und ich entschied mich heute nicht im Restaurant des Hotels zu Abend zu essen. Viele wichtige Entscheidungen wurden heute getroffen und ein paar Schritte würden mir gut tun.

Ich wollte mich belohnen und verwöhnen lassen. Also ging ich los und fand ein Restaurant, das einen ansprechenden Eindruck auf mich machte und trat ein.

Das Ambiente war ich dunklen Holz und schwarzen Sitzelementen gehalten. Es hatte einen Loungecharakter und man fühlte sich sofort wohl. Kurz nachdem ich Platz genommen hatte kam auch schon die nette Bedienung mit einem gewinnenden Lächeln auf mich zu.

Sie begrüßte mich und übergab mir die Speisekarte. Oder sollte ich lieber Speisebuch sagen? Okay, dachte ich. Vielleicht ist die Weinkarte integriert.

Ich schlug die edel aufgemachte Speisekarte auf traute meinen Augen nicht. Bis zu meinem Abendessen standen auf mehr als 15 Seiten 101 Gerichte zur Auswahl. Weine Fehlanzeige. Dann fang ich mal an zu lesen.

Während ich Gericht für Gericht studierte stelle ich mir die Frage, ob ein Restaurant wirklich 101 Gerichte auf der Karte haben muss. Hat Masse etwas mit Geschmack zu tun? Wohl eher einen Beigeschmack. Als ich bei Gericht 71 angekommen war, war ich satt.

Satt im Kopf noch eine Entscheidung zu treffen und irgendwie auch satt vom Gefühl her. Von Sushi über Steak bis Schnitzel war alles vertreten. Allein 15 Schnitzelvarianten fand ich vor. Ich fragte mich weiter, dass wenn dieser Gastronom nicht mal in der Lage ist ein überschaubares Angebot seinen Gästen anzubieten, wie wird sich dies wohl auf die Qualität auswirken?

Ich bestellte einen Salat und ein Getränk in der Hoffnung, hiermit nichts falsch zu machen. Das teure Ambiente und das überfrachtete Speisenangebot passten einfach nicht zusammen.

Offenbar versucht dieser Gastronom, es allen Gästen recht machen zu wollen und übersieht dabei, dass der Gast im Mittelpunkt steht und ein Restaurant nicht dazu da ist, sich nur zu präsentieren.

Vielleicht sollte er einfach mal selbst Gast in seinem Restaurant sein, um zu erkennen, dass eine solche Speisekarte den Gast überfordert und genau das Gegenteil bewirkt. Willkommen in der Überflussgesellschaft.

Auf dem Weg zurück ins Hotel kam ich an einem Imbiss vorbei. Ich schaute von Außen durch die Scheibe auf das Angebot, dass in großer Schrift über der Dunstabzugshaube hing. Überschaubar und vielleicht hätte ich mich einfach für Currywurst und Pommes entscheiden sollen.

Guten Appetit.

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