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09/02/2017 07:32 CET | Aktualisiert 10/02/2018 06:12 CET

America first braucht Angela first

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Donald Trump ist kein intellektueller Analytiker sondern Immobilien-Unternehmer. Seine Logik ist schlicht und binär, ganz wie die Branche: Backstein oder Stahl, kaufen oder verkaufen? Er ist Dealmaker, nicht Diplomat.

Power Play statt Consensus Politics, Sense of Business statt Sense of Mission stehen auf seinem Speiseplan. Dies gilt es zu verstehen, um sein künftiges Verhalten als Präsident der Vereinigten Staaten richtig zu antizipieren. Trump will gewinnen und das um jeden Preis.

Um das zu erreichen, muss er seine USA in eine Position der relativen Stärke zu ihren Gegenübern bringen. Es ist die Symmetrie der Macht, die aus seiner Sicht über Sieg oder Niederlage entscheidet. So schlicht und gleichsam zwingend ist seine Logik.

Trump wird die Machtsymmetrie zu Gunsten Amerikas verändern

Um in künftigen Verhandlungssituationen zu gewinnen, wird Trump die Machtsymmetrie zu Gunsten Amerikas verändern. Dazu wird er seine Verhandlungspartner gezielt auswählen. Konsequent ist er daher gegen multilaterale Abkommen wie TTP oder die WTO, obgleich er weiß, dass sie große Effizienz- und Stabilitätsvorteile für Alle erbringen.

Alle interessieren ihn nicht, America first. Bei TTP hätten die USA vielen Staaten gegenüber gestanden und das ist schlecht für's Power Play. So zieht er bilaterale Handelsabkommen vor, denn diese, glaubt er, erlauben ihm mit relativem Übergewicht die Konditionen zu diktieren.

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Klar, dass Trump den Brexit begrüßt und seine Ermutigung der Briten mit dem Angebot eines bilateralen Freihandelsabkommens als Alternative zum europäischen Binnenmarkt verbindet.

Aus gleichem Grund sind Donald Trump supranationale Gebilde, wie etwa die EU, hochgradig suspekt. Zuviel Masse auf der anderen Seite der Waage ist nicht gut.

Trump wird vielmehr auf bilaterale Abkommen mit Einzelstaaten setzen, das macht America strong again. Europäische Führer mit beträchtlichem Selbstwertgefühl, wie etwa der Ungar Victor Orban, werden seiner Einladung mit Handkuss Folge leisten.

Trump und Putin werden sich gut verstehen

Das Interesse an einer Schwächung der EU und damit zentrifugalen Kräfte in Europa eint Trump mit einem anderen Power Player: Vladimir Putin. Trumps verbale Unterstützung nationalistischer Anti-Establishment Bewegungen, wie etwa dem Front National, sind Teil seiner Strategie und liegen ganz auf der Wellenlänge des Kreml.

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Mit Putin wird er sich auch deshalb gut verstehen, weil er Verbündete gegen den einzigen Gegner benötigt, der ähnliches Gewicht wie die USA im bilateralen Gegenüber auf die Waage zu bringen vermag: China.

Wollen die USA ihre hegemoniale Stellung auf dem Erdball auch im 21. Jahrhundert erhalten, so müssen sie gemäß Trump'scher Doktrin China als einzig restverbliebenen Herausforderer schwächen und bekämpfen. Dazu bedarf es Verbündeter, die das Gewicht auf der eigenen Seite der Waage erhöhen.

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Ein Land wie Russland, das eine ebenso bewegte Geschichte wie lange Grenze mit China teilt, ist ein idealer Partner dafür. Die künftige Männerfreundschaft wird vor diesem Hintergrund zur Zwangsläufigkeit.

Unsere Antwort auf Trump und seine politische Logik kann bei alle dem nur ein starkes Europa sein. Dazu bedarf es der Führung und Stabilität in der EU.

Die Wiederwahl Angela Merkels, der mit Abstand erfahrensten und am längsten amtierenden Staatslenkerin der EU, ist vor diesem Hintergrund, man mag es gerne hören oder nicht, faktisch alternativlos. America first bedarf Angela first!

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