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02/07/2015 12:11 CEST | Aktualisiert 02/07/2016 07:12 CEST

WDR-Leaks: Willkommen in der Realität 2.0

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Diese Situation dürfte der Chefetage beim WDR völlig neu sein. Schließlich nimmt man dort sonst für sich in Anspruch, unappetitliche oder unredliche Geschichten selbst aufzudecken. Gern auch über Whistleblower, also internen Quellen aus Unternehmen und Institutionen. Wenn alles perfekt läuft, sind sie der Auslöser, dass sich Dinge verändern. Soweit so gut. Was aber, wenn der Enthüller selbst zum Enthüllten wird?

Auf Twitter gibt es seit dem 30. Juni mit @WDR_Leaks einen Account, der den Sender in die Bredouille bringt: Dort werden mehr oder minder fröhlich Interna über die geplante Programmreform, Einsparungen und Umstrukturierungen ausgeplaudert. Natürlich werden die Vorhaben heftig kritisiert und die eine oder andere Spitze wird gleich mitgeliefert.

Der Twitter-Account scheint aufgrund der geposteten Dokumente wirklich von Mitarbeitern bzw. dem Sender nahestehenden Personen geführt zu werden. Die Whistleblower gehen sogar soweit, Namen der „Chefredaktionsleitung und dem CvD Büro" gleich mit zu veröffentlichen. Nicht gerade die feine journalistische Art.

In Bedrängnis, hat sich der Sender aber jetzt geäußert. Hörfunkchefin Valerie Weber gibt sich enttäuscht, „dass solche kreativen Prozesse in einer so filigranen Phase des Entstehens nach außen getragen werden". Wohlfein formuliert. Nur wird dieser Appell die Informanten wohl nicht davon abhalten, weitere Interna preiszugeben. Wahrscheinlich prüft man beim WDR gerade, wer hinter dem Account steckt.

Übrigens hält sich das mediale Interesse aktuell noch in Grenzen. Nicht ganz ungewöhnlich bei einem Thema, das so oder so ähnlich etliche in der Branche treffen könnte. Wird doch in vielen Redaktionen fleißig umgebaut, umstrukturiert oder eine neue strategische Ausrichtung gesucht. In jedem Fall lässt sich konstatieren, dass es für einen Sender, der im Rechercheverbund aus Süddeutscher Zeitung und dem NDR große Korruptionsfälle in den letzten Monaten aufgedeckt hat, eine mindestens mal ungewohnte Situation ist. Da kann man nur sagen: Willkommen in der Realität 2.0.

UPDATE: 2. Juli, 14.35 Uhr


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